Erneut undercover im Asylheim: Terrorexperte Shams Ul-Haq bei Salafisten in Bremen (TEIL 2)

Von 3. März 2017 Aktualisiert: 9. März 2017 21:47
Mit falscher Identität ging Terrorismusexperte Shams-Ul Haq wieder in deutsche Asylheime. Er testete die Behörden mit wilden Geschichten und fand heraus: Das Fingerabdrucksystem funktioniert weiterhin nicht. Perfekt läuft jedoch das System, mit dem Bremer Salafisten Flüchtlinge radikalisieren.

Vor zwei Jahren recherchierte Shams-Ul Haq undercover bereits in über 35 Flüchtlingsheimen europaweit. Vor Kurzem zog der Journalist und Terrorismusexperte wieder seine älteste Kleidung an. Er wollte herausfinden, ob Deutschland seit der Asylkrise 2015 dazugelernt hat. In einer Erstaufnahme in Bremen log er absichtlich dreist, um den Verdacht der Behörden zu wecken … 

Lügen-Test in Bremen

Diesmal wandte ich eine neue Taktik an. Zusammen mit einer Kollegin aus Syrien betrat ich den roten Klinkerbau der Erstaufnahmeeinrichtung im Bremer Stadtteil Kattenturm.

Hier trafen wir viele Syrer, von denen einige sogar Ausweisdokumente bei sich hatten. Meist waren es jedoch irgendwelche Studentenausweise und andere Bestätigungen. Einen Reisepass oder etwas Vergleichbares hatte auch hier niemand vorzuweisen.

Ich selbst gab mich als Inder aus und wir spielten ein Liebespaar: Ein Inder und eine Syrerin, die zu zweit in Bremen Asyl beantragen. Verrückter ging´s nicht mehr. Wir rechneten damit, innerhalb weniger Minuten aufzufliegen, zumal mein Gesicht bereits in so vielen Printmedien war, dass man mich problemlos hätte erkennen sollen … Doch auch diesmal ertappte mich niemand.

Unsere Liebesgeschichte lautete:

Wir lernten uns in einem Flüchtlingslager in Wien kennen, verliebten uns ineinander und wurden von einem Schleuser für viel Geld nach Deutschland gebracht. So landeten wir hier in Bremen. (Von Wien nach Bremen – wer’s glaubt…)

Zu unserer Überraschung kamen wir mit dieser Geschichte durch. Unsere Fingerabdrücke wurden gescannt und niemand fand meine Daten im System, obwohl ich theoretisch einen ganzen Server an Speicherplatz beanspruchen müsste, wegen meiner Undercover-Recherchen.

Kurz darauf hielten wir unsere neuen Ausweise in der Hand und bekamen ein Zimmer zugeteilt. Ich nannte mich „Mozour Ahmad” und meine Kollegin hieß „Nadir“.

Unterkunft vorbildlich

Grundsätzlich muss ich anmerken, dass Bremen-Kattenturm eine der besten Erstaufnahmestellen in ganz Deutschland ist. Jeder Flüchtling bzw. jede Familie bekommt ein eigenes Zimmer zugeteilt und die Qualität des Essens ist einfach vorbildlich. Es schmeckt nicht nur hervorragend, sondern es wird auch halal zubereitet. Ein Traum für jeden gläubigen Muslimen.

Die Verständigung mit den Mitarbeitern erwies sich jedoch zeitweise als schwierig, da viele von ihnen aus Russland stammen und weder Deutsch noch Englisch sprechen. Später erfuhr ich, dass viele der ausländischen Mitarbeiter in Kattenturm sogar komplett schwarz arbeiten – ohne offizielle Anstellung. Im Gegensatz zu Dortmund arbeiteten dort auch viele Deutsche.

Meine Kollegin Nadir spricht perfekt Arabisch und so konnte sie sich schnell mit einigen Flüchtlingsfamilien anfreunden. Von diesen Familien erfuhren wir dann, was hinter den Kulissen läuft: Ein Schmiergeld-System auf Kosten der Asylbewerber.

