Deutschland auf eigene Faust: Warum tauchen Tausende unregistriert unter?

Epoch Times10. November 2015 Aktualisiert: 10. November 2015 17:07
Seit September tritt das Phänomen der verschwundenen Migranten in größerem Umfang auf. Selbst die allseits berüchtigt-befürchtete deutsche Bürokratie ist machtlos.

In ganz Deutschland sind Tausende von Migranten unterwegs, die niemand vorher registriert hat, geschweige denn kennt. Jetzt entziehen sich mehr und mehr Migranten einer Registrierung und damit der Einfügung ins System. Der "Focus" schreibt: "Früher lief es so: Wer registriert war, wurde Teil des Apparats – bis zur Integration oder bis zur Abschiebung."

Das Phänomen der verschwundenen Migranten

In NRW verschwinden Tausende Asylbewerber aus Zügen, Bussen oder zugewiesenen Unterkünften. Das alles geschieht noch vor einer ordentlichen Registrierung. Wie "Der Westen" meldet, kritisierte der amtierende Innenminister von NRW, Ralf Jäger (SPD). Bundespolizei, dass sie bisher nur zehn Prozent der Migranten mit Fingerabdrücken registriert habe. Er beklagte sich über die bayerischen Behörden: "In Zügen aus Bayern ist gerade die Hälfte der Asylbewerber identifiziert", so der Innenminister. Die Zeitung bringt das Beispiel eines Zuges von München nach Dortmund. Anfangs wären 800 Migranten aus Eritrea, den Balkan-Staaaten, Indien und Bangladesh im Zug gewesen. Als er dann am Zielort ankam, habe die Hälfte von ihnen bereits gefehlt.

Auch in Bremen verschwanden Ende Oktober 130 Migranten spurlos. In Brandenburg entgehen jede Woche Hunderte der Registrierung, wie das Innenministerium dem "Focus" bestätigte. Seit Anfang September spiele in erheblichem Umfang die Problematik der "individuellen Abreisen aus Erstaufnahmeeinrichtungen" eine Rolle: "Sie sind schlicht irgendwann nicht mehr da", wird der Ministeriumssprecher zitiert.

In Niedersachsen verschwanden Mitte Oktober 700  Migranten aus den Kommunen, wie eine Umfrage der "Neuen Osnabrücker Zeitung" ergeben hatte. Der bayerische Landrat Heinrich Trapp sieht eine Zwei-Klassengesellschaft in den Flüchtlingslagern: "Anders als Somalier oder Eritreer dürfen sie (die Syrer) sich frei bewegen. Die Folge ist, dass viele verschwinden – zum Teil in Richtung Norddeutschland oder Schweden", erklärte der Beamte aus Dingolfing dem "BR". In Bayern verschwanden zuletzt 580 Migranten aus einem Erdinger Camp, die Hälfte der Neuankömmlinge.

Doppelt registriert, doppeltes Glück

Das Chaos hat aber auch noch andere Namen: Es besteht die Möglichkeit einer Mehrfachregistrierung, da fast alle Migranten ohne Papiere nach Deutschland kämen. Viele entsorgen ihre Pässe einfach [Hier] oder aber reisen mit gefälschten Dokumenten ein [Hier]. Ein Sprecher des Innenministeriums Brandenburg bestätigte dem "Focus": "Wer bei uns in Eisenhüttenstadt noch Muhammed Ali ist, kann etwas später in Hamburg ohne weiteres Ali Mohammed sein."

Im Saarland ist man dazu übergegangen, alle Registrierungen mit Fingerabdruck vorzunehmen, damit Mehrfach-Asylanträge vermieden werden. Eine Abgleichmöglichkeit mit Systemen in Deutschland oder Europa besteht nicht.

Warum und wohin verschwinden die Menschen?

Gesetzlich gesehen, müssten sich die Migranten direkt nach ihrer Einreise in Deutschland registrieren. Der "Focus" zitiert den Migrations-Experten der Uni Osnabrück, Jochen Oltmer: "Die Flüchtlinge verschwinden, weil die Behörden bereits die Kontrolle verloren haben."

Die Gründe für ein Verschwinden sind nicht eindeutig, da man die verschwundenen Menschen nicht selbst befragen kann. Allerdings machen sich die Behörden so ihre Gedanken dazu. Zum einen vermutet man, dass die Asylbewerber nicht in den entsprechenden Städten wohnen wollen, weil sie vielleicht anderswo Verwandte haben. Andere würden vielleicht in Richtung Skandinavien weiterreisen wollen. Thomas Liebig ist Experte für Migration bei der OECD in Paris. Er sieht bei Asylsuchenden mit geringer Bleibechance die Problematik des Entzugs einer drohenden Abschiebung, sie würden wohl untertauchen, um hier illegal zu arbeiten. Auch andere Gründe für ein Verschwinden wären denkbar. 

Da die untergetauchten Migranten keinen Anspruch auf Geld und Unterkunft haben, tauchen sie direkt in die Anonymität ab. Auch die geltende Residenzpflicht kann so nicht durchgesetzt werden. Selbst die Gesundheitsämter zeigen Sorge, dass sich eingeschleppte Krankheiten unerkannt ausbreiten könnten. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Andre Schulz, schätzt, dass etwa zehn Prozent der Migranten straffällig werden, da viele, vor allem junge Männer, aus der Perspektivlosigkeit nach Deutschland kämen und auch hier keine neuen Chancen fänden, so Schulz zur "Welt".

Der NRW-Innenminister Jäger von den Sozialdemokraten habe allerdings "keine Erkenntnisse, dass Flüchtlinge krimineller sind als Deutsche", so "Der Westen". Er geht von drei bis vier Prozent aus, die kriminell werden, was der deutschen Quote entspräche. Auf was sich seine Zahlen stützen, wurde allerdings nicht verraten. (sm)

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