LKW rast in Berliner Weihnachtsmarkt. 19. Dezember 2016.Foto: Sean Gallup/Getty Images.

Chronik des Terrors: Seit Juli 2016 mehr Anschläge als in zehn Jahren in Deutschland

Von 20. Dezember 2016 Aktualisiert: 20. Dezember 2016 20:59
Blickt man auf die versuchten und verübten Terroranschläge, die in Deutschland dieses Jahr stattfanden, stellt man fest: Allein seit Juli 2016 gab es mehr solche Vorfälle als im gesamten Jahrzehnt zuvor. Die Bedrohung hat deutlich zugenommen – zumal die Drahtzieher immer professioneller vorgehen.

Anschläge islamistischer Extremisten konnten in Deutschland in den letzten zehn Jahren meist vereitelt werden oder schlugen fehl. In wenigen Ausnahmen kam es zur Katastrophe. Seit gestern scheint die Welt aber Kopf zu stehen: In Berlin fährt ein LKW in die Menschenmenge des Weihnachtsmarktes am Breitscheidplatz. 12 Tote 48 Verletzte, viele davon schwer. Dass irgendwann ein schwerer Anschlag  die deutsche Zivilbevölkerung treffen würde, zeigen allein die Zahlen. Denn zwischen Juni und Dezember 2016 gab es bereits mehr terroristische Aktivitäten als in den 10 Jahren zuvor – und sie sind vor allem professionellere. Hier ein Überblick.

Ludwigshafen: 12-Jähriger deponiert Rucksack mit Sprengstoff 

Anfang Dezember 2016 wurde in der Nähe des Rathaus-Centers Ludwigshafen ein Rucksack mit einem Sprengsatz gefunden. Noch am selben Tag fällt der Verdacht auf einen 12-jährigen Deutsch-Iraker, der in Ludwigshafen aufwuchs. Der Junge soll schon Tage zuvor einen Sprengsatz auf dem Ludwigshafener Weihnachtsmarkt deponiert haben. Beide zündeten nicht. Mit 12 Jahren ist der Verdächtige zu jung um bestraft zu werden. Er befindet sich inzwischen in der Obhut des Jugendamts. Der Generalbundesanwalt ermittelt allerdings ob Hintermänner den Jungen per Handy-Messenger angeleitet haben.

Zwölfjähriger soll Anschlag in Ludwigshafen geplant haben

Jaber Al-Bakr baute in Chemnitz an Bombe

Nach Hinweisen auf Internet-Recherchen für Bombenbau versuchte die Polizei am 8. Oktober Jaber al-Bakr in Chemnitz festzunehmen. In der Wohnung des potentiellen Sprengstoffattentäters wurde fertiger Sprengstoff entdeckt – außerdem 1 Kilogramm Zutaten für die Herstellung von noch mehr Sprengstoff. Der Verdächtige entkam der Polizei nach Leipzig, wurde aber dort von syrischen Landsmännern überwältigt, bei denen er Schutz gesucht hatte. Sie übergaben ihn einen Tag später der Polizei. Schließlich ermordete sich Jaber al-Bakr, der mit der Terrororganisation Islamischer Staat in Verbindung gestanden haben soll, am 12. Oktober in seiner Zelle.

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27-jähriger Syrer sprengt sich in Ansbach in die Luft

Juli 2016: Ein 27-Jähriger Syrer im fränkischen Ansbach in die Luft. Er hatte zuvor versucht Zugang zu einem Musikfestival zu bekommen wurde aber nicht eingelassen. Kurz darauf zündet er den Sprengsatz in der Nähe der Kasse. Der Attentäter stirbt, 15 weitere weitere werden verletzt. Kurz vor der Tat sahen Zeugen den Täter noch mit seinem Handy telefonieren. Später finden die Ermittler auf dem Gerät ein Video. Darin bekennt sich der Mann zum sogenannten Islamischen  Staat.

Selbstmord-Anschlag in Ansbach: So erlebten Augenzeugen die Explosion

Axtangriff in Würzburger Regionalbahn

Juli 2016: In einer Regionalbahn bei Würzburg geht ein junger Mann mit einer Axt und Messer auf Mitreisende los. Er verletzt vier Touristen aus Hongkong, zwei von ihnen lebensgefährlich. Auf seiner Flucht greift er später ein Sondereinsatzkommando der Bayerischen Polizei an. Die Beamten erschießen ihn laut offizieller Darstellung. Es handelt sich bei ihm um einen Flüchtling. Bei seiner Einreise hatte er angegeben 17-Jahre und aus Afghanistan zu sein. Kurz darauf kursiert ein Bekennervideo von ihm im Internet, das der sogenannte IS veröffentlicht haben soll.

