Es fehlen die Patienten: Corona-Krise beschert Deutschland leere Kliniken – Rettungsdienste unausgelastet

Epoch Times24. April 2020 Aktualisiert: 24. April 2020 11:49
Die Corona-Krise beschert Deutschlands Krankenhäusern eine außergewöhnlich schwache Auslastung. „Wir haben auf einmal sehr viel weniger Patienten mit dringenden Symptomen“, sagt der Lungenkrebsspezialist Niels Reinmuth. Dass sich die Schlaganfälle oder Herzinfarkte plötzlich um 20 bis 30 Prozent verringert haben, glaubt niemand in der medizinischen Gemeinde.

Mediziner und Krankenhäuser beobachten in der Corona-Krise einen beunruhigenden Trend. Es kommen sehr viel weniger Patienten mit akutem Behandlungsbedarf in die Kliniken.

„Wir stellen fest, dass Diagnosen wie Schlaganfallverdacht, Herzinfarkt oder Blinddarmentzündung deutlich nachgelassen haben“, sagt Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft in München. Gleiches gilt für Krebspatienten. Demzufolge hat das mit der Angst vor einer Ansteckung mit COVID-19 zu tun.

Eine genaue Statistik gibt es noch nicht, aber Mediziner registrieren das Phänomen deutschlandweit: „Wir haben auf einmal sehr viel weniger Patienten mit dringenden Symptomen“, sagt der Lungenkrebsspezialist Niels Reinmuth, Chefarzt für thorakale Onkologie an der Asklepios Fachklinik in Gauting bei München.

Das Klinikum Nürnberg berichtet, dass es bei den stationären Aufnahmen einen deutlichen Rückgang einzelner Diagnosen gebe, der sich vor allem seit der elften Kalenderwoche bemerkbar mache. „In die kardiologische Notaufnahme kommen zwischen 20 und 30 Prozent weniger Patienten zur Abklärung unklarer Brustschmerzen“, teilt das Krankenhaus mit. In der neurologischen Notaufnahme gibt es demnach im Vergleich zu 2019 deutliche Rückgänge bei Schlaganfallverdachtsfällen von minus 30 Prozent.

2018 gab es 210.000 Herzinfarkte und etwa 300.000 Schlaganfälle in Deutschland. Dass sich diese Zahlen wegen der Corona-Pandemie plötzlich verringert haben, glaubt niemand in der medizinischen Gemeinde.

Corona-Folgen: Außergewöhnlich schwache Auslastung

Die größte medizinische Krise der vergangenen Jahrzehnte hat für die Krankenhäuser bisher die eigenartige Folge einer außergewöhnlich schwachen Auslastung. Die befürchtete Welle von Corona-Patienten ist zur Erleichterung aller Beteiligten ausgeblieben. Alle planbaren Behandlungen wurden verschoben.

So sind in Bayerns Kliniken nach Angaben der örtlichen Krankenhausgesellschaft derzeit im Schnitt zwischen 40 und 60 Prozent der Betten nicht belegt. „Auch auf den Intensivstationen sind noch Kapazitäten frei“, sagt Geschäftsführer Hasenbein. In Nordrhein-Westfalen ist die Lage ähnlich. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft schätzt, dass derzeit bundesweit 150.000 Betten frei sind.

Auch Rettungsdienste unausgelastet

Wie die „Welt“ berichtet, haben auch die Rettungsdienste vergleichsweise wenig zu tun. In den letzten Wochen gebe es immer weniger Krankentransporte, erklärte das Bayerische Rote Kreuz in München. Deswegen sollen die Krankenhäuser nun schrittweise wieder in den Regelbetrieb wechseln.

Die Kliniken täten alles, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren und Corona-Infektionen getrennt von allen anderen Patientenzu behandeln. Deshalb könnten sich die Patienten auch sicher fühlen und sollten, mit akuten Erkrankungen auch ins Krankenhaus gehen.

„Wenn man akuten Behandlungsbedarf nicht erkennt, riskiert man möglicherweise lebensbedrohliche Probleme“, sagt Chefarzt Reinmuth. Es herrscht auch die Sorge, dass viele Patienten erst im Sommer kommen werden, die besser vier Monate früher gekommen wären, so Reinmuth.

Kurzarbeit an Kliniken

Der NDR berichtete am Mittwoch auch über Fälle von Kurzarbeit in Krankenhäusern. Nach Angaben der Krankenhausgesellschaft ist das allerdings „kein flächendeckendes Phänomen“. Für Kliniken bestehe keine Veranlassung für Kurzarbeit, weil es einen finanziellen Schutzschirm gebe.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verwies auf das wegen der Corona-Pandemie beschlossene Krankenhausentlastungsgesetz. Kliniken bekommen demnach für frei gehaltene Betten eine Pauschale von 560 Euro pro Tag.

Spahn hatte in der vergangenen Woche angekündigt, dass die Krankenhäuser ab Anfang Mai schrittweise „in einen Regelbetrieb“ zurückkehren könnten. Die medizinischen Fachgesellschaften erarbeiteten gerade Konzepte dafür, sagte er am Mittwoch. „Wir wollen ja nicht auf Dauer 40 Prozent der Intensivbeatmungsbetten in Deutschland frei halten. Das ist auch nicht notwendig.“ (so/afp/dpa)


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