Der Berliner „Marsch für das Leben“, der „Tanz der Teufel“ und das Grauen der Frau Kahane

Von 25. September 2018 Aktualisiert: 26. September 2018 12:48
"Hätt' Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben!", schrien die sogenannten Gegendemonstranten und "Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat!" oder "Ehe, Kirche, Vaterland - uns're Antwort Widerstand!" Währenddessen zog der "Marsch für das Leben" schweigend an den sich seltsam gebärdenden Menschen vorbei.

Rund 7.000 Menschen (Polizeiangabe), meist christliche Demonstranten gingen am Samstag, 22. September, auf die Straßen Berlins für den „Marsch für das Leben 2018“.

Immer wieder wurde der friedliche Schweigemarsch des Bundesverbandes „Lebensrecht“ von laut schreienden und sich verrückt gebärdenden zumeist jugendlichen Personen am Straßenrand verbal attackiert.

Bereits am Treffpunkt des Marsches am Washingtonplatz flogen bunte Rauchbomben in die Menge der Teilnehmer, vernebelten ihnen die Sicht und belasteten die Luft zum Atmen.

Laute Trillerpfeifen schmerzten den Teilnehmern in den Ohren und die linken Gegner riefen ihnen zu: „Ihr seid hier nicht willkommen!“

Unter den Gegendemonstranten waren auch radikale Feministen sowie Vertreter der Homo-Lobby. Sie beschimpften die Demo-Teilnehmer und begleiteten ihren Marsch durch die Stadt teils bunt kostümiert und mit Plakaten wie „Lesbisch, pervers & arbeitsscheu“, „Für den Feminismus streiten“, „My body My choice“, „Mehr perverser Sex ohne Reproduktionsrisiko“.

Neben schrill und bunt war die beherrschende Farbe der Gegendemonstration schwarz. Es waren Antifa-Flaggen zu sehen sowie ein Banner der RAF Berlin.

Immer wieder versuchten vereinzelte Radikale den Schweigemarsch zu attackieren. Die Polizei war jedoch gut aufgestellt und griff sofort ein. Auch ließen sich die Marschteilnehmer nicht provozieren.

An diesem Tag mussten sie sich viel Böses anhören.

Ein Spruch der bunt-schwarzen Schreihälse muss für die teilnehmenden Christen besonders schmerzhaft gewesen sein: „Hätt‘ Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben!“

Das Grauen der Frau Kahane

Für Anetta Kahane, Chefin der Amadeu-Antonio-Stiftung, ehemals IM „Viktoria“ der Staatssicherheit der DDR, hatte der Schweigemarsch, der an ihrer Wohnung vorbeiführte, „etwas Gruseliges“, wie sie in einem Kommentar zum Marsch in der „Berliner Zeitung“ schrieb.

Doch nicht nur gruselig soll der „Marsch für das Leben“ gewesen sein, sondern eine „Front gegen das, was sich an Fortschritt, an Offenheit, an Liberalität, ja auch an gelungener Integration in Deutschland“ entwickelt habe, ein „Marsch gegen den Fortschritt der Moderne“.

Einen Sprechchor aber fand ich besonders amüsant. Die jungen Leute schrien den Verfechtern vormoderner Geschlechter- und Familienbilder entgegen ‚Eure Kinder werden so sein wie wir‘. Viele der sonst stoisch schweigenden Abtreibungsgegner schauten irritiert auf das punkige Grüppchen. Das hat gesessen.“

(Anetta Kahane, Amadeu-Antonio-Stiftung)

Frau Kahane bemerkte „ernste Gesichter, seltsame Plakate und wie jedes Jahr weiße Kreuze“ und an der Spitze des Marsches erkannte sie „an vorderster Front Frau von Storch, AfD, etliche bekannte Rechtsextreme und explizit homofeindliche Gruppen“ sowie „radikale Abtreibungsgegner und fundamentalistische Christen“.

Der Youtuber „Der Volkslehrer“ stellte die Konfrontation der beiden unterschiedlichen Gruppen in Berlin und den Kahane-Artikel in dem Video „Marsch für das Leben und Tanz der Teufel“ dar. Nur zu vermuten ist, dass er mit dem zweiten Teil des Titels auf einen Horrorfilm von Sam Raimi von 1981 anspielte. Doch was mag ihn dazu bewogen haben?

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Die 68er und die Abtreibungs-Industrie

Mitte der 60er Jahren kam die „Pille“ auf den Markt und in den Industrieländern begann die sogenannte Sexuelle Revolution. Gerade in den Kreisen der 68er-Bewegung zeigte sich eine große Experimentierfreude mit der sexuellen Freiheit: „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment.“ Ungewollte Schwangerschaften wurden wahrscheinlicher, Kinder aber hinderlicher: „Mein Bauch gehört mir.“

Dann folgte die kommerzielle Sexindustrie, gefolgt von der Abtreibungsindustrie. Die jungen Linken genossen dankbar und gern das verhasste kapitalistische System in seiner dekadentesten Erscheinungsform.

Eine zufällige Zeugin

Eigentlich sollte „Planned Parenthood“ (Geplante Elternschaft) durch gezielte Familienplanung und Beratung Abtreibungen möglichst vermeiden. Doch das ist nur die schöne Theorie. Tatsächlich ist „Abtreibung der lukrativste Teil der Tätigkeiten von Planned Parenthood ist“, wie Abby Johnson, eine ehemalige Klinikleiterin der Organisation dem Informationsdienst WorldNetDaily schilderte.

