Eier von glücklosen Hühnern

Von 4. Dezember 2008 Aktualisiert: 4. Dezember 2008 11:00
PETA zeigt Großlieferanten von angeblichen Bio-Eiern wegen Betrugs und Tierquälerei an

Hier finden Sie Eier von ‚glücklichen Hühnern`“ verspricht ein Plakat im Kaufhaus Kaiser’s in Berlin über den Eiern der Firma Landkost. Aus Freilandhaltung sollen die Eier sein. Die Tierschutzorganisation PETA kauft ein Paket und verfolgt dann anhand des Eierstempels, in welchem Betrieb und in welchem Stall dieses Betriebes die angeblich glücklichen Hühner leben – und legen.

Im Internet sieht die Herkunftsangabe, Farm B7 – Spreenhagener Abteil Fünf, nach artgerechter Haltung auf einer grünen Wiese aus. PETA-Mitglieder fahren zu dem Betrieb östlich von Berlin und filmen, was sie dort sehen, mit einer versteckten Kamera: Sie finden keine Zäune für einen Freilauf, nur Hallen. Nachts schleichen die Tierschützer sich mit einer Videokamera in die Hallen. Die Hennen stehen darin dicht gedrängt. In den Filmaufnahmen von PETA kann man sehen, dass sich ein Huhn in einer Klappe eingeklemmt hat, die automatisch betrieben wird. Im Müll liegen mehrere leere Verpackungen von Ursovit-Pulver und ND Lasota, Medikamente, die über das Trinkwasser verabreicht werden – damit die Tiere eine solche Haltung überhaupt durchstehen.

Jährlich eine Milliarde Eier mit 190 Mitarbeitern

Die Eier der Edeka-Eigenmarke „Freiland-Luisenhof“ stammen ebenfalls von der Firma Landkost. Die Landkost-Ei-Erzeugergemeinschaft GmbH unterhält nach eigenen Angaben im Internet über drei Millionen Legehennenplätze und 600.000 Aufzuchtplätze für Junghennen. Die Hälfte der Hennen soll in alternativer Form gehalten werden. Als jährliches Produktionsvolumen gibt die Firma eine Milliarde Eier an. Und das schaffen sie mit 190 Mitarbeitern. In einem Prospekt sieht man schöne Bilder von glücklichen Hühnern. PETA schaut sich die Betriebe in Sachsen-Anhalt und Bestensee an. In der Zentrale in Bestensee findet ein Tag der offenen Tür statt: mit Küken zum Anfassen, Biertischen und einem Stand mit Eiern aus „Freilandhaltung“ – wesentlich günstiger als im Supermarkt. Freilaufende Hühner gibt es nicht zu sehen. „Die sind in Spreenhagen“, sagt der Mann, der die Eier verkauft. Doch dort fanden die Tierschützer ja nur die zu Tausenden eingepferchten Hennen. Die Freiläufe an beiden Standorten sind nach Schätzungen von PETA in den letzten zwei Jahren von keinem Huhn mehr betreten und genutzt worden. Also Fehlanzeige.

Legebatterie mit Biostempel

In einen weiteren Betrieb von Landkost im Wald von Bestensee filmen die PETA-Tierschützer abermals Tausende zusammengepferchte Tiere, die keinen Platz haben, um sich zu bewegen und vermutlich nie Tageslicht sehen. Artgerechte Haltung? Im Stallvorraum steht die Stempelmaschine: Bioeier sollen laut ihren Etiketten in diesem Stall produziert werden. Die Mitarbeiter durchsuchen den ganzen Stall – und finden kein „Bio“, eher Tierquälerei.

Diese Eier kommen gemäß ihrem Stempelaufdruck unter dem Firmennamen Bio-Geflügelhof Deersheim in den Handel. Auf seiner Homepage gibt der Betrieb an, dass seine Eier als Eigenmarken bekannter Supermarktketten verkauft werden: bei REWE unter dem Namen „Füllhorn“, bei Penny unter „Naturgut“, bei EDEKA unter „Bio Wertkost“. Ein weiterer Abnehmer der Eier ist HiPP.

Auf der Webseite des Deersheimer Geflügelhofs sieht man idyllische Bilder von artgerechter Freilandhaltung. Der Betrieb wurde sogar vom Anbauverband Gäa e.V. zertifiziert. Deersheim liegt jedoch mehr als 250 Kilometer vom wirklichen Produktionsort der Eier entfernt. In einer Stellungnahme gibt der Bio-Geflügelhof Deersheim bekannt, er habe Farmen in Brandenburg gepachtet.

„Der Eierproduzent ist dem angeblich unabhängigen Kontrollsystem KAT (kontrollierte alternative Tierhaltung) aus Bonn angeschlossen und selbst eine der größten deutschen Tierschutzorganisationen bewirbt die Eier im Supermarkt. Hier hat offensichtlich alles versagt, was nur versagen kann“, sagt der promovierte PETA-Agrarexperte Dr. Edmund Haferbeck. Gegen die Firma Landkost aus Bestensee sowie gegen den Biohof Deersheim GmbH stellte PETA Deutschland am 27. November Strafanzeige.

„Aufstallungsgebot wegen Vogelgrippe ist eine Farce“

Die Firma Landkost behauptet in einer Stellungnahme, das Video­material von PETA zeige lediglich „schlafende und zum Schutz vor Vogelgrippe eingestallte Legehennen“. Unisono mit dem Geflügelhof Deersheim behauptet Landkost: „Der Landkreis Dahme-Spreewald hat am 20. Oktober 2008 für die Gemarkung Bestensee die Aufstallung angeordnet, nachdem in Sachsen ein Fall von Vogelgrippe nachgewiesen worden war. Seither befinden sich unsere Legehennen in den Stallungen.“ „Nach dem Aufstallungsgebot können die Hühner noch während einer drei­monatigen Übergangsfrist im Stall eingepfercht bleiben, trotzdem dürfen diese Eier als Bio- oder Freilaufeier vermarktet werden“, bestätigt Dr. Haferbeck auf Anfrage der Epoch Times. „Das Aufstallungsgebot wegen der Vogelgrippe ist eine Farce, da das Virus allein aus der Geflügel-Intensivtierhaltung stammt beziehungsweise seine Virulenz aus dieser erhält“, fügt er noch hinzu. Doch ein Aufstallungsgebot zum 20. Oktober ist für PETAs Ermittlungen völlig irrelevant, da die Aufnahmen aus dem Sommer dieses Jahres stammen, als es weder ein Aufstallungsgebot von Geflügel noch Übergangsfristen gab!

Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat am 28. November ein Strafermittlungsverfahren eingeleitet. PETA Deutschland e.V. kündigt weitere Enthüllungen aus den Betriebsabläufen in der Firma Landkost an.

Erschienen in The Epoch Times Deutschland Nr. 49/08

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