China: Behandlung von Schweinegrippe mit H1N1-infiziertem Blutplasma

Von 6. Januar 2010 Aktualisiert: 6. Januar 2010 15:55
Experten besorgt über Aufrufe zu mehr Blutspenden

Lebt man in China und hat gerade eine Schweinegrippe-Erkrankung überstanden, dann will das chinesische Regime dein Blut. Blutserum oder -plasma von Menschen, die eine Ansteckung mit dem H1N1-Virus erfolgreich gemeistert haben, wird Patienten verabreicht, die sich in einem kritischen Zustand befinden. Bei Experten und Krankenhauspersonal löst diese Praxis Besorgnis aus und einige sind der Meinung, dass die Beamten diese Möglichkeit nur nutzen, um mit den Blutspenden Geld zu machen.

Zu wenig erprobt

Die Plasmatherapie ist zu wenig erprobt, als dass sie in der allgemeinen Behandlung eingesetzt werden könnte. Das erklärte Li Xingwang, der Direktor der Infektionsabteilung des Ditan-Krankenhauses in Peking. Er wurde vom Gesundheitsministerium zum stellvertretenden Teamleiter für die H1N1-Behandlung Chinas ernannt.

Dr. Xiaolin Lin, Virologe und Spezialist für Präventivmedizin der US-Armee, stimmt dem zu. „Es gibt keinen Nachweis für den Erfolg einer Plasmatherapie“, erklärte er. „Der einzige Fall, auf den man zurückgreifen könnte, ist die erfolgreiche Behandlung eines an Vogelgrippe erkrankten Patienten mit der Plasmatherapie im Jahre 2006 in der Provinz Guangxi.“

Gesundheitsministerium: Plasmatherapie an letzter Stelle

Lin erklärte, dass das chinesische Gesundheitsministerium Behandlungsprotokolle führe und dass die Anwendung der Plasmatherapie an letzter Stelle stünde. Geheilte Patienten haben Antikörper gegen das Virus in ihrem Blut.

„Es gibt nur zwei Gründe für die Anwendung der Plasmatherapie“, erklärte er, „entweder wenn der Virus sich zu stark verbreitet hat oder wenn er mutiert ist.“

Lin sagte, dass es die Plasmatherapie schon vor 100 Jahren gab, bevor man auf die heute üblichen und billigeren Antibiotika zurückgreifen konnte, um Viren unter Kontrolle zu halten. Derzeit wird die Plasmatherapie etwa bei Blutkrankheiten wie Hämophilie eingesetzt.

Blutkonserven mit Infektionsrisiko

Die Aufforderung zum Blutspenden versetzt Lin in Sorge – große Mengen zu sammeln kann schwierig und kostspielig sein. Auch die Aufbewahrung von Plasma sei ein „Gewinn- und Verlustspiel“. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights in China (HRIC) nannte das Ganze „schrecklich unhygienisch“. Wird Blut vieler Menschen an einem Ort zusammengetragen, erhöht sich das Risiko einer Infektion drastisch. Krankheitserreger oder HIV-Viren einer einzigen Blutkonserve können Hunderte bis Tausende weitere Menschen infizieren.

Das geschah vor zehn Jahren, als die örtliche Regierung von Henan das Geschäft mit gespendetem Blut ausweitete. Es verursachte einen massiven Anstieg von Aids-Erkrankungen in der gesamten Provinz.

Nach jüngsten Berichten ist das Zentrum für Blutspenden des Roten Kreuzes in der Provinz Henan nun dabei, Menschen, die die H1N1-Infektion überstanden haben, zu ermutigen, ihr Blut zu spenden. Ein Arbeiter des Zentrums erklärte, dass seit der Einführung der Behandlung mit Plasma viel mehr Menschen Blut gespendet haben: „Jeden Tag kommen 60 bis 70, manchmal 100 Freiwillige zum Zentrum, um Blut zu spenden.“

20.000 Dollar für 159 Liter Blut

Nach Aussagen des Virologen Dr. Lin hat das chinesische Regime die Menschen nicht über die wahren Gründe aufgeklärt, die hinter der Aufforderung zum Blutspenden standen. Ein Barrel (etwa 159 Liter) Blut zu Großhandelspreisen liegt bei 20.000 US-Dollar in China und könnte nach seiner Aufbereitung auf bis zu 60.000 US-Dollar steigen. Das berichtete HRIC im Jahre 2008. Dr. Lin erklärte, die Behörden könnten die Gelegenheit nutzen, Blut von den Bürgern für andere Zwecke zu bekommen als nur für allgemeine Notfälle. „Es herrscht immer ein Mangel an Blutkonserven“, sagte er.

Ein Mitarbeiter der Seuchenschutzbehörde in Wuhan in der Provinz Hubei erklärte, dass die Plasmabehandlung noch nicht ausgereift sei und dass die Krankenhäuser in den meisten Provinzen ihr gegenüber skeptisch sind. „Die Technologie der Plasmabehandlung mit H1N1-Antikörpern ist noch in der Entwicklung“, erklärte er. Er wollte anonym bleiben. „Viele Krankenhäuser haben diese Art von Behandlung eingestellt während andere sie noch durchführen.“

Herr Li, der bei der Seuchenschutzbehörde der Stadt Liaocheng in Shandong arbeitet, erklärte, dass das Blut an Patienten verabreicht würde, die sich in einem kritischen Zustand befänden. Er gab aber nicht an, ob es sich bei jenen kritischen Fällen um H1N1-Patienten handelt.

Blutspender gesucht

Als geeignete Blutspender werden gehandelt: Personen, die mehr als eine Woche zuvor aus dem Krankenhaus entlassen oder zu Hause behandelt wurden und Personen, die während der vergangenen ein bis drei Monate gegen Schweinegrippe geimpft wurden. Diese Kriterien sind in den „vorläufigen Bestimmungen über den Umgang mit Blutspenden von ehemaligen H1N1-Patienten vom 9. Dezember 2009″ des Gesundheitsamtes aufgelistet.

Frau Miao, eine buddhistische Krankenschwester, die mehrere Initiativen gründete, um sterbende AIDS-Patienten in der Provinz Guangdong zu begleiten, äußerste gegenüber Sound of Hope Radio:

„Dieses Projekt kann der kommunistischen Partei und den medizinischen Einrichtungen Geld bringen. Darum fördert die Regierung diese Behandlung. Sie kümmert sich nicht um das Leben der Menschen. Solange sie Geld machen können, werden die Regierungen und Krankenhäuser zusammenarbeiten. Die meisten Chinesen stellen den Profit in dieser Situation höher als alles andere.“

Originalartikel auf Englisch: H1N1 Plasma Treatment Raises Concern in China

 

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