Hamburg: Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall Timo Kraus weiter – Ehefrau zweifelt „Unfall“ an – Fremdverschulden nicht ausgeschlossen

Von 23. März 2017 Aktualisiert: 8. April 2017 14:30
Am 23. März herrschte Aufregung am Hamburger Hafen. Eine Wasserleiche mit dem Personalausweis des vermissten HSV-Managers Timo Kraus wurde aus dem Wasser gefischt. Die DNA-Analyse am nächsten Tag bestätigte einwandfrei die Identität des Toten. Die Obduktion ergab Tod durch Ertrinken. Allerdings konnten die Umstände des Todes bisher nicht geklärt werden, weshalb die Staatsanwaltschaft weiter ermittelt. Auch die Witwe von Timo Kraus bezweifelt einen Unfalltod ihres Mannes.

Im Fall des Todes des HSV-Managers Timo Kraus ermittelt die Staatsanwaltschaft weiter. Zwar bestätigte die Obduktion Ertrinken als Todesursache, klärte aber nicht die Frage, ob es sich um einen Unfall gehandelt hatte oder ob nachgeholfen wurde.

Außerdem soll geprüft werden, ob der Blutalkoholspiegel noch feststellbar sei, so die Zeitung „Der Westen“. Laut Aussagen der Witwe des Managers habe sie diesen noch nie volltrunken gesehen. Schon gar nicht hätte er dies vor seinen Mitarbeitern gemacht.

Alles, was wir wissen, deutet darauf hin, dass es sich um einen Unglücksfall handelt. “

(Jan Krüger, Polizei Harburg)

„Es ist unbefriedigend, dass es keine hundertprozentige Klarheit über den Geschehensablauf gibt“, ärgert sich Jan Krüger von der Polizei Harburg. Allerdings gebe es keine äußeren Verletzungen und keine Hinweise auf eine Straftat.

Kraus verschwand nach einer Party in der Nacht auf Sonntag, 8. Januar 2017. Seit dieser Zeit lag seine Leiche im Wasser, 75 Tage lang, bis sie vergangenen Donnerstag gefunden wurde.

Die trauernde Witwe des HSV Managers stellt Fragen, unbequeme und logische Fragen nach mysteriösen Details …

Corinna Kraus bezweifelt Unglücks-Theorie

Corinna Kraus will die Wahrheit wissen:

Was suchte mein Mann bei Nacht auf der Brücke? War er allein? Ging er freiwillig dorthin? Hat ihn jemand ins Wasser gestoßen?“

(Corinna Kraus)

In der Tat, es gebe einige Ungereimtheiten, berichtet die „Gala“ aus einem „Spiegel“-Interview der Witwe. Zum einen fehlt bis heute die Jacke des toten Managers Kraus und zum anderen der Taxifahrer, der ihn weniger als eine Stunde zuvor samt Jacke gefahren hatte.

Doch wo ist die Jacke, wo ist der Taxifahrer?

Es scheint unglaublich, dass der Fall von der Polizei eingestellt werden soll, ohne den Taxifahrer gefunden zu haben! Warum meldet sich der Mann nicht? Hat er keine Lizenz oder ist er gar ein Illegaler? Das sind die harmloseren Fragen zu dem Fahrer.

Theoretisch könnte er allerdings auch direkt mit dem Verschwinden des Managers zu tun haben. Dann wird er sich aber niemals freiwillig melden.

Was geschah in jener Januar-Nacht wirklich?

Erst am Vorabend hatte Timo Kraus für die ganze Familie einen Südafrika-Urlaub gebucht. Er war gut drauf, hatte keine Depressionen oder Ähnliches: „Mein Mann hat das Leben geliebt“, weist Corinna Kraus einen möglichen Selbstmord ihres Mannes von sich.

Timo Kraus fährt mit der Bahn zur Feier, lässt das Auto zu Hause. Es ist spiegelglatt. Seine Frau versucht ihm noch die Reise nach Hamburg auszureden. „Es war keine Feier, sondern sie waren zum Essen verabredet“, erklärte eine HSV-Mitarbeiterin später dem „Kölner Express“.

Gegen 23.30 Uhr ist das Essen zu Ende, die HSV-Leute verlassen das Lokal. Die Taxi-Stände sind leer und Timo Kraus hält ein vorbeifahrendes Taxi an, steigt bei einem schwarzafrikanischen Fahrer mit auffallend großer Nase ein. Das ist das letzte Mal, dass ihn seine Mitarbeiter sehen, berichtet der „Kölner Express“.

Eine ominöse Taxi-Fahrt

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Ursprünglich wollte Kraus nach Hause fahren, ins 40 Kilometer entfernte Buchholz, doch es kommt anders.

