Die Schiene in die Zukunft

Von 15. Juli 2010 Aktualisiert: 15. Juli 2010 13:28
"Könnt', wie du, das freie Wort sausend zieh'n von Ort zu Ort! Alle Herzen, die ihm schlagen, stürmisch so von dannen tragen." Louise von Plönnies 1862 über die Eisenbahn.

„Freies Wort, wer gründet Schienen, Deinem Bahnzug stark zu dienen?“ Erstaunlich, dass vor über 150 Jahren die Vernetzung Europas durch die Eisenbahn die deutsche Dichterin Louise von Plönnies dazu hinriss, von einer Vernetzung für das freie Wort und den freien Gedanken zu träumen. Telefon und Internet waren noch in weiter Ferne.

Vor 175 Jahren begann zunächst der Siegeszug der Eisenbahn in Deutschland. Die erste Fahrt einer Dampflokomotive von Nürnberg nach Fürth am 7. Dezember 1835 markierte den Beginn einer rasanten Entwicklung. 175 Jahre später verfügt Deutschland nach Angaben der Deutschen Bahn AG über das dichteste Eisenbahnnetz und das umfangreichste Zugangebot der Welt.

Zwar war das letzte Jahr nicht das erfolgreichste, Pannen, Pech und Schlamperei führten zu einem Imageverlust und großer Verärgerung bei den Fahrgästen. Gerade häufen sich in Berlin wieder Kürzungen im S-Bahn-Verkehr, weil die Technik der Hitze nicht gewachsen ist. Stöbert man aber ein wenig in den historischen Annalen der Bahn, dann findet man immer die gleichen Kämpfe zwischen Privatwirtschaft, Länderinteressen und Staatseingriffen.

Witzbolde sprechen im Internet von den sieben Feinden der Bahn, das sind die vier Jahreszeiten und außerdem das Personal, das schlecht ausgebildet ist, die Fahrgäste, die befördert werden wollen und die Herstellerfirmen, die an falscher Stelle sparen. Vom Eigentümer, der an falscher Stelle spart oder Korruption war noch nicht die Rede. Dennoch ist vom Siegeszug der Schiene auch international noch kein Ende abzusehen.

175 Jahre deutsche Eisenbahn

Auch der Deutschen größter Dichter blickte noch vor dem Bau der ersten Eisenbahnstrecken in Deutschland – allein inspiriert von den Berichten aus dem schon „unter Dampf“ stehenden England – offen und hoffnungsvoll in die Zukunft: „Mir ist nicht bange“, sagte Goethe, „daß Deutschland nicht eins werde; unsere guten Chausseen und künftigen Eisenbahnen werden schon das ihrige thun.“

„Vor allem aber sei es eins in Liebe untereinander, und immer sei es eins, daß der deutsche Thaler und Groschen im ganzen Reiche gleichen Wert habe; eins, daß mein Reisekoffer durch alle sechsunddreißig Staaten ungeöffnet passieren könne.“

„Es sei eins, daß der städtische Reisepaß eines weimarischen Bürgers von dem Grenzbeamten eines großen Nachbarstaats nicht für unzulänglicher gehalten werde, als der Paß eines Ausländers. Es sei von Inland und Ausland unter deutschen Staaten überall keine Rede mehr. Deutschland werde ferner eins in Maß und Gewicht, in Handel und Wandel, und hundert ähnlichen Dingen, die ich nicht alle nennen kann und mag.“ So jedenfalls berichtete es sein treuer Chronist Johann Peter Eckermann.

Die Lokomotive „Adler“ steht als Nachbildung im DB-Museum in Nürnberg. Am 7. Dezember 1835 fuhr sie von Nürnberg nach Fürth mit Tempo 35 und 200 Fahrgästen.Die Lokomotive „Adler“ steht als Nachbildung im DB-Museum in Nürnberg. Am 7. Dezember 1835 fuhr sie von Nürnberg nach Fürth mit Tempo 35 und 200 Fahrgästen.Foto: DB AG/Claus Weber

Welch visionärer Geist, unerschrocken auf Zukünftiges setzend. Goethe starb 1832 und erlebte nicht mehr den Bau der ersten Eisenbahnstrecke im Jahr 1835 von Nürnberg nach Fürth und den Einsatz der Lokomotive „Adler“. Sie kam in 19 Kisten verpackt aus England, wurde in Nürnberg aus etwa 100 Einzelteilen in der Werkstatt von Johann Wilhelm Spaeth zusammengesetzt, und sie brauchte für die rund sechs Kilometer lange Strecke 13 Minuten.

Gedient hat sie seitdem allen, den Armen wie den Reichen, den Mächtigen und den Unterdrückten, den Mutigen und den Traurigen. Immer noch benutzen wir für ihre Lokomotiven den Ausdruck „Dampfross“, denn mit Geschwindigkeit und Reisen wurden immer die treuen Pferde, die Rösser assoziiert. Aber für die Geschwindigkeit, die nun ins Leben einzog, bürgerte sich schnell der Ausdruck ein, es sei „höchste Eisenbahn“.

Die Redewendung geht auf ein Theaterstück des Berliner Schriftstellers Adolf Glaßbrenner (1810 bis 1876) zurück. Darin gibt es einen zerstreuten Briefträger, der ständig beim Sprechen die Wörter durcheinander bringt. So sagt er über den Postzug, der schon vor drei Stunden angekommen ist: „Es ist allerhöchste Eisenbahn, die Zeit ist schon vor drei Stunden angekommen!“

Ein Fest für Eisenbahnfans

Gefeiert wird in diesem Jahr mit der Sonderausstellung „Planet Eisenbahn“, die seit dem 7. Juli bis zum Jahresende im DB Museum Nürnberg Schlüsselthemen aus Geschichte und Gegenwart der Bahn zeigt.

Rund 25 historische Fahrzeuge stehen im Nürnberger DB Museum – im Sommer bekommen sie prominenten Besuch: Acht Lokomotiven aus der Anfangszeit der Eisenbahn werden aus England, Österreich, Dänemark, Schweden und Frankreich nach Deutschland reisen und vom 6. August bis 31. Oktober gezeigt – zusammen mit der „Adler“ als Lokalmatador.

In der abgedunkelten Fahrzeughalle des DB Museums werden sie – wie Juwelen der Eisenbahngeschichte – spektakulär inszeniert und um eine Multimediashow mit zeitgenössischen Impressionen ergänzt.

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Die „Adler“ bekommt unter anderem Gesellschaft von der „Saxonia“ aus Leipzig, der ersten in Deutschland gebauten Dampflok, der „Rocket“ und der „Sans Pareil“ aus England, der „Licaon“ aus Österreich und der „Gamle Ole“ aus Dänemark.

Jubiläumstour

Veranstaltungen an 17 Bahnhöfen in allen Bundesländern machen schon seit Anfang Juli das Jubiläumsjahr in ganz Deutschland bekannt. Jeweils einen Sonntag lang heißt das Motto „Mitfeiern und Mitraten“. Die nächsten Stationen sind Frankfurt am Main 18. Juli, Hannover 1. August, dann München, Bremen, Dresden, Erfurt, Schwerin, Halle, Bielefeld, Saarbrücken, Mannheim, Stuttgart und Köln.

Foto: DB AG