Der Zauberer vom Arbeitsamt: „Atypische Beschäftigungen“ und unsichtbare Arbeitslose

Epoch Times3. Mai 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2016 22:17
Wie schön, dass die Arbeitslosenzahlen sinken - wenn da nicht die gemeine Realität wäre... Doch wen interessiert die Realität ...

Die wohlklingenden Worte von Frank-Jürgen Weise, dem Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge klingeln wie Gold in den Ohren: "Die Arbeitslosigkeit ist im Zuge der Frühjahrsbelebung weiter gesunken. Erwerbstätigkeit und Beschäftigung sind kräftig gewachsen." 

Offenbar kann Frank-Jürgen Weise mit Zahlen zaubern. Der Herr aller Arbeitsämter in Deutschland kann nämlich Arbeitslose verschwinden lassen, einfach so. Doch dazu weiter unten.

Stiftung zu "atypischen" Jobs

Am 28. April brachte die Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) eine neue Studie zur "atypischen Beschäftigung" heraus. Demnach arbeiteten 2015 rund 39 Prozent aller abhängig Beschäftigten in Deutschland in Leiharbeit, Teilzeit oder Minijobs – der Höchststand seit 13 Jahren.

Wie die Stiftung bestätigte würden die Teilzeitjobs und Leiharbeitsjobs zunehmen, während die Minijobs auf dem Rückzug seien. Am stärksten ist die atypische Beschäftigung in den westdeutschen Flächenländern Schleswig-Holstein (43,1 %), Rheinland-Pfalz (42,2 %) und Niedersachsen mit 41,7 Prozent.

Manche Orte haben eine Quote von mehr als 50 Prozent. Spitzenreiter ist Delmenhorst im Oldenburger Land/Niedersachsen mit 54,1 Prozent atypischer Beschäftigungsverhältnisse unter den "Jobs".

—> Datenbank Atypische Beschäftigung

Januarzahlen + 730.000

Ein rechnerisches Beispiel an den Zahlen vom Januar 2016:

Offiziell waren 2.920.421 Menschen in Deutschland ohne Arbeit. Tatsächlich waren es dann aber schon 3.653.317 Menschen. Doch wie kommt man auf diesen Unterschied?

Fast eine Dreiviertelmillion Arbeitslose verschwinden, indem die Bundesagentur seit Jahren ihre Definition von "arbeitslos" einschränkt, schreibt "Russia Today".

Arbeitslose die krank sind, einen Ein-Euro-Job machen, an Weiterbildungen oder Zwangskursen teilnehmen. Diese Personenkreise fehlen schon seit langem in der Statistik. 

Viele der über 58-Jährigen erscheinen ebenfalls nicht in der Statistik. Seit 2009 verschwanden jene Arbeitslose, die von privaten Arbeitsvermittlern betreut werden.

In der offiziellen Statistik vom Januar 2016 fehlen unter anderem: 

[Quelle: BfA über RT]
Offizielle Arbeitslosenzahl 2.920.421
+ Älter 58 mit Alg I u./o. II 161.070
+ geförderte Arbeitsverhältnisse 7.734
+ fremd geförderte Arbeitsverhältnisse 107.779
+ berufliche Weiterbildung 160.916
+ Aktivierung und berufliche Eingliederung 149.306
+ Beschäftigungszuschuss schwer Vermittelbare 3.290
+ Krankheit 76.912
Zwischensumme: 732.896
Endsumme inoffizielle Zahl 3.653.317

Wie RT vermittelt, könnte man zu diesen 3.653.317 tatsächlichen Arbeitslosen noch die über vier Millionen ALG-II-Empfänger (Hartz IV) und die Aufstocker, denen ihr "normales" Vollzeitgehalt nicht ans Existenzminimum heranreicht, dazuzählen, um auf eine realistische Zahl im Bereich von acht Millionen zu kommen. Entsprechend mager sind die Lebensverhältnisse der ungezählten Geringverdiener, deren Lage sich kaum von der der offiziellen Arbeitslosen unterscheidet. (sm)

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