Hamburg: Freispruch für Iraner Behzad S. (34) – Letzter Sex-Mob-Prozess beendet – Polizei von Richterin kritisiert

Von 24. März 2017 Aktualisiert: 24. März 2017 17:31
Im vermutlich letzten Prozess um den Hamburger Silvester-Sex-Mob 2015/2016 wurde am Donnerstag ein Iraner nach zweimonatiger Untersuchungshaft freigesprochen. Er bekommt eine Entschädigung. Auch in zwei vorangegangenen Prozessen um die Vorfälle in Hamburg wurden die Tatverdächtigen freigesprochen und entschädigt. Nur in einem Fall wurde ein junger Afghane wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Er wurde per DNA überführt. Das Gericht urteilte sanft - verhängte Bewährung.

Silvesternacht 2015/2016 in Hamburg: Parallel zu Köln und anderen deutschen Städten kommt es in der Hansestadt zu mehr als 400 Übergriffen auf Frauen, hauptsächlich auf der Großen Freiheit oder am Jungfernstieg. Sie wurden Opfer sexueller Angriffe oder von Diebstählen und Raub.

Die Staatsanwaltschaft leitete dank dem Mut der Opfer 245 Ermittlungsverfahren ein. In nur vier Fällen wurde tatsächlich Anklage erhoben, gegen insgesamt sechs Männer.

Letzter Prozess: Freispruch!

Die Anklage lautete auf den Vorwürfen der sexuellen Nötigung in einem besonders schweren Fall in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Raub und tätlicher Beleidigung sowie der sexuellen Nötigung in Tateinheit mit Beleidigung in zwei Fällen.

Am Donnerstag ging der vermutlich letzte der Hamburger-Sex-Mob-Prozesse nach sieben Verhandlungstagen zu Ende:

Freispruch! Behzad S. (34) aus dem Iran verließ den Gerichtssaal als freier Mann. Der Vorwurf, er habe in einer größeren Männergruppe an sexuellen Übergriffen zum Nachteil von drei Frauen teilgenommen, wurde fallen gelassen. Der Mann bekommt eine Entschädigung.

Bei der Straftat soll der Iraner mit anderen Männern eine 21-Jährige eingekreist haben, während ein bisher nicht ermittelter Täter der jungen Frau zwischen die Beine griff und in sie eindrang. Ein weiterer Täter klaute dabei das Handy aus der Hand des Mädchens. Die übrigen Männer machten sich über das Geschehen lustig.

Anschließend soll der Angeklagte mit mindestens zwei weiteren Männern zwei junge Frauen (19, 20) umringt und oberhalb der Kleidung an den Brüsten, am Schritt und am Gesäß berührt haben.

Am Ende des Prozesses kam die Vorsitzende Richterin Gudrun Schoel zum Schluss:

Der Angeklagte war an den Übergriffen weder als Täter noch als Teilnehmer beteiligt.“

(Urteilsbegründung, Az. 631 KLs 5/16)

Kritik an Polizei wegen möglicher Vorurteile

Die Richterin kritisierte noch die Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft. Die massenhaften Übergriffe auf Frauen hätte eine Fremdenangst ausgelöst. Man müsse sich fragen, „welchen Einfluss diese Angst auf die Ermittlungen genommen hat“, so die Richterin laut „Focus“. Weiterhin verwies sie auf den Druck, unter dem die Polizei gestanden habe und ob möglicherweise Vorurteile eine Rolle gespielt hätten.

Die 21-Jährige habe in einer ersten polizeilichen Vernehmung nur den Haupttäter beschreiben können, so die Richterin. Auf einer Übersichtsaufnahme habe sie jedoch niemanden erkannt. Vor Gericht identifizierte sie dann überraschend den Angeklagten als Haupttäter. Die Strafkammer glaube jedoch, dass die Frau dabei einem Irrtum unterlegen sei, weil sie den Haupttäter zunächst anders beschrieben habe, so „Focus“.

https://www.youtube.com/watch?v=bS8Rts_H7nM&t=864s

Freispruch und Entschädigung

Zwei weitere Verfahren endeten im vergangenen Jahr bereits mit Freisprüchen:

Im ersten Fall um sexuelle Nötigung und Beleidigung verließen die drei angeklagten Männer aus Marokko, Tunesien und dem Iran das Gericht als freie Männer, mit je 4.600 Euro Entschädigung für die U-Haft. Laut Richterin sei das Opfer von der Polizei unbewusst suggestiv beeinflusst worden, obwohl es die drei Angeklagten auf vorgelegten Fotos identifizieren konnte. Die 19-Jährige wurde aus einer Gruppe von „fünf bis sechs Männern“ heraus an der Brust, zwischen den Beinen, am Hintern begrapscht – „überall waren Hände“, zitiert das „Hamburger Abendblatt“ die Studentin.

Die Richterin entschuldigte sich bei den Männern

In einem weiteren Fall ging es um einen 30-jährigen Afghanen. Auch hier wurde das Opfer mit zwei Freundinnen von einer Gruppe ausländischer Männer umzingelt. „Ich wurde durchgehend überall angefasst“, so das Mädchen. Besonders fiel ihr ein etwa 30-Jähriger mit rundem Gesicht und Drei-Tage-Bart auf:

Ich schrie ‚Stopp, aufhören‘, schlug die Hände weg, doch der hat mich nur angeguckt und gegrinst.“

(Opfer)

Gegen den Afghanen wurde die Anklage fallen gelassen, weil das Mädchen ihn offenbar vor Gericht nicht wiedererkennen konnte. Sie könne nicht mehr genau sagen, wer genau was gemacht habe. „Ich war damals auch mehr damit beschäftigt, die Hände von meinem Körper zu bekommen“, so die Zeugin laut „Hamburger Abendblatt“.

Zumindest dabei konnte die Richterin ihr beipflichten: „Eine furchtbare Vorstellung“, so die Vorsitzende Richterin Anne Meier-Göring.

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Bewährung für Vergewaltiger

In einem weiteren Fall wurde der junge Afghane Zmaray N. (19) wegen des Angriffs auf eine 19-Jährige angeklagt. Hier überführten DNA-Spuren den Täter.

(Staatsanwalt)

 

Der Afghane war erst seit einem Monat in Deutschland, als er die Tat beging. Lesen und Schreiben konnte er nicht.

Der Familienrat schickte ihn gegen seinen Willen nach Deutschland. Er musste Ehefrau und zwei Kinder zurücklassen, sollte als Brückenkopf dienen, um den Rest der Familie hierher zu holen. Oder um Geld zu senden.“

(Opfer/Nebenklägerin)

Die Staatsanwaltschaft beantragte 22 Monate Haft ohne Bewährung und plädierte: „Ohne Gefängnis kann die Strafe nicht abschreckend wirken“, wie die „Bild“ berichtet.

Das Gericht verurteilte den Vergewaltiger zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Das war Ende August.

Siehe auch:

Hamburger Silvester-Prozesse: Freispruch und Entschädigung für Angeklagte aus Marokko, Tunesien und dem Iran

Nach „Aktenzeichen XY“: Zuschauerhinweise auf Sextäter vom Hamburger Silvester-Mob (Video)

Öffentlichkeitsfahndung nach Täter von Hamburger Silvester-Sex-Mob

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