Sexuelle Übergriffe hauptsächlich nordafrikanischer Männer auf deutsche Frauen am Kölner Hauptbahnhof hatten vor knapp einem Jahr für Aufruhr gesorgt.Foto: Sascha Schuermann/Getty Images

Ernüchterung bei der Flüchtlingshilfe: In Köln gibt es kaum noch Geld und Ehrenamtler

Von 5. Dezember 2016 Aktualisiert: 5. Dezember 2016 16:48
Vor einem Jahr noch wurde man von freiwilligen Helfern, die sich um die Flüchtlinge kümmern wollten, überrannt. Jetzt berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger, dass sich viele der Ehrenamtler zurückgezogen hätten, denn Ermüdung, Ernüchterung und Frustration hätten sich unter ihnen breit gemacht.

„Wir bekommen keine neuen Ehrenamtler“, sagte Claus-Ulrich Prölß vom Kölner Flüchtlingsrat und schlägt gemeinsam mit den Willkommensinitiativen Alarm. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet, haben sich viele der freiwilligen Helfer mittlerweile zurückgezogen. Vor einem Jahr hätten auf der Warteliste noch 300 Interessierte gestanden, jetzt stehe da niemand mehr.

Gabi Klein von der Kölner Freiwilligen-Agentur berichtet laut dem Anzeiger ähnliches. Auf der Suche nach Mentoren zur Begleitung von Flüchtlingen, hätten sich damals 200 gemeldet, jetzt gäbe es gerade noch zwei. Und Mario Ascani von den Willkommensinitiativen spricht von ehemals 11.000 Unterstützern, deren Zahl jetzt auf 5.000 geschrumpft sei.

Ermüdung, Ernüchterung, Frustration

Das Kölner Blatt spricht von Ermüdung, Ernüchterung und Frustration. Der Prozess der Integration sei komplizierter und langwieriger, als so mancher zunächst gedacht hätte. Spracherwerb, Arbeitssuche, Ausbildung und Wohnungssuche erfordere eine sehr intensive Begleitung und ein hohes Maß an Know-how.

Lange Wartezeiten bei der Anerkennung als Asylbewerber und bürokratische und rechtliche Hindernisse hätten die Helfer zermürbt. Hinzu kämen persönliche Enttäuschung, wenn Sprachkurse und andere Hilfen von den Flüchtlingen nicht so angenommen würden wie erwartet.

Der Verwaltungsaufwand sei vielen längst über den Kopf gewachsen, schreibt der Anzeiger weiter. Es fehle an Räumen für Treffen und Personal zur Schulung. Hier fordere man mehr Unterstützung von der Stadt. „Wir brauchen eine Kampagne, um neue Freiwillige zu rekrutieren. Und die Stadt muss stärker in die Finanzierung einsteigen, sonst bricht die Integration zusammen“, warnt Claus-Ulrich Prölß.

Alles, was Geld koste, sei aktuell nicht durchsetzbar

Die Stärkung des Ehrenamts sei allerdings gerade erst aus Kostengründen vom Sozialausschuss und dem Stadtrat gestrichen worden. „Alles, was Geld koste, sei angesichts der schwierigen Finanzlage aktuell nicht durchsetzbar“, sagt Sozialdezernent Harald Rau laut dem Kölner Blatt.

Die Stadtverwaltung streiche nun alle kostenintensiven Punkte zusammen, wie die Erhöhung des Betreuungsschlüssels durch Sozialarbeiter sowie zusätzliche Stellen in den Unterkünften für die Koordinierung der ehrenamtlichen Helfer. Regelmäßige medizinische Sprechstunden in allen größeren Einrichtungen solle es nicht mehr geben, die dafür nötigen 7,2 Millionen Euro sollen nach Angaben der Verwaltung angesichts der Haushaltslage nicht umsetzbar sein.

Für pädagogische Angebote zur Kinderbetreuung sollen dagegen jährlich 480.000 Euro zusätzlich zu Verfügung stehen, so der „Kölner Stadt-Anzeiger“ weiter.

Auf acht Grundstücken will die Stadt aber neue temporäre Flüchtlingsunterkünfte errichten.



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