Chemnitz (250.000 Einwohner), kreisfreie Stadt in Sachsen, 75 Kilometer westlich von Dresden.Foto: Public Domain

Chemnitz: Prozess wegen Körperverletzung und Widerstand – Erlitt angeklagter Tunesier Beinbrüche in Polizeigewahrsam?

Von 30. August 2017 Aktualisiert: 30. August 2017 17:46
Nach Auseinandersetzungen zwischen Personengruppen wurde u.a. auch der Tunesier Hatem K. (36) verhaftet. Nach seiner Festnahme warf der Mann der Polizei Misshandlung vor. Doch nun steht er selbst vor Gericht, zusammen mit seinem Freund Ahmet T. (29).

Die dem Fall zugrunde liegende Schlägerei fand am 5. April 2016 statt. Am Wall in Chemnitz gerieten mehrere Ausländer mit Punks aneinander. Die Polizei musste anrücken.

Die Beamten nahmen u.a. den Tunesier Hatem Khemiri fest. Nach seiner Verhaftung warf der Mann den Polizisten vor, ihn misshandelt zu haben. 15 Tage lang wurde sein gebrochenes linkes Bein und ein gebrochenes Fußgelenk behandelt.

05. April 2016, Am Wall

Damals hatte Hatem Khemiri folgendes geschildert, wie „TAG24“ im April vergangenen Jahres berichtete:

Ich sah, wie sich am Rewe-Markt mehrere Deutsche und zwei Ausländer prügelten. Als die Polizei kam, wollte ich aussagen, wurde aber geschlagen, von drei Beamten zu Boden geschleudert. Mit einer Beinschere brach mir ein Polizist das linke Bein.“

(Hatem Khemiri)

Im Polizeiwagen habe ihm ein Polizist erneut auf das Fußgelenk getreten und es damit ebenfalls gebrochen. Der 36-jährige Tunesier und seine Frau Simona (54) erstatteten Anzeige. Polizeisprecherin Jana Kindt sagte zu den Vorwürfen: „Die Ermittlungen dauern an. Wir müssen eine Reihe von Zeugen vernehmen, ebenso den Tunesier und den Libyer.“

Auf der Suche nach der Wahrheit

In einem Bericht im Juni 2017 schrieb „TAG24“, dass die Aussagen nach der Schlägerei verworren gewesen seien. Während ein Wachmann von drei Ausländern, darunter Hatem Khemiri, sprach, die einen Deutschen geschlagen hatten, wollte der Tunesier nach eigenen Aussagen nur schlichten.

Im „Spiegel“ heißt es dazu, dass Khemiri eine Auseinandersetzung zwischen dem Libyer und mehreren Deutschen gesehen habe und diesen wegziehen wollte. Er glaubte, die Deutschen seien Nazis gewesen. Dann kam die Polizei und der Tunesier sei auf sie zugegangen, um die Situation zu klären. Dann wurde er verhaftet. Fotos hätten gezeigt, dass er dann auf dem Bauch gelegen habe, die Hände auf dem Rücken verschränkt, die Beine angewinkelt, mit überkreuzten Füßen.

Dann habe er einen gewaltigen Druck auf seinen Unterschenkeln gespürt, worauf sein linkes Bein nachgegeben habe. Khemiri habe sich sofort übergeben müssen.

Laut einer Sprecherin der Polizeidirektion Chemnitz seien Khemiri und der Libyer als Tatverdächtige in Gewahrsam genommen worden, um weitere Störungen zu verhindern. An der Auseinandersetzung sollen 15 bis 20 Personen beteiligt gewesen, ein 26-Jähriger geschlagen worden sein. Die Polizei ermittle wegen versuchter schwerer Körperverletzung.

Das Bein habe operiert werden müssen, vier Nägel seien eingesetzt worden. Auf der Röntgenaufnahme sei ein Bruch im unteren Scheinbeinbereich und im Wadenbein nahe der Kniekehle zu sehen gewesen.

Sowohl die Form der Brüche als auch die Tatsache, dass überhaupt die Knochen gebrochen sind, spricht für eine Fixierung des Beins.“

(Carsten Hädrich, Leitender Oberarzt, Uni Leipzig, Institut für Rechtsmedizin)

Das Rätsel um die Verletzungen

Doch wie entstanden die Verletzungen des Mannes? Ein Gutachter wurde hinzugezogen.

Der Beschuldigte hatte sich die Brüche während des Polizeieinsatzes zugezogen. Aber seine Verletzung lässt sich keiner der geschilderten Polizeihandlungen zuordnen.“

(Ingrid Burghart, Sprecherin der Staatsanwaltschaft)

Gegen dieses Gutachten legte Khemiri Einspruch ein, der von der Generalstaatsanwaltschaft Dresden zurückgewiesen wurde.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft eröffnete die weitere Vorgehensweise im Fall:

Ihm wird vorgeworfen, dass er sich der Polizei widersetzt, um sich geschlagen und im Streifenwagen gegen die Schiebetür getreten habe.“

(Ingrid Burghart, Sprecherin der Staatsanwaltschaft)

Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren zur Körperverletzung im Amt jedoch ein, , wie „TAG24“ jetzt berichtete.

Tunesier vor Gericht

Nun steht jedoch Hatem Khemiri selbst vor Gericht, zusammen mit seinem Freund Ahmet T. (29). Den Männern werden gefährliche Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Der Tunesier streitet die Vorwürfe ab, Ahmet T. schweigt.

Wir wurden von Nazis angegriffen. Ich wollte nur schlichten. Ich wurde von den Polizisten zusammengeschlagen und beleidigt.“

(Hamet Khemiri)

Polizeibeamter Thomas F. (30) war als Erster am Tatort. Von der Verhaftung des Mannes berichtete er:

Zeugen zeigten uns die Täter, wir nahmen die beiden fest. T. wehrte sich massiv, wir mussten sogar die Fahrt zum Revier unterbrechen. So extrem habe ich das in meinen zehn Jahren als Beamter noch nie erlebt.“

(Thomas F., Polizeibeamter)

Offen vor Gericht blieb bisher dennoch, wann und wo sich Hamet Khemiri die Verletzungen zugezogen hatte.

Der Prozess wird am 4. Oktober mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

Siehe auch:

Chemnitz: Stadtfest wegen „drohender Eskalation“ abgebrochen – Massenschlägerei bereits am Freitag – Frauen erzählen vom Fest

Rimini-Fall zieht Kreise: Polen schickt Ermittler – „Kultureller Vermittler“ aus Bologna nennt Vergewaltigung normalen Sex

Turku-Attentäter lebte zuvor in Flüchtlingsheimen in Bramsche, Rinteln, Braunschweig, Neuss, Kerpen, Dortmund …


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