Wir hatten ein Monatsziel für Abtreibungskundinnen und für Familienplanungskundinnen.“

(Abby Johnson, USA)

Um die internen Vorgaben zu erreichen, habe man ein Angebot für Wochentage gemacht für eine provozierte Abtreibung, ausgelöst durch das Medikament RU-486, einen tödlichen „Anti-Baby-Cocktail“ aus dem Hause Hoechst. Dem ungeborenen Kind stehen qualvolle Stunden bevor, in denen es langsam verhungert, verdurstet und erstickt, bevor es „ausgeschieden“ wird. Die Stärkeren kämpfen länger als 48 Stunden gegen den Tod.

Auch Abby Johnson war Teil der mörderischen Profit-Maschinerie.

Das kleine Leben muss dabei Schmerzen und Todesängste ausstehen, der Herzschlag steigt auf über 200 Schläge pro Minute an. Und genau das war es, was die Klinikchefin Abby Johnson zufällig beobachtete, etwas, das sie im tiefsten Inneren berührte, etwas, das ihr Leben für immer veränderte.

Die kommunistische Idee der „freien Liebe“

Vielleicht wissen es die alten 68er noch, vielleicht auch nicht. Kaum jedoch dürften die Gegendemonstranten beim „Marsch für das Leben“ in Berlin über den Ursprung der sexuellen Befreiung wissen oder wie Frau Kahane es andeutete, den Fortschritt der Moderne.

Wenn man an die „freie Liebe“ denkt, kommen einem Bilder von Woodstock in den Sinn. Nein, es war keine Erfindung der Hippies. Tatsächlich jedoch entstammt die „freie Liebe“ einem 1917 eingeläuteten Experiment der sowjetischen Kommunisten. Dabei hatte der teuflische Kult jedoch nicht die Befreiung der Frauen im Sinn, sondern hegte seine ganz eigenen Pläne, die menschliche Sexualität zu entfesseln …

[…] die Freilassung der Begierde und Energie, die sich auf pseudo-familiäre Werte richtet, wird helfen, diese blockierte Kraft für den Sieg des Sozialismus einzusetzen.“

(Lenin, sowjetischer Kommunisten-Führer, 1904)

Im weiteren Verlauf wurden die Frauen des Landes zu den Huren der Nation.

In einem Dekret der Stadt Wladimir „Über die Befreiung der Frauen“ vom 1. Januar 1918 wurde bestimmt, dass Mädchen ab 18 Jahren zum „Eigentum der Republik“ wurden und sich im „Büro der freien Liebe“ registrieren lassen mussten. Dann konnten sie sich einen „Geschlechtspartner auf Zeit“ aussuchen. Oder aber sie selbst wurden von irgendeinem Mann ausgesucht. Niemand durfte den anderen abweisen.

Alle Kinder aus solchen Verbindungen wurden ebenfalls zum „Eigentum der Republik“ erklärt und den „Erzeugerinnen“ sofort nach der Geburt weggenommen, um zu neuen „Verfechtern der ‚Weltrevolution'“ zu werden.

In der Stadt Saratow ging man noch weiter. Am 1. Mai 1918 erließ der Rat der Stadt ein Dekret, wodurch alle Frauen zwischen 17 und 32 Jahren zum „Eigentum der ganzen Arbeiterklasse“ werden sollten. Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte konnten nun über die Frauen verfügen.

Jeder Mann der Arbeiterklasse sollte 2 Prozent seines Lohnes an den Fonds der Volksbildung entrichten und somit ein Recht haben, eine Frau vier Tage die Woche für je drei Stunden „zu benutzen“. Die Frauen sollten für ihre Dienste eine monatliche Bezahlung in Höhe von 280 Rubel erhalten. Auch hier sollten die Kinder einen Monat nach der Geburt an staatliche Institutionen übergeben werden.

Nach Protesten in der Bevölkerung wurde das Dekret von Saratow im Juni 1918 zu einer Fälschung erklärt und der Verfasser, Martyn Chwatow, vor Gericht gestellt. Der Mann wurde freigesprochen und später von seinesgleichen ermordet und damit zum Schweigen gebracht.

Kommunistische Wendehälse

Wegen der Abschaffung der Ehe, der sexuellen Befreiung und der „Vergemeinschaftung der Frauen“ grassierten Krankheiten wie Gonorrhö und Syphilis. Immer mehr Frauen, die sich der fordernden „freien Liebe“ der Komsomolzen widersetzten, wurden vergewaltigt und getötet, wie der Heimatforscher Boris Sennekow schildert.

Um weiteren Schaden abzuwenden, gab die Sowjetunion 1936 die Ideologie der „freien Liebe“ auf und kehrte zu einer familienfreundlichen Politik zurück. Flugs erklärte man die „freie Liebe“ zum Gedankengut der Bourgeoisie und des Imperialismus. Zeitungen hörten auf, das Thema Sexualität zu behandeln und die öffentliche Debatte zur Geschlechterfrage wurde eingestellt. Abtreibungen wurden jetzt verboten und Frauen dazu ermutigt, mehr Kinder zu bekommen.

Doch dabei ging es wieder einmal nicht um die Menschen selbst, sondern um die vom Regime benötigte gesellschaftliche Stabilität und die Zeugung von neuen kommunistischen Revolutionären …

Der „Marsch für das Leben“ in Berlin war in vielerlei Hinsicht ein Trauermarsch, ein Trauermarsch nicht nur für die getöteten Leben, sondern auch für die Tragödie der Gesellschaft in Deutschland.

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