Corona-Krise: Deutschlands „Spiel null“?

Von 25. März 2020 Aktualisiert: 25. März 2020 16:35
Allen Warnungen zum Trotz fand im Stadion von Borussia Mönchengladbach zweieinhalb Wochen nach dem „Spiel null“ in Italien ein Bundesliga-Match statt – vor 53.877 Zuschauern. Das Stadion liegt nur 25 Kilometer von Heinsberg, dem deutschen Epizentrum, entfernt.

Die Stadt Bergamo im Norden Italiens und ihre Nachbargemeinden sind stärker als alle anderen Regionen des Landes vom Coronavirus betroffen. Seit einiger Zeit fragen sich die Experten, warum es ausgerechnet dort so viele Infizierte und Tote gegeben hat? Inzwischen äußern sie einen Verdacht, der erschaudern lässt – vor allem auch im Hinblick auf Deutschland.

„Nach Ansicht italienischer Gesundheitsexperten könnte das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League zwischen Atalanta Bergamo und dem FC Valencia (4:1) ein Grund sein, weshalb die Stadt Bergamo und deren Umgebung besonders stark vom Coronavirus betroffen sind. Die Partie war am 19. Februar vor 44.236 Zuschauern im Mailänder San-Siro-Stadion ausgetragen worden, die Rede ist in Italien nun vom ‚Spiel null’“, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Wegen des Champions-League-Spiels sind 44.000 Atalanta-Tifosi zum San-Siro-Stadion nach Mailand gereist. Sie waren in Bussen, Zügen oder auf Autobahn-Raststätten und Restaurants in engem Kontakt. Die Epidemie ist in Bergamo genau zwei Wochen nach diesem Spiel explodiert“, sagte Francesco Le Foche, Leiter der Abteilung für Infektiologie der römischen Poliklinik ,Umberto I.“ Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, waren unter den Fans auch 540 Zuschauer aus dem Val Seriana, einem heute bekannten Infektionsherd.

Auch der Krisenstab des nationalen Zivilschutzes geht der Fußball-Theorie nach – bezeichnete die entsprechende Forschung aber als schwierig. Inzwischen sind auch 35 bis 40 Prozent der Spieler von Valencia infiziert.

Über den Verdacht wird in den deutschen Medien berichtet. Keinen Hinweis in diesem Zusammenhang fand ich jedoch auf einen Umstand, der den Verdacht aus Italien für Deutschland besonders relevant macht. Und Anlass zu großer Sorge ist. Das Epizentrum der Corona-Pandemie in der Bundesrepublik war und ist der Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen. Der ist nur rund 25 Kilometer vom Stadion von Borussia Mönchengladbach entfernt. Und glaubt man einer Abfrage im Fanclubregister, so sind die Vorsitzenden von elf Gladbach-Fanclubs unter dem Wohnort Heinsberg zu finden.

Allen Warnungen zum Trotz fand dort zweieinhalb Wochen nach dem „Spiel null“ in Italien ein Bundesliga-Match statt – vor 53.877 Zuschauern. Kritiker fassten sich schon damals an den Kopf, dass das Derby Gladbach-Dortmund nicht abgesagt wurde. Es ist davon die Rede, dass Kompetenzgerängel zwischen Bund und Land ausschlaggebend waren, und die Scheu von Ministerpräsident Laschet vor unpopulären Maßnahmen. Man kann nur hoffen, dass die Befürchtungen unbegründet waren und die Begegnung in Gladbach am 7. März nicht zu einem „Spiel null“ für Deutschland wurde. Vom Karneval gar nicht zu reden.

Krystian Pazda kommentiert dazu auf meinem Blog: „Mindestens genauso unverantwortlich war es, zwei Tage später in Stuttgart das Spitzenspiel in der 2. Liga vor über 50.000 Zuschauern stattfinden zu lassen. Warner vor Panikmache verwiesen damals auf die Statistik, dass in Stuttgart ganze fünf Corona-Fälle gemeldet waren. Übersehen wurde dabei, dass ein Großteil der VfB-Fans Rückkehrer aus den Skigebieten in Südtirol und Österreich waren. Die rasante Verbreitung des Virus in Baden-Württemberg in den vergangenen zwei Wochen ist demnach auch auf dieses Spiel zurückzuführen. Unfassbar, dieser naive Leichtsinn! Was das Szenario in Mönchengladbach angeht, kann ich mich nur daran erinnern, dass die Borussia Fans aus dem Landkreis Heinsberg halbherzig darum gebeten haben, den geplanten Stadionbesuch zumindest zu überdenken. Wie viele Fans ihrem Gewissen gefolgt sind, weiß wenn überhaupt, nur die Geschäftsstelle von Borussia Mönchengladbach.“

Zuerst erschienen auf dem Blog von Boris Reitschuster reitschuster.de.

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