Hygiene-Experte Zastrow über RKI: „Solche Pannen dürfen überhaupt nicht passieren!“

Das Coronavirus ist auf dem Vormarsch. Inzwischen gibt es zehn neue Verdachtsfälle im Land. Bislang schien das Virus in Deutschland noch unter Kontrolle. Doch nach und nach wird deutlich, dass die Kommunikation zwischen dem Robert-Koch-Institut (RKI), der obersten Gesundheitsbehörde in Deutschland, nicht unfehlbar ist. So berichtete der Kölner Express von einer Italienerin, die wegen grippetypischer Symptome ihres Mannes am 25. Februar die Behörden informiert hatte. Der Mann war am vergangenen Freitag mit dem Zug aus der Region Lombardei nach Köln zurückgekehrt.

Ungeachtet der Tatsache, dass in Norditalien schon über 200 Infizierte und sogar Todesfälle gemeldet worden waren, wurde der Mann nicht in eine Klinik gebracht. Laut „Express“ sei die Lombardei zu dieser Zeit nicht vom RKI als Risikogebiet eingestuft worden. Es hieß: „Daher wurde dem Kölner Patienten empfohlen, Kontakt zum Hausarzt aufzunehmen. Dann verließ die RTW-Besatzung die Örtlichkeit wieder.“ Ein Virustest wurde nicht durchgeführt.

Diese Vorgehensweise wurde von einer Sprecherin der Stadt bestätigt. Sie verwies darauf, dass sich die Behörden an die Vorgaben des Robert-Koch-Institutes halten würden. Gegen 13.25 Uhr teilte die Stadt Köln plötzlich mit, dass der Fall intensiv geprüft und das Gesundheitsamt nochmals Kontakt zu dem Italiener aufgenommen habe. Er wurde erneut zu den Symptomen und seiner Reise befragt und schließlich für weitere Untersuchungen in die Klinik gebracht. Kurz danach kam eine Entwarnung: Der Mann war nicht infiziert.

Der Leiter der Abteilung Infektions- und Umwelthygiene beim Gesundheitsamt der Stadt Köln,  Professor Dr. med. Gerhard A. Wiesmüller, rät Kölnern mit grippetypischen Symptomen, zum Hausarzt zu gehen. „Wir können nicht jeden Kölner wie einen möglichen Corona-Fall behandeln. Dann würden wir keine Kapazitäten mehr für mögliche echte Fälle haben.“

Wir sprachen mit Hygiene-Experten Professor Dr. Klaus-Dieter Zastrow.

RKI legt Risikogebiete zu spät fest

ET: Im vorliegenden Fall hat sich gezeigt, dass das Zusammenwirken zwischen RKI und Behörden nicht optimal war. Wie sehen Sie die Situation?

Zastrow: Wenn Sie heute (27.2., 12.52 Uhr) auf die Seite des RKI schauen, ist Mailand noch immer nicht dabei [Anmerkung der Redaktion: im Risikogebiet]. Leute, die aus Mailand kommen, werden nicht getestet. Solche Pannen dürfen uns überhaupt nicht passieren!

[Anmerkung der Redaktion 27.2., 20.20 Uhr: Zunächst bezeichnete das RKI „Provinz Lodi in der Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua in der Region Venetien“ als Risikogebiet in Italien. Inzwischen wurde dies auf der Website des RKI geändert in: „Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua in der Region Venetien“. Dazu gehört auch Mailand.]

ET: In einem anderen Fall hatte ein Hausarzt einen Patienten als Coronavirus-Verdachtsfall in Iserlohn in seiner Praxis. Bis zur Aufklärung durfte kein Patient das Wartezimmer verlassen. Wie optimal ist die Empfehlung, seinen Hausarzt aufzusuchen?

Zastrow: Um derartige Situationen zu vermeiden, müssen die Patienten ihren Hausarzt unbedingt im Vorfeld telefonisch kontaktieren. Der Patient muss sich zudem telefonisch versichern, dass der Hausarzt den Coronavirus-Test überhaupt durchführen kann. Übrigens sind die Hausärzte selbst dafür verantwortlich, sich die entsprechenden Tests zu besorgen. Es wird sodann von dem Patienten ein Abstrich aus dem Rachenraum genommen und in ein Labor geschickt.

Kein Risikogebiet, kein Virustest

ET: Ein Insider hat uns über folgenden Fall unterrichtet: Bei einem Mann mit Grippesymptomen wurde ein Influenza-Test durchgeführt – negativ. Das Labor weigerte sich zunächst, einen Test auf das Coronavirus durchzuführen, weil der Patient nicht aus dem Risikogebiet (Mailand) kam und auch nachweislich keinen Kontakt mit Infizierten hatte. Woran liegt so eine Verhaltensweise?

Zastrow: Das liegt an der Empfehlung des RKI.  Natürlich können Labore trotzdem einen Coronavirus-Test machen. Aber das ist eine Kostenfrage. Ein Test kostet zwischen 80 und 120 Euro. Früher kostete ein HIV-Test 800 Euro, jetzt kostet er 4 Euro. So ist das auch mit den Coronavirus-Tests. Die Nachfrage macht den Preis.

[Anmerkung der Redaktion: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat in der Presseerklärung zum Krisenstab am Donnerstag gesagt: „Lieber einmal mehr testen als zu wenig. Am Geld solle es nicht scheitern.“ Sobald ein Arzt einen Test anordnet, müssten auch die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden.]

ET: Kann es sein, dass ein Patient, bei dem Grippe festgestellt wird, gleichzeitig mit einem Coronavirus infiziert ist?

Zastrow: Das kann natürlich vorkommen. Schon allein deshalb ist ein Coronavirus-Test bei Grippesymptomen sinnvoll, um eine Epidemie aufzuhalten.