Die Schmiergeld-Wirtschaft

Wer im Asylverfahren schneller vorankommen will, muss in Bremen Leute schmieren. Die Hilfsarbeiter aus dem Heim können zwar selbst nichts ausrichten, schmieren aber wiederum jene Stellen, welche die Anträge bearbeiten. Auch wer einen vernünftigen Dolmetscher will, zahlt man an die Bremer Mitarbeiter. Doch damit nicht genug. Einige Übersetzer verlangen dann nochmals Geld von den Flüchtlingen – und das, obwohl sie bereits vom Staat bzw. der Einrichtung für den Job bezahlt werden.

Und leider ist das nicht die einzige schlechte Nachricht.

Salafisten überall

Diversen radikal-islamischen Gruppierungen ist es mittlerweile gelungen, Bremens Asyleinrichtungen zu unterwandern. Ich stellte fest, dass in sämtlichen dieser Einrichtungen Islamisten arbeiten, die sich als Hilfsarbeiter tarnen.

Hierzu muss bemerkt werden, dass Bremen DIE deutsche Stadt mit den meisten Salafisten-Moscheen ist. Weil dort verhältnismäßig viele Kämpfer für den IS in den Krieg ziehen, hat Bremen unter Islamisten weltweit einen Ruf. Und die Bremer Salafisten haben dazugelernt, wenn es um Terror-Rekrutierung geht: Sie rasieren sich inzwischen die Bärte ab, damit man sie nicht als Islamisten erkennt. So gelingt es ihnen viel leichter, sich in die Flüchtlingsheime zu schleusen.

Ihre Taktik ist, Flüchtlinge gezielt in Moscheen und Vereine zu locken, wo sie radikalisiert werden sollen. Diese systematische Form der Radikalisierung gab es in Deutschland vor zwei Jahren noch nicht. Zwar hatte ich bereits in der Schweiz ein solches Netzwerk in Moscheen vorgefunden, doch in Bremen war es selbst mir neu.

Hilfsbereitschaft als Trick

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Nadir und ich kontaktierten einen ihrer Verbindungsleute. Es war ein junger Syrer, der in der Erstaufnahme arbeitet. Als wir vorgaben, Unterstützung zu brauchen, empfahl er uns eine bestimme Moschee. Wir gingen hin und trafen gleich im Eingangsbereich einen Flüchtling, den wir aus unserem Flüchtlingsheim kannten. Er war gerade dabei, sich mit einem deutschen Konvertiten zu unterhalten. Und mit diesem Herrn wollten wir auch sprechen.

Auf meine Frage hin zeigte sich der bärtige junge Deutsche hilfsbereit: Er habe heute bereits einen Termin, sagte er. Doch morgen könnten wir wiederkommen und dann würde er alles unternehmen, um uns zu helfen.

Also kehrten wir zurück in die Unterkunft. Auf der Fahrt telefonierte ich mit einem Kontaktmann, den ich schon vor zwei Jahren in einem Flüchtlingsheim in Bremen kennengelernt hatte. Er bestätigte mir, dass insbesondere unter den Salafisten in Bremen viele deutsche Konvertiten sind und das gezielt Anwerbungen in Flüchtlingsunterkünften stattfinden.

Laut seiner Schilderung haben die Extremisten bereits das nahezu perfekte System entwickelt, um Flüchtlinge in ihre Abhängigkeit zu ziehen. Sie kümmern sich darum, für die Asylsuchenden hier in Deutschland eine Existenz aufzubauen. Dabei leihen sie ihnen sogar teilweise Geld, damit sie die Hilfsarbeiter in den Unterkünften bestechen können. Im Gegenzug besuchen die abhängig gewordenen Asylbewerber regelmäßig die Moschee und werden so schrittweise radikalisiert.