Die „Bild“ sprach mit einem Taxifahrer am Hauptbahnhof. Dieser erklärt sich die Planänderung so: „In der Nacht war es sehr glatt. Da hat der Kollege es wohl abgelehnt, den Fahrgast nach Buchholz zu fahren – und von dort wegen der Witterung womöglich zwei Stunden zurück zu brauchen. Das ganze Nachtgeschäft wäre im Eimer.“

Bliebe dann nur die Möglichkeit, vom Hauptbahnhof aus den Zug zu nehmen. Bis dorthin ist es vom Blockbräu aus eine Strecke zwischen 3,3 und 4,7 Kilometern, je nach Route. Doch laut Auswertung der Handydaten von Kraus soll die Fahrt keine zwei Kilometer weit gegangen sein. Auf halber Strecke hielt es plötzlich an, an der Straße Hohe Brücke am Nikolaifleet, östlich der Landungsbrücken.

Von hier ab ist unklar, ob Kraus mit dem Taxi zurückfuhr oder zu Fuß lief oder sich etwas anderes abgespielt hatte. Auch ist unklar, ob er hier seine Jacke noch an oder ob er sie im Auto gelassen hatte.

„Mein Mann wäre bei dieser Kälte niemals freiwillig ohne Jacke umhergelaufen, dazu war er viel zu verfroren“, erklärte die Witwe des Managers.

Ohne Jacke und desorientiert

Doch offenbar kam es aus bisher ungeklärten Gründen genau dazu: Zwei voneinander unabhängige Zeugenaussagen bestätigten, dass Timo Kraus nach seiner Taxifahrt an den Landungsbrücken gesehen wurde, ohne seine Jacke, nur mit dem grauen Pullover bekleidet. Die Zeugen hatten die HSV-Raute darauf erkannt. Die Zeugen beschrieben den Manager zu diesem Zeitpunkt als desorientiert und dass er geschwankt habe.

Doch war wirklich der Alkoholkonsum auf der verspäteten Weihnachtsfeier die Ursache dafür? Man weiß es nicht.

Ich habe meinen Mann noch nie stockbetrunken erlebt. Dass er sich als Chef vor seinen Mitarbeitern volllaufen lässt, kann ich mir nicht vorstellen.“

(Corinna Kraus)

Wie die Witwe im „Spiegel“-Interview aussagte, konnte sie die Bewegungen ihres Mannes per App „Find my iPhone“ mitverfolgen – wie er sich vom Hafen wegbewegte.

Kurz nach Mitternacht wacht sie auf, und wundert sich, dass sich das Handy wieder zum Hafenrand und eine Treppe hoch bewegt, schließlich unten am Wasser beim Museumsschiff „Rickmer Rickmers“ verstummt. Das war gegen 0.40 Uhr.

23. März: Aufregung im Hafen – eine Wasserleiche

Ein Kleinboot der Feuerwehr holte am Donnerstagmorgen des 23. März eine männliche Wasserleiche beim Museumsschiff „Cap San Diego“ aus dem Wasser, keine 200 Meter entfernt von der Landungsbrücke 1 und dem Museumsschiff „Rickmer Rickmers“. Dort wurde das Handy des vermissten HSV-Managers in der Nacht auf Sonntag, 8. Januar, gegen 0.40 Uhr letztmals von einem privaten Ortungsdienst geortet.

Die Einsatzkräfte brachten den Leichen-Fund am Feuerwehr-Anleger 11 an Land, berichtete die „Bild“. Ein Rettungswagen unter Polizeibegleitung überführte die Leiche ins Institut für Rechtsmedizin. Auch die Ermittler der Mordkommission rückten mit Spezialisten für Todesermittlung aus.

Wir sind zutiefst bestürzt. Unsere Anteilnahme und unser tiefes Mitgefühl gelten Timos Familie, der wir weiterhin zur Seite stehen werden.“

(HSV-Vorstand Frank Wettstein)

Bereits am Donnerstag war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um den vermissten HSV-Manager handelt, wie die Polizei Hamburg meldete.

Doch endgültige Ergebnisse und die Identifikation der Leiche als Timo Kraus erbrachte erst der DNA-Test am nächsten Tag.

Kraus verschwand nach einer Party im Blockbräu mit einem ominösen Taxi, kehrte offenbar damit an die Landungsbrücken zurück – so die Handyortung – und verschwand endgültig. Der Taxifahrer konnte nicht ermittelt werden.

Siehe auch:

Hamburg sucht Timo Kraus: Wo ist der mysteriöse Taxi-Fahrer – HSV setzt Belohnung von 2.000 Euro aus

Hamburg: HSV-Manager Timo Kraus nach Party an den Landungsbrücken vermisst – Rätselhaftes Verschwinden beschäftigt Polizei