Der Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, empfindet die AfD als demokratiegefährdend.Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/dpa

Schuster appelliert für Solidaritätsbekundungen mit Israel

Epoch Times14. Mai 2021 Aktualisiert: 15. Mai 2021 10:53

Mit einem eindringlichen Appell hat der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, die Gesellschaft zum Engagement gegen Antisemitismus aufgerufen.

„Wir erwarten, dass die Bürger sich gegen diesen Antisemitismus stellen, und zwar lautstark und öffentlich“, sagte er am Freitag in einem Grußwort an den FDP-Parteitag mit Blick auf die jüngsten Vorfälle, bei denen unter anderem Synagogen angriffen und israelische Fahnen verbrannt worden waren.

„Wir erwarten auch Solidarität auch in den sozialen Medien“, fuhr Schuster fort. „Sie können sich gar nicht vorstellen, mit welcher Menge an übelsten Kommentaren wir es gerade auf Facebook, Twitter und Instagram zu tun haben. Die sozialen Medien explodieren geradezu mit Hetze gegen Juden.“

Schuster machte deutlich, dass er Unterstützung vermisst. „Wo sind die Menschen, die solidarisch sind?“, sagte er. „Wo sind die Menschen, die für Respekt werben?“

„Schauen Sie nicht weg“, forderte Schuster. „Entschuldigen sie diesen Judenhass nicht, der sich gerade entlädt.“

„Wir brauchen genau jetzt all jene Menschen, die diesen Hass nicht mitmachen“, betonte der Zentralratspräsident. „Und mit ‚wir‘ meine ich gar nicht ausschließlich die jüdische Gemeinschaft, sondern ich meine unser Land insgesamt, unsere Demokratie.“

Auch FDP-Chef Christian Lindner verurteilte die antisemitischen Übergriffe und Kundgebungen scharf. Für Antisemitismus „gibt es in unserem Land keinen Platz“, unterstrich er. „Jeder Angriff auf Jüdinnen und Juden ist ein Angriff auf uns alle.“

Deutsche jüdische Gemeinden alarmiert wegen antisemitischer Vorfälle

Vertreter jüdischer Gemeinden in Deutschland haben sich nach mehreren antisemitischen Vorfällen alarmiert gezeigt.

Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, Judith Neuwald-Tasbach, sagte der Zeitung „Die Welt“ (Freitagsausgabe), „als Tochter von Holocaust-Überlebenden verstehe ich überhaupt nicht, wie so etwas wieder passieren kann.“

Für die Mitglieder ihrer Gemeinde seien die Vorfälle von Mittwochabend in Gelsenkirchen „beängstigend und emotional schwer zu verkraften“.

In Gelsenkirchen hatte es Mittwochabend eine antiisraelische Versammlung gegeben, bei der antisemitische Parolen und unter anderem „Scheißjuden“ skandiert wurden.

Zudem waren am Dienstag vor Synagogen in Bonn und Münster israelische Flaggen angezündet worden. Die Vorsitzende der Synagogengemeinde Bonn, Margaret Traub, sagte der „Welt“, „es ist mir egal, woran die Leute glauben. Aber leider sind es immer wieder junge islamistische Männer, die uns Juden angreifen.“

Der Antisemitismus komme jedoch von allen Seiten, auch von Rechten, Linken und aus der Mitte der Gesellschaft. „Die Menschen kennen keine Juden und hassen sie trotzdem.“

Sharon Fehr, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster, berichtete der Zeitung von einer wachsenden Verunsicherung unter den Mitgliedern. „Wer eine israelische Fahne vor einem jüdischen Gotteshaus verbrennt, stellt sich explizit gegen unsere Bemühungen eines friedlichen Miteinanders.“ Er wolle sich nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn für die aggressive Meute ein Jude erkennbar gewesen wäre.

Verdächtiger nach antisemitischen Vorfällen in Gelsenkirchen identifiziert

Nach der antiisraelischen Versammlung in Gelsenkirchen, bei der auch antisemitische Parolen skandiert wurden, hat die Polizei einen Taverdächtigen identifiziert. Es handele sich um einen 26-jährigen Deutsch-Libanesen aus Gelsenkirchen, teilte die Polizei in der Ruhrgebietsstadt am Donnerstagabend mit. Der Staatsschutz habe eine Ermittlungskommission eingerichtet, „um zügig weitere Details aufzuklären“.

In Gelsenkirchen hatte die Polizei am Mittwochabend eine nicht angemeldete Demonstration gegen die Gewalteskalation im Nahen Osten gestoppt, bei der sich etwa 180 Menschen vom Bahnhofsvorplatz in Richtung Synagoge in Bewegung gesetzt hatten. Die Polizei verhängte unter anderem Strafanzeigen wegen Volksverhetzung, Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung von Einsatzkräften.

Antiisraelische Proteste am Donnerstag unter anderem in Bremen und Hamm blieben friedlich, wie die örtlichen Polizeidienststellen am Abend mitteilten. In Bremen nahmen demnach bis zu 1500 Menschen an einer von der palästinensischen Gemeinde angemeldeten Kundgebung teil, in Hamm waren es bis zu 300 Menschen.

Am Dienstagabend waren vor der Synagoge in Münster israelische Flaggen verbrannt worden; in Bonn wurde der Eingangsbereich einer Synagoge durch Steine beschädigt; drei Tatverdächtige wurden festgenommen.

In Nahost eskaliert die Gewalt zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas. Militante Palästinenserorganisationen wie die Hamas und der Islamische Dschihad schossen seit Montag nach israelischen Angaben mehr als 1600 Raketen auf Israel ab; sieben Menschen wurden getötet.

Israel reagiert mit Bombenangriffen auf den Gazastreifen; nach palästinensischen Angaben wurden dabei bis Donnerstag über hundert Menschen getötet. Auslöser der Auseinandersetzungen ist die drohende Zwangsräumung von rund 30 Palästinensern aus ihren von jüdischen Israelis beanspruchten Wohnungen in Ost-Jerusalem. (afp)



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