Fehlender Durchsetzungswille: Scharfe Kritik an Gauck-Äußerung über Ostdeutsche

Epoch Times3. April 2019 Aktualisiert: 3. April 2019 7:49

Der sächsische Wirtschaftsminister und SPD-Ostbeauftragte Martin Dulig hat die jüngsten Äußerungen von Altbundespräsident Joachim Gauck über die Ostdeutschen scharf kritisiert. „30 Jahre nach dem Mauerfall haben es die Ostdeutschen satt, an einem westdeutschen Ideal der Vergangenheit gemessen zu werden“, sagte Dulig den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ (Mittwochsausgaben). Man solle die Menschen „nicht für eine Ellbogengesellschaft abrichten, sondern gerechte Verhältnisse schaffen“.

Auch der Soziologe Raj Kollmorgen von der Hochschule Zittau-Görlitz warnte davor, die westdeutsche Konkurrenznorm einfach zu übernehmen. Er riet den Westdeutschen vielmehr, selbstkritisch zu sein. Gauck hatte erklärt, vielen Ostdeutschen fehle „dieser absolute Durchsetzungswille“. Sie hätten sich in der DDR keine Wettbewerbsmentalität antrainieren können, so Gauck.

Bartsch (Linke) fordert Wiederherstellung des Sozialstaates

Der Vorsitzende der Linken-Bundestagsfraktion, Dietmar Bartsch, sagte mit Blick auf die jüngste Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) zu Gemeinsamkeiten zwischen Ostdeutschen und Migranten, diese sei „keine Überraschung, sondern Ergebnis von drei Jahrzehnten vielfach unsozialer Regierungspolitik, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt massiv beschädigte“.

Dass sich viele Ostdeutsche und Migranten als Bürger zweiter Klasse fühlten, sei nachvollziehbar. Bartsch forderte „die Wiederherstellung des Sozialstaates, zum Beispiel ein wirkungsvolles Programm gegen Kinderarmut, um gesellschaftliche Ausgrenzung von Anfang an“ zu bekämpfen.

„Trotz aller deutlichen Unterschiede gibt es doch überraschende Gemeinsamkeiten: Bei beiden Gruppen wird gerne pauschalisiert und von den Ostdeutschen und den Muslimen gesprochen“, sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“. Beiden Gruppen werde gerne unterstellt, dass sie „grundsätzlich ein Problem mit Extremismus“ hätten, „die einen mit Rechtsradikalismus und die anderen mit Islamismus.“ Generell werde die Debatte „allzu oft undifferenziert und oberflächlich geführt“, so Özdemir weiter. (dts)

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