Deniz Yücel kommt frei und die deutschen Politiker überschlagen sich vor Begeisterung

Von 17. Februar 2018 Aktualisiert: 17. Februar 2018 14:55
Deniz Yücel ist wieder in Freiheit. Ein Jahr lang saß er in türkischer Untersuchungshaft. Terrorpropaganda und Volksverhetzung wurde ihm vorgeworfen. Die türkische Staatsanwaltschaft forderte 18 Jahre Freiheitsentzug, doch gestern wurde Yücel aus der Haft entlassen. Der "Welt"-Reporter konnte nach Deutschland zurückkehren. Dies löste bei einigen regelrechte Begeisterungsstürme aus. Hierzu ein Kommentar von Jürgen Fritz.

Deniz Yücel ist wieder auf freiem Fuß. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) soll sich ganz besonders für den „Deutsch-Türken“ eingesetzt haben.

Einen Deal mit der Türkei, dergestalt der Türkei im Gegenzug irgendwelche Versprechungen gemacht wurden, habe es nicht gegeben, versichert Gabriel: „Ich kann Ihnen versichern, es gibt keine Verabredungen, Gegenleistungen oder, wie manche das nennen, Deals in dem Zusammenhang“. Dies sei „ein guter Tag für uns alle“.

Er danke ausdrücklich der türkischen Regierung für ihre Unterstützung bei der Verfahrensbeschleunigung. Dazu habe Gabriel selbst viele direkte Gespräche mit türkischen Regierungsvertretern geführt, in zwei Fällen auch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Ulf Poschardt: „Die beste Nachricht aller Zeiten“

Das sei eine gute Nachricht, meinte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (ruhende Mitgliedschaft in der SPD). Er hoffe, die Freilassung Yücels führe zu einer Verbesserung der deutsch-türkischen Beziehungen. „beste nachricht wo gibt“ twitterte der sichtlich ganz begeisterte der FDP sehr nahe stehende Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt. Dies sei „die beste nachricht aller zeiten“.

Besonders erfreut zeigte sich auch Justizminister Heiko Maas (SPD): „Das ist eine großartige und überfällige Nachricht. Jeder Tag, den Deniz Yücel im Gefängnis verbracht hat, war einer zu viel. Wir freuen uns sehr für Deniz Yücel, seine Familie und seine Freunde. Wir werden weiter alles dafür tun, dass alle in der Türkei zu Unrecht inhaftierten Deutschen so schnell wie möglich freigelassen werden“.

Bevor ich zu dem Ganzen einige kritische Anmerkungen machen möchte, vorab dies: Ich freue mich auch über jeden, der nach ungerechtfertigter Inhaftierung freigelassen wird. Kein Mensch soll schuldlos eingesperrt sein, schon gar nicht in Isolationshaft und das über Monate hinweg oder gar ein ganzes Jahr, womöglich nur deshalb, weil er die Regierung kritisierte. Das sollte eigentlich für jeden anständigen Menschen selbstverständlich sein. Einige Dinge sind mir dann aber schon aufgefallen diesen Fall betreffend.

Einige kritische Anmerkungen

Erstens fällt mir auf, dass genau die, welche in Deutschland das Recht auf freien Meinungsbildung- und äußerung, das Recht auf Informationsfreiheit und Regierungskritik von deutschen Staatsbürgern mit am meisten bekämpfen, sich am meisten für Yücel eingesetzt haben und sich am meisten über seine Freilassung freuen.

Finden Sie das nicht auch irgendwie seltsam? Türkische Freiheitskämpfer werden hofiert, deutsche mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterdrückt. Was für eine Logik verbirgt sich dahinter?

Zweitens fällt mir auf, dass immer davon gesprochen wird, Yücel sei ein Deutscher. Das ist nicht ganz falsch, aber irgendwie auch nicht ganz richtig. Deniz Yücel ist ein Kind türkischer Arbeitsimmigranten. Sowohl seine Mutter als auch sein Vater sind also Türken. Er selbst hat sowohl die türkische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Insofern würde ich sagen, er ist meinetwegen zu drei Viertel Türke und zu einem Viertel Deutscher, vielleicht auch weniger.

Und er reiste in die Türkei wissend darum, was ihn dort erwarten würde, wenn er sich mit PKK-Vertretern trifft, die in der Türkei als Terrororganisation eingestuft sind. Aus türkischer Sicht ist es also eher so, dass sie einen Landsmann mit türkischer Abstammung und türkischer Staatsangehörigkeit inhaftiert hatten.

Was für ein Journalist ist dieser Deniz Yücel

Drittens möchte ich darauf aufmerksam machen, was Deniz Yücel vor wenigen Jahren mit Rückendeckung der „TAZ“ über Thilo Sarrazin geschrieben hat, da dies doch ein Licht auf den Charakter wirft, für den sich viele so enorm eingesetzt haben, viel mehr als für alle anderen:

Buchautor Thilo S., den man, und das nur in Klammern, auch dann eine lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur nennen darf, wenn man weiß, dass dieser infolge eines Schlaganfalls derart verunstaltet wurde und dem man nur wünschen kann, der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten.“

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Die Formulierung „lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur“ hatte der „Deutsch-Türke“ von der Schriftstellerin und Journalistin Mely Kiyak übernommen, ein Kind aus der Türkei stammender kurdischer Einwanderer, und hat dann nochmal eins draufgesetzt.

