Ebola ist eine der tödlichsten Krankheiten der Welt. Gerade Beerdigungen sind in Westafrika eine Hauptursache neuer Infektionen, denn dort ist es üblich, die Toten zu waschen und zu berühren. Da die Körper der Verstorbenen hochansteckend sind, verbreitet sich das Virus auf diese Weise immer weiter.Foto: SEYLLOU/Getty Images

Hart aber fair mit Frank Plasberg: Empörung, Ängste und Versagen bei der Ebola-Epidemie

Von 21. Oktober 2014 Aktualisiert: 21. Oktober 2014 8:26

Was drei deutsche Medizinstudenten im Sommer in Sierra Leone schafften, nämlich eine Isolierstation für Ebola-Patienten in drei Tagen aufzubauen, war die eigentlich sensationelle Nachricht bei „Hart aber fair“ am Montagabend mit Frank Plasberg.

Nicolas Aschoff wollte mit drei Kommilitonen nur sein medizinisches Praktikum über Tropenkrankheiten in Westafrika absolvieren und sah, wie unvorbereitet das Krankenhaus auf die Welle von Ebola-Patienten reagierte . Was er heute als Kompetenzüberschreitung bezeichnet, weil sie nicht „qualifiziert“ waren, war tatsächlich das beherzte Eingreifen in einer verwirrenden Situation, in der die drei Studenten das Gewissen über die Furcht um das eigene Leben stellten und den Notleidenden halfen. Erschrocken sahen sie, dass Teile des Personals „abhauten“, um sich nicht anzustecken, unter ihnen waren auch Ärzte. Einige hielten die Nachrichten über die verheerende Seuche sogar für eine Lüge, mit der die Regierung Gelder von anderen Staaten einsammeln wollte.

Sie bauten – mit Informationen aus dem Internet – in drei Tagen eine Isolierstation auf, mussten nach zwei Tagen schon die ersten Patienten aufnehmen, obwohl sie das Personal noch schulen mussten, was sie auch taten. Sie brauchten keinen „Ebola-Gipfel“, sie sahen die Not und sie halfen, und sie kamen gesund zurück. Nicolas Aschoff will wieder dorthin, er hat sich nach dem Aufruf von Ursula von der Leyen schon gemeldet.

Aschoff, Student an der Hochschule in Witten Herdecke, der im Einzelgespräch befragt wurde, war ebenso wie Dr. Maximilian Gertler von Ärzte ohne Grenzen immer wieder fassungslos, warum nicht schneller und vor allem früher in Afrika geholfen wurde. Beide sprachen aus einem Herzen voller selbstverständlichem Engagement für die Kranken und die Gefährdeten.

Gertler wurde konkret: „Wir können Infektionen und die weitere Ausbreitung verhindern, wenn wir vor Ort schneller handeln, wir müssen hier nicht sitzen wie das Kaninchen vor der Schlange.“

Dazu heißt es auf der Webseite von Ärzte ohne Grenzen: „Die Menschen in Westafrika sind ausgesprochen mobil. Grenzen sind sehr durchlässig, und die Leute reisen regelmäßig hin und her. Sie haben Familie auf beiden Seiten der Grenzen und fahren häufig zum Beispiel zu Märkten oder Bestattungen. Gerade Beerdigungen sind in Westafrika jedoch eine Hauptursache neuer Infektionen, denn dort ist es üblich, die Toten zu waschen und zu berühren. Da die Körper der Verstorbenen hochansteckend sind, verbreitet sich das Virus auf diese Weise immer weiter. Hinzu kommt, dass Ebola bislang in Westafrika nicht vorkam. Viele Menschen trauen den fremden Ärzten nicht und verstecken ihre Kranken. Es ist viel Aufklärungsarbeit nötig, damit sich die Menschen an die Ebola-Zentren wenden. Zudem sind die Kapazitäten der Gesundheitsbehörden, Kontaktpersonen von Infizierten aufzusuchen, viel zu gering.“ Link zu Ärzte ohne Grenzen über Ebola-Ausbruch.

Prof. Dr. Reinhard Burger, Chef des Robert-Koch-Instituts in Berlin, musste sich von Plasberg provokativ befragen lassen: „Sie sind doch der Pool des Sachwissens.“ Warum er nicht mehr Druck gemacht habe. Die Umsetzung vor Ort aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen seines Instituts, sei nicht seine Aufgabe, antwortete Burger, allerdings seien sie auch „irritiert gewesen, dass die Maßnahmen in Afrika nicht schneller gegriffen haben.“

Dr. Werner Bartens, leitender Wissenschaftsredakteur der „Süddeutschen Zeitung" warf Burger „Verