Franz Beckenbauer-Korruption: „Der Kaiser“ im Visier der FIFA-Ermittler (+Video)

Epoch Times15. November 2014 Aktualisiert: 15. November 2014 14:47

Franz Beckenbauer steht erneut im Visier der Anti-Korruptions-Ermittlern der FIFA. Verschiedene Medien berichten, dass die Fahnder ihre Untersuchungen gegen Beckenbauer ausgeweitet haben. 

Auf Anfrage der "Welt am Sonntag" äußerte sich "der Kaiser", der bei der umstrittenen Vergabe der WM-Endrunden 2018 an Russland und 2022 an Katar im Dezember 2010 der entscheidenden FIFA-Exekutive angehört hatte, mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht.

Die FIFA hat die Medienberichten noch nicht kommentiert. Es gibt keine offizielle Bestätigung für eine Ausweitung der Ermittlungen, die Berichte wurden jedoch auch nicht dementiert.

Die Fußball-Ikone und Ex-Kapitän der deutschen Weltmeister-Elf wurde vergangenen Sommer von der FIFA vorübergehend von sämtlichen Aktivitäten im Fußball gesperrt, nachdem er Fragen der Ethikkommission des Weltverbandes FIFA zu den infrage gestellten WM-Vergaben vorläufig nicht beantworten konnte.

FIFA-Chefermittler Michael Garcia hatte in einem 350-seitigen Bericht die Vorwürfe zu möglicher Bestechung bei den Vergaben der Weltmeisterschaften 2018 (an Russland) und 2022 (an Katar) untersucht und an die rechtsprechende Kammer der Ethikkommission weitergeleitet.

2009 hatte Beckenbauer 14 Monate vor Katars Wahl zum WM-Gastgeber 2022 mit dem Sportberater Fedor Radmann das Emirat besucht. Der damals für Katars Rivale Australien arbeitende Radmann, mit dem Beckenbauer Deutschlands erfolgreiche WM-Bewerbung für 2006 organisiert hatte, sollte die Araber laut Welt am Sonntag bei der Visite zu einem Verzicht zugunsten seiner Auftraggeber bewegen. 

Die Verbindung zu Beckenbauer habe durch eine Absprache bestanden, wonach Australien dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) für die Frauen-WM 2011 den Vortritt lässt und im Gegenzug Unterstützung bei seiner Kandidatur für das Männer-Turnier 2022 bekommt, berichtet die Welt.



FIFA-Ermittler Garcia nennt Ethik-Bericht fehlerhaft

Der Freispruch vom Korruptionsvorwurf für die umstrittenen WM-Gastgeber Russland und Katar hat zu einem FIFA-internen Eklat geführt und die Glaubwürdigkeit der vermeintlich unabhängigen Ermittlungen infrage gestellt.

Nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung eines 42-seitigen Berichts der rechtssprechenden Ethikkammer unter dem Vorsitz des deutschen Juristen Hans-Joachim Eckert widersprach der vom Fußball-Weltverband beauftragte Sonderermittler Michael Garcia seinem Kollegen und kündigte wegen „zahlreicher unvollständiger und fehlerhafter Darstellungen der Tatsachen und Schlussfolgerungen“ Berufung gegen den Bericht an.

Die Korruptionsbekämpferin Sylvia Schenk sprach von einer „Kommunikationskatastrophe“. Die Frankfurterin, die bei Transparency International Deutschland die Arbeitsgruppe Sport leitet, sagte: „Die FIFA erhält keine Glaubwürdigkeit, wenn nur 42 Seiten von mehreren 100 veröffentlicht werden.“ DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Ligapräsident Reinhard Rauball hielten sich mit einer inhaltlichen Bewertung des Eckert-Berichts zurück, bekräftigten aber ihre Vorbehalte gegen die Fußball-WM Katar 2022.

Zuvor hatte die FIFA auf ihrer Internetseite eine Stellungnahme Eckerts veröffentlicht, derzufolge es keine Einwände gegen das Turnier in Katar gebe. Auch Russland als Gastgeber des kommenden Turniers 2018 wurde von den seit langem schwelenden Korruptionsvorwürfen freigesprochen.

Nach mehrjährigen Ermittlungen konnte die FIFA-Ethikkommission im harten Bieterwettbewerb um die Milliarden-Events in vier und acht Jahren zwar viele Verstöße gegen moralische wie juristische Regularien des Weltverbandes feststellen, kein Vergehen wurde allerdings als so gravierend eingestuft, dass Sanktionen zu fällen wären, hieß es in dem Bericht. Garcia jedoch zeigte sich mit dem Urteil nicht einverstanden und offenbarte mit seiner öffentlichen Reaktion einen drohenden Bruch in der FIFA-Ethikkommission, deren Untersuchungskammer er führt.

Zuletzt hatte es immer wieder Forderungen von Verbänden, wie dem Deutschen Fußball-Bund und der englischen FA gegeben, auch Garcias Bericht zu veröffentlichen. Die FIFA lehnte dies aber unter Verweis auf das Vertraulichkeitsgebot ab. Wogegen Garcia genau Berufung einlegen will, blieb zunächst offen. (so/dpa)

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