Ansichten zur „Strafe Gottes“

Am Abend führten wir im Erstaufnahmelager Gespräche mit mehreren Bewohnern, die aus verschiedenen Herkunftsländern kamen. Uns interessierte, wie die Flüchtlinge zum Terror in Deutschland standen – und wie sie speziell das Attentat am Berliner Breitscheidplatz sahen.

Erschreckenderweise begrüßten viele den Anschlag. Sie sahen darin die Strafe Gottes für die Einmischung Deutschlands in den Syrienkrieg (Waffenlieferungen) und die Strafe für Deutschlands Unterstützung der USA im Irakkrieg. Und dies war nicht etwa die Meinung von Islamisten, sondern die Ansicht ausgesprochen gemäßigter Muslime.

Andere Flüchtlinge wiederum fürchteten, dass sich durch die Attentate die Gesetzeslage in Deutschland verschärfen könnte. Sie sahen ihre Bleibeperspektive gefährdet.

Insgesamt konnte ich deshalb eine weitaus angespanntere Stimmung unter den Flüchtlingen beobachten, als noch vor zwei Jahren. 2015 waren viele Menschen sehr froh, aus Kriegsgebieten endlich in ein sicheres Land zu kommen. Jetzt sitzen viele von ihnen noch immer in den Camps ohne zu wissen, wie es hier weitergeht. Das führt zu einer teilweise miserablen Stimmung in den Unterkünften.

Asyl-Touristen

Auch in Bremen traf ich wieder auf „Asyl-Touristen“ die bereits sämtliche Lager in Deutschland und Europa kennengelernt hatten. Diese Personen ziehen von Ort zu Ort und lassen sich ständig neu registrieren. Da die Vernetzung der IT-Systeme noch immer nicht funktioniert, nutzen viele dieses Leck inzwischen gnadenlos aus und kassieren jedes Mal entsprechend ab.

Der Verteilungsschlüssel greift …

Am nächsten Morgen erwartete Nadir und mich eine Überraschung: Man sagte uns, dass wir sofort nach Karlsruhe sollten, weil dort indische und pakistanische Asylbewerber untergebracht seien.

Weil wir uns sofort auf den Weg machen mussten, konnten wir den Termin in der Salafisten-Moschee nicht mehr wahrnehmen. Das verschmerzten wir jedoch. Über die Radikalisierung in Bremen hatten wir genug erfahren.

„Wenigsten diesmal wird der offizielle Verteilungsschlüssel umgesetzt“, dachte ich mir, als ich ins Auto stieg. Als ich dann in Karlsruhe ankam, sollte ich schnell eines Besseren belehrt werden …

Fortsetzung folgt.

Wie Shams Ul-Haq doch noch per Fingerabdruck aufflog und wie die Polizei darauf reagierte, lesen Sie HIER in Teil 3.

Mehr über sein Treffen mit IS-Spähern und Asylbetrügern HIER in Teil 1.

Shams Ul-Haq

Die Brutstätte des Terrors – Undercover in Flüchtlingsheimen

Taschenbuch: 214 Seiten, 14,90 Euro

Kindl Edition: 7,99 Euro

Verlag: SWB Media Publishing; Auflage: 1 (26. September

ISBN-10: 3945769973

ISBN-13: 978-3945769973

Größe und/oder Gewicht: 12,8 x 2,3 x 18,9 cm

„Ein spannendes Werk, dass sicher viele Debatten auslösen wird“

– Prof. Dr. Frank Überall, Journalist, Politikwissenschaftler

„Eine wichtige Recherche zur rechten Zeit“ schreibt Dr. Christoph Hein, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der deutsche Journalist Shams Ul-Haq, Jahrgang 1975, stammt aus einer sehr armen Familie und kam im Alter von fünfzehn Jahren mit Schleusern von Pakistan nach Deutschland. Der Terrorismusexperte und politische Journalist berichtet u.a. für die TV-Sender N24 und n-tv als Asien-Korrespondent.

Siehe auch: „Brutstätte des Terrors“ – Undercover-Journalist schreibt brisantes Enthüllungsbuch