Ein "Welt"-Reporter musste um einen Corona-Test kämpfen.Foto: Alexander Scheuber/Getty Images

Corona-infizierter Reporter musste um einen Test kämpfen – Klinik weist Vorwürfe zurück

Von 25. März 2020 Aktualisiert: 31. März 2020 10:23
Der aus Leipzig stammende „Welt“-Mitarbeiter Lutz Stordel ist mit dem Coronavirus infiziert. Um ein Haar wäre die Infektion jedoch unentdeckt geblieben. Die Klinik erklärt ihr Handeln mit den Vorgaben des RKI, nach denen sie sich richtet.

„Welt“-Reporter Lutz Stordel befindet sich zurzeit in Quarantäne. Der Grund: Er ist mit dem Coronavirus infiziert. Das Pikante an der Sache: Hätte sich der Journalist nicht erst nachdrücklich einen Test erkämpft, würde er heute noch im Außeneinsatz seiner Arbeit nachgehen, frequentierte Orte aufsuchen oder bekannte Persönlichkeiten interviewen.

Der in Leipzig ansässige Mitarbeiter der Tageszeitung schildert in einem Online-Interview, wie sein Fall gleich mehrere Unzulänglichkeiten der medizinischen Infrastruktur Deutschlands in Zeiten der Corona-Krise offenlegte.

„Welt“-Reporter muss erst auf Zugehörigkeit zu Risikogruppe verweisen

Die Symptome seien bei ihm minimal ausgeprägt, schildert Stordel, er habe leichtes Fieber, nicht einmal Husten oder Schnupfen, er sei jedoch trotzdem Corona-infiziert. Er sei auf den Gedanken gekommen, sich testen zu lassen, nachdem er über eine Woche hinweg leichtes Fieber von etwa 37,8 Grad und Kopfschmerzen gehabt habe.

Aus diesem Grund habe er sich am Sonntag (22.3.) in die Universitätsklinik begeben. Obwohl es keine Schlange gab und vier Ärzte zur Verfügung gestanden hätten, sei er abgewiesen worden. Die Symptome hätten nicht ins vorgegebene Raster des Robert-Koch-Instituts (RKI) gepasst. Die Ärzte seien davon ausgegangen, dass er ohnehin nicht befallen sei, und hätten noch auf die Kostenpflichtigkeit der Maßnahmen hingewiesen.

Erst als er explizit darauf insistiert hatte, dass er als Journalist zu den expliziten Risikogruppen gehöre und mit Präsidenten, Ärzten oder anderen Multiplikatoren unterwegs sei, habe man sich bereiterklärt, ihn zu testen. Tags darauf wurde Stordel telefonisch die Diagnose mitgeteilt.

„Sollte man sich nach den Kriterien des Robert-Koch-Instituts richtig verhalten haben, sind die Kriterien falsch“, lautet das Resümee des Reporters. Hätte man sich geweigert, ihn zu testen, würde er heute immer noch nicht als Infizierter identifiziert sein und wahrscheinlich sogar noch arbeiten.

Frau wahrscheinlich mit Corona infiziert, wurde aber nicht getestet

Er sei dabei nicht einmal ein Einzelfall gewesen. Auch seiner Frau sei ein Test verweigert worden, obwohl sie zuvor explizit von der Klinik hinbestellt worden wäre. Die diensthabende Ärztin habe sie jedoch wieder nach Hause geschickt. Auch das gemeinsame Kind sei nicht getestet worden. Von einer Infektion sei auszugehen, da man auf engstem Raum zusammenlebe. In der Statistik werde sie aber nicht erfasst.

Ein Mitarbeiter Stordels, der mit einem infizierten Kameramann zusammengearbeitet hatte, musste ohne Test in Quarantäne, seine Freundin hingegen müsste nach wie vor noch arbeiten gehen. Eine Unterbrechung der Infektionsketten sei vor diesem Hintergrund ein frommer Wunsch.

Auch der Druck vonseiten des Gesundheitsamtes sei nicht übermäßig groß, schildert der „Welt“-Mitarbeiter. Bezüglich der Nennung von Personen, mit denen man als Infizierter zuletzt Kontakt gehabt habe, sei erst ein „Sprachkontakt von mindestens 15 Minuten“ relevant. Hingegen wäre ein 20-minütiger, teils sogar körperlicher Kontakt zum Physiotherapeuten kein Anlass, diesen zum Test zu bestellen.

Uniklinik Leipzig weist Vorwürfe zurück: „Angehörige zu testen Sache der Gesundheitsämter“

Gegenüber Epoch Times hat sich die Pressesprecherin des Uniklinikums Leipzig, Helena Reinhardt, zu den Vorwürfen geäußert:

„Herr Stordel berichtet von seinem Unverständnis dafür, dass sich unsere Corona-Ambulanz an die Richtlinien des RKI bei der Entscheidung für oder gegen einen Test gehalten hat. Das bedauern wir“, erklärte Reinhardt. „Dennoch ist es so, dass für uns wie für alle öffentlichen Einrichtungen die Richtlinien des Robert-Koch-Instituts (RKI) als Richtschnur für unser Handeln dienen. Das RKI ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention. Es passt seine Empfehlungen regelmäßig dem Bedarf an.“

„Gesundheitsämter müssen weiteres Vorgehen bestimmen“

Im Einzelfall sei es durchaus möglich, dass Empfehlungen, die sich für eine ganze Bevölkerung bewähren müssten, individuell nicht optimal geeignet seien. Man sehe es daher positiv, dass die Ärzte des Klinikums nach dem Gespräch mit dem „Welt“-Reporter entgegen den Empfehlungen des RKI doch einen Corona-Test durchgeführt hätten: „Dies zeigt, dass sich ein ärztlich begleitetes Testen auch in diesem Fall bewährt.“

Dass Stordels Frau, wie vom Redakteur behauptet, von der Klinik zu einem weiteren Test bestellt worden sein soll, erscheint Reinhardt als „ungewöhnlich“. Immerhin sei es Sache der Gesundheitsämter, über das weitere Verfahren bezüglich der Angehörigen von Infizierten zu entscheiden – ebenso wie die Festlegung einer Quarantäne und des weiteren Vorgehens.

Zu Stordels Darstellung hinsichtlich weiterer Personen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben sollen, könne man sich mangels genauerer Angaben darüber, wer wann wie getestet worden sei oder nicht, nicht äußern.



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