„Das Volk“ demonstrierte gegen Atomkraft

Von 18. September 2010 Aktualisiert: 5. Oktober 2018 13:28

Wohl selten hat es eine so heitere und große Demonstration in Berlin gegeben zu einem ernsten Thema, wie an diesem Samstagnachmittag. Das waren nicht nur die Altgedienten aus dem Wendland, da kamen die Berliner ebenso wie die Rostocker, die Flensburger, die Hamburger und die Bonner, sie kamen aus Bayern, aus der Schweiz und sie kamen aus Sorge um die Zukunft ihrer Kinder. Aufgeschreckt durch die Ankündigung der Regierung über eine Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke, hatten sie sich in Marsch gesetzt. Besorgt um die Sicherheit vor Reaktorunfällen und mit dem Wissen, dass die „Entsorgung“ eine Gefahrenquelle bleibt.

Das Thema Atommüll gehört seit den Entdeckungen von maroden Fässern in ungeklärter Anzahl in der Asse zu den unbestritten zentralen Themen der hiesigen Atomkraftgegner. So brachten sie denn auch ihre Winzlinge mit im Tragetuch vorm Bauch, auf Vaters Schultern oder im Kinderwagen. Die schwenkten auch ihre Fähnchen, damit sie in Zukunft lachen können und nicht „strahlen“, wie einer der Slogans hieß. Geschrei war nicht zu hören, der ganze lange Zug verbreitete eine absolut friedliche Stimmung trotz Trillerpfeifen,Trommeln und Gesängen.

Das Ziel, das Regierungsviertel zu umschließen, wurde mühelos erreicht. Auch die Polizei blieb entspannt, als allmählich das ganze weite Areal von den Demonstranten nicht nur umschlossen, sondern auch durchflossen wurde. Spruchbänder hingen am Drahtzaun vor dem Bundeskanzleramt, der grüne Rasen vor dem Reichstag wurde verschont, wie das Gericht es angeordnet hatte. Die Teilnehmer kamen aus allen Altersklassen und aus allen Bevölkerungsschichten.

Auch innerhalb Berlins strömte es aus allen Bezirken per Bus und Bahn Richtung Regierungsviertel und Hauptbahnhof. Man erkannte sich an den Buttons und Fahnen und kam leicht miteinander ins Gespräch. „Ich gehe schon lange nicht mehr zu Demos“, sagte Frau S. aus dem bürgerlichen Zehlendorf, „aber das geht mir jetzt zu weit. Selbst wenn die Kraftwerke sicher sind, was wird aus dem Atommüll? Wir werden belogen.“

Die Brezelverkäufer und die Würstchenbuden hatten gut zu tun. Das Wetter war unruhig mit Windböen und Regenschauern und am Ende doch mit Sonnenschein. Immerhin hielten die Teilnehmer stundenlang ihren Marsch durch – am Ende mit der Hoffnung, gehört zu werden.

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