Würzburger Axt-Anschlag: Junger Flüchtling hatte „handgemalte IS-Flagge“ im Zimmer

Geplanter Sprengstoffanschlag in Düsseldorfer Altstadt

Juni 2016: Die Bundesanwaltschaft nimmt drei Verdächtige Syrer fest, die einen Sprengstoffanschlag in der Düsseldorfer Altstadt geplant haben sollen. Es gebe aber keine Hinweise, dass sie bereits mit der Umsetzung des Planes begonnen hatten. Wie belastbar die Aussagen eines möglichen Komplizen in Frankreich sind, der sich dort den Behörden gestellt haben soll, ist weiterhin unklar.

Terrorzelle die Anschlag in Düsseldorf plante ausgehoben – viele Islamisten in NRW abgetaucht

Messerangriff einer 15-Jährigen auf Polizisten im Hauptbahnhof Hannover 

Februar 2016: Bei einer Personenkontrolle am Hauptbahnhof Hannover zieht die 15-jährige Deutsch-Marrokanerin Safia S. plötzlich ein Messer und verletzt einen Bundespolizisten lebensgefährlich. Sie habe sich von Mitgliedern des Islamischen Staats überzeugen lassen eine Märtyrer-Operation in Deutschland durchzuführen, so die Bundesanwaltschaft.

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Hessen: Ehepaar mit salafistischem Hintergrund baut Rohrbombe

April 2015: Die hessische Polizei nimmt in Oberursel ein Ehepaar mit mutmaßlich salafistischem Hintergrund fest. Sie sollen einen Anschlag geplant haben. Ziel war möglicherweise ein Radrennen, das vorsichtshalber abgesagt wurde. Im Keller des Ehepaars fanden Ermittler eine funktionsfähige Rohrbombe. Der Mann steht seit Januar 2015 wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor Gericht. Die Ermittlungen gegen seine Frau wurden eingestellt.

Bombe auf Bonner Hauptbahnhof gefunden

Dezember 2012. Am Bahnsteig 1 des Bonner Hauptbahnhofs wird eine Bombe gefunden. Der Sprengsatz explodierte vermutlich nur deshalb nicht, weil Bombe und Zünder nicht fachgerecht zusammengebaut wurden. Der mutmaßliche Täter Marco G. ist ein zum Islam konvertierter Deutscher. Er muss sich seit September 2014 vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verantworten. Die Verteidigung bestreitet konkrete Anschlagspläne. Bei der gefundenen Bombe habe es sich lediglich um eine Attrappe gehandelt.

„Düsseldorfer Zelle“ baut Bombe

Düsseldorf im April 2011. Die Polizei überwältigt drei mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder in ihren Wohnungen. Als die die sogenannte „Düsseldorfer Zelle“ hatten sie bereits Anschläge in Deutschland geplant. Sie hatten Bombenbauteile und Sprengstoff-Komponenten besorgt. Ein konkretes Anschlagsziel hatten sie aber noch nicht. Wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung erhalten sie im November 2014 Haftstrafen zwischen 4,5 und 9 Jahren. 

Zwei U.S.-Soldaten am Flughafen Frankfurt erschossen

Frankfurt im März 2011: Am Terminal 2 des Frankfurter Flughafens werden zwei U.S.-Soldaten durch Schüsse getötet. Zwei weitere werden lebensgefährlich verletzt. Weil die Waffe des Täters klemmt gibt es keine weiteren Opfer. Der junge Kosovo-Albaner Arid U. hatte einen islamistischen Hintergrund. Arid U. hatte sich allmählich radikalisiert, hatte Dschihad-Videos gesucht und islamistische Kampflieder gehört. Er soll Einzeltäter gewesen sein, ohne Verbindung zu Terrornetzwerken, wie Al-Kaida. 2012 wird er zu lebenslanger Haft verurteilt.

Festnahme der „Sauerlandgruppe“

September 2007: In einem Ferienhaus im Sauerländischen Medebach verhaften Sicherheitskräfte die beiden deutschen Fritz G. und Daniel S. sowie den türkischen Staatsbürger Adem Y. Gemeinsam bilden sie die sogenannte Sauerlandgruppe. Mindestens 150 Menschen sollten bei Autoanschlägen sterben. Das waren die Pläne der Terrorgruppe. Die drei Männer werden im März 2010 zu Haftstrafen von 5 bis zu 12 Jahren verurteilt.

Bombenanschlag auf Koblenzer Regionalzug

Köln Juli 2006: Bombenanschlag auf Regionalzug. Das Überwachungsvideo auf einem Kölner Bahnhof zeigt einen der Täter Joseph H.. Als Reaktion auf eine Mohammed-Karikatur deponierte er einen Sprengsatz in einem Regionalzug nach Koblenz. Wegen eines technischen Fehlers kommt es nicht zur Detonation eines Sprengsatzes in seinem Rollkoffer. Wenige Wochen später wird Joseph H. in Kiel festgenommen und dem Haftrichter in Karlsruhe vorgeführt. 2008 wird er vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.



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