Zu links und zu selbstbezogen: Forsa-Chef Güllner sieht SPD vor dem politischen Aus

Von 9. Oktober 2019 Aktualisiert: 9. Oktober 2019 17:09
„Ist sie zu links, bist du zu rechts“ scheint eine weit verbreitete Einschätzung über den Kurs der SPD zu sein – zumindest in ihren Führungsetagen. Das stetige Rücken an den linken Rand könnte jedoch früher oder später zum endgültigen politischen Aus für die älteste Partei Deutschlands werden. Dies jedenfalls meint Meinungsforscher Manfred Güllner – der selbst der SPD angehört.

Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, sagt der SPD keine allzu lange Zukunft mehr vorher. „Die SPD ist in der Auflösung begriffen. Ein neuer Vorsitzender wird das nicht ändern“, äußert Güllner in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Dass der bevorstehende Mitgliederentscheid über das künftige Führungsduo, der in der Zeit zwischen der letzten Regionalkonferenz in München (12.10.) und dem Tag der Verkündung des Ergebnisses (26.10.) über die Bühne gehen soll, der Partei neuen Schwung verleihen wird, glaubt der Meinungsforscher nicht.

Die Befragung der knapp 440 000 Mitglieder sei aufwendig und führe dazu, dass „sich die SPD nur mit sich selbst beschäftigt“. Dass sich die Partei damit in vorbildlicher Weise basisdemokratisch zeige, sei dem Gros der Bürger auf der Straße jedoch völlig einerlei. Diese wollten „einfach nur einen Vorsitzenden, der wählbar ist“ – unabhängig davon, ob die Mitglieder oder ein Parteitag ihn gewählt hätten.

„Die SPD hat die Mitte verloren“

Güllner, der seit 55 Jahren Mitglied der Partei ist, sieht das Duo Olaf Scholz/Klara Geywitz eindeutig in der Favoritenrolle:

Ich gehe davon aus, dass Olaf Scholz es in die Stichwahl schafft. Er hat einen Bonus, weil er als Finanzminister und Vizekanzler prominent ist.“

Die meisten übrigen Gespanne, die ihre Kandidaturabsicht aufrechterhalten haben, gelten jedoch politisch als mehr oder minder linksaußen. Und dass die Partei diesbezüglich immer indifferenter agiere, sei Teil des Problems. Die Einsichtsfähigkeit lasse diesbezüglich jedoch zu wünschen übrig, obwohl die SPD seit 1998 rund 13 Millionen Wähler verloren habe. Nicht alle davon seien gegangen, weil die Sozialdemokratie ihnen zu wenig links gewesen wäre:

Sie sollte darüber nachdenken, wie es so weit kommen konnte. Das tut sie gerade nicht, wenn sie immer weiter nach links schwenkt. Die SPD hat die Mitte verloren.“

In- und außerhalb der Partei umstritten

Güllner gilt als langjähriger Freund des bis dato letzten SPD-Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Er steht nicht nur innerhalb der eigenen Partei wegen umstrittener Einschätzungen in der Kritik. In der eigenen Partei wetterte er mit markigen Worten gegen die Ex-Parteichefs Björn Engholm und Rudolf Scharping.

Im Jahr 2017 bezeichnete er die AfD als „im Kern durch und durch rechtsradikal“ und sagte dieser das gleiche Schicksal wie der NPD voraus. Selbst nach den jüngsten Wahlen in Sachsen und Brandenburg mit Ergebnissen weit über 20 Prozent will er die AfD auch im Osten nicht als „Volkspartei“ sehen.

Bei der SPD stehen sieben Kandidaten-Duos für den Bundesparteivorsitz zur Wahl, die derzeit die letzten ihrer 23 Regionalkonferenzen absolvieren, deren erste am 4. September stattgefunden hatte. Sollte kein Doppelteam beim Mitgliederentscheid eine absolute Mehrheit erhalten, wird es eine Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten geben.

Am 6. Dezember soll der Bundesparteitag das Siegerduo formal als Parteivorsitzende bestätigen.

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