Mely Kiyak hatte diese Titulierung „lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur“ sowohl in der „Berliner Zeitung“ als auch in der „Frankfurter Rundschau“ geschrieben. Beide haben das veröffentlicht. Und die „TAZ“ hat die Formulierung von Deniz Yücel abgedruckt. Aber nicht nur das.

Thilo Sarrazin ist seinerzeit gegen die „TAZ“ gerichtlich vorgegangen. Diese wurde zu einer Entschädigung von 20.000 EUR verurteilt wegen unzulässiger Verletzung des Persönlichkeitsrechts. Und was machte die „TAZ“? Hat sie sich bei Sarrazin entschuldigt und Deniz Yücel vor die Tür gesetzt oder ihm zumindest einen schweren Rüffel erteilt? Weder noch.

Sie hat prüfen lassen, ob sie nicht irgendwie Rechtsmittel gegen die Gerichtsentscheidung einlegen könne, wollte nicht mal die 20.000 EUR Entschädigung bezahlen. 20.000 EUR! Sie ahnen wahrscheinlich, wie eine Zeitung, die so etwas veröffentlicht, in den USA verklagt worden wäre. Das hätte wahrscheinlich eine Millionenklage nach sich gezogen. Aber die „TAZ“ war nicht einmal bereit, 20.000 EUR zu zahlen.

„Der baldige Abgang der Deutschen aber ist Völkersterben von seiner schönsten Seite“

Zuvor hatte die „TAZ“ bereits folgendes über Thilo Sarrazin geschrieben: Er werde „inzwischen von Journalisten benutzt wie eine alte Hure, die zwar billig ist, aber für ihre Zwecke immer noch ganz brauchbar“.

Auch dagegen war Sarrazin gerichtlich vorgegangen und jetzt halten Sie sich bitte fest, was das Oberlandesgericht Frankurt geurteilt hat: Dies sei von der Meinungsfreiheit noch gedeckt.

Doch zurück zu Deniz Yücel. Dieser hatte bereits 2011 einen weiteren Artikel veröffentlicht, wiederum in der „TAZ“. Darin schrieb er folgendes:

„Super, Deutschland schafft sich ab! – Der baldige Abgang der Deutschen aber ist Völkersterben von seiner schönsten Seite. Eine Nation, deren größter Beitrag zur Zivilisationsgeschichte der Menschheit darin besteht, dem absolut Bösen Namen und Gesicht verliehen und, wie Wolfgang Pohrt einmal schrieb, den Krieg zum Sachwalter und Vollstrecker der Menschlichkeit gemacht zu haben; eine Nation, die seit jeher mit grenzenlosem Selbstmitleid, penetranter Besserwisserei und ewiger schlechter Laune auffällt; eine Nation, die Dutzende Ausdrücke für das Wort ‚meckern‘ kennt, für alles Erotische sich aber anderer Leute Wörter borgen muss, weil die eigene Sprache nur verklemmtes, grobes oder klinisches Vokabular zu bieten hat, diese freudlose Nation also kann gerne dahinscheiden.“

Soviel zu Herrn Deniz Yücel, dessen Freilassung „die beste Nachricht aller Zeiten“ darstellt.

Charakterfragen

Besonders bemerkenswert – nun aber in die völlig andere Richtung – finde ich dagegen, was Bestsellerautor Thilo Sarrazin, über den Yücel in so unsäglicher Weise hergezogen hatte, bereits vor einem Jahr zu dem ganzen Vorfall sagte:

Als Person ist Deniz Yücel für mich nicht satisfaktionsfähig. Das gibt der Türkei aber noch nicht das Recht, ihn zu inhaftieren.“

Dem schließe ich mich voll und ganz an. Es ist richtig, dass die Türkei Yücel endlich freigelassen hat. Dies ist ein Erfolg für die Pressefreiheit, ja. Darüber freue auch ich mich.

Mögen muss ich diesen Mann deswegen noch lange nicht, ja nicht einmal besonderen Respekt vor ihm haben. Ein Mann, dessen Eltern Deutschland aufgenommen hat, obschon es sie weder brauchte noch gewollt hat, und dem es Dinge ermöglichte, die er in der Türkei so wohl nie bekommen hätte, und der zum Dank dieses Land und die, die es zu verteidigen und zu bewahren suchen, so verschmäht.

Ich denke, das sagt sehr viel über den Charakter dieses Mannes, so wie umgekehrt Sarrazins Bemerkung sehr viel über seinen Charakter aussagt.

Zu den anderen oben angeführten Herren möchte ich mich nicht weiter äußern. Nur eine Frage habe ich noch: Was heißt eigentlich auf türkisch Heuchler?

Über den Autor: Jürgen Fritz studierte in Heidelberg Philosophie, Erziehungswissenschaft, Mathematik, Physik und Geschichte (Lehramt). Nach dem zweiten Staatsexamen absolvierte er eine zusätzliche Ausbildung zum Financial Consultant unter anderem an der heutigen MLP Corporate University. Er ist seit Jahren als freier Autor tätig. Sein Blog: Jürgen.Fritz.com