ET: Nach wie vor finden Messen in Deutschland mit chinesischer Beteiligung statt. Die Hannover-Messe erwartet über 8.000 Chinesen.

Zastrow: Da würde ich auf keinen Fall hingehen.

Italien: Trotz Gesundheitsnotstand nicht vorbereitet

ET: Werfen wir einen Blick nach Italien. Die Regierung hatte Anfang Februar zwar bereits den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Es gab zwar Flugverbote aus China, aber keine Flughafenkontrollen. Auch Aussteigerkarten so wie in Deutschland sollen nicht ausgeteilt worden sein. Worauf führen Sie die explosionsartige Verbreitung in Norditalien zurück?

Zastrow: Die Behörden haben damit gar nicht gerechnet. Die waren einfach nicht vorbereitet, sonst hätte man den ersten Coronavirusfall im Krankenhaus gleich erkannt. Aber so konnte sich das Virus rasch verbreiten.

ET: Wie gut sind deutsche Gesundheitsämter auf eine Epidemie aus Ihrer Sicht vorbereitet?

Zastrow: Ein Gesundheitsamt kann auch nichts Anderes machen, als ansteckungsfähige Leute zu isolieren. Da muss man nicht besonders vorbereitet sein, sondern immer wieder schauen, wo eine ansteckungsfähige Person sein könnte.

Die Gesundheitsämter müssen jetzt vorausschauend handeln und nicht sagen: „Da wird schon nichts sein.“ Wenn uns einer durch die Lappen geht, der an der Kasse bei Aldi 50 Leute infiziert, oder eine Kindergärtnerin, die weiterhin arbeitet, dann kann das dramatische Folgen haben.

Pandemiepläne für den Schreibtisch

ET: In einer Risikoanalyse für den Bevölkerungsschutz zur „Pandemie durch Virus ‚Modi-SARS’“ (Drucksache 17/12051 vom 3. Januar 2013) heißt es: „Die antiepidemischen Maßnahmen beginnen, nachdem zehn Patienten in Deutschland an der Infektion verstorben sind“. Jetzt werden die Pandemiepläne doch schon rausgeholt.

Zastrow: Das, was jetzt unternommen wird, halte ich für geeignete Maßnahmen. Infektionsketten müssen unterbrochen und ansteckungsfähige Personen gefunden werden.  

Allerdings habe ich auch den Eindruck, dass die Pandemiepläne für den Schreibtisch sind. Ich befürchte, dass die Pläne später an der Basis nicht wirklich umgesetzt werden.

Das ist das Problem, das wir in Deutschland immer haben: Wir haben super Pläne, aber die Umsetzung klappt nicht. So ist es auch mit den Gesetzen. Die Gesetze sind gut, nur leider halten sich nicht alle dran.

Irrlehren zum Mund-Nasen-Schutz

ET: Gebetsmühlenartig informiert das RKI darüber, dass der Mund-Nasen-Schutz nichts bringe und die Leute ihre Hände waschen müssten. Was denken Sie darüber?

Zastrow: Heute morgen sprach im „MOMA“ ein Chefarzt einer Klinik für Pneumologie. Die Moderatorin Dunja Hayali, die ich sehr schätze, kündigte ihn als „absoluten Experten“ an. Das Problem ist, dass dieser „Experte“ auch gesagt hat, dass der Mund-Nasen-Schutz nicht vor Ansteckung schütze. Zudem behauptete er, dass es eine Übertragung per Schmierinfektion, zum Beispiel über Türklinken, nicht gäbe, weil die Infektionsdosis zu gering sei.

Das ist absoluter Unsinn. Beide Aussagen sind schrecklich falsch. Wenn solche Irrlehren gesendet werden, dann begünstigen sie sogar noch die Entwicklung der Epidemie.

Daher nochmals mein Tipp: Wer vermutet, dass sich in seiner Umgebung Infizierte aufhalten, hält einen Mund-Nasen-Schutz bereit und setzt ihn dann auf. Und immer schön die Hände desinfizieren, vor allem wenn man in U-Bahn oder S-Bahn unterwegs ist, wie hier in Berlin.

ET: Es gibt kaum noch Atemschutzmasken und auch die Händedesinfektionsmittel werden in Deutschland knapp.

Zastrow: Davon habe ich auch gehört. Als ich aber neulich im Baumarkt war, lagen dort an der Kasse die Atemschutzmasken stapelweise.

Notfalls tut es auch ein Schal. Wichtig ist, dass er danach gründlich gewaschen werden muss, das heißt eine Stunde bei mindesten 60 Grad Celsius. Oder einige Stunden auf eine sehr warme Heizung legen, damit der Schal abtrocknet.

ET: Wie sollten sich die Bürger auf eine Epidemie vorbereiten?

Zastrow: Vorräte einkaufen. So ein 14-Tage-Quarantäne-Wochenende kann lang werden. Wenn man gut vorbereitet ist, sollte es aber keine Probleme geben.

ET: Was halten sie von dem Krisenstab, den Bundesminister Jens Spahn und Bundesinnenminister Horst Seehofer eingerichtet haben, um die Deutschen besser vor dem Coronavirus zu schützen?

Zastrow: Das ist Politik. Mir würde auch nichts Besseres einfallen.

Update 27.2., 20.20 Uhr: Zunächst bezeichnete das RKI  „Provinz Lodi in der Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua in der Region Venetien“ als Risikogebiet in Italien. Inzwischen wurde dies auf der Website des RKI geändert in: „Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua in der Region Venetien“. Dazu gehört auch Mailand.

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Quelle: https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/coronavirus-covid-19-hygiene-experte-zastrow-ueber-rki-solche-pannen-duerfen-ueberhaupt-nicht-passieren-a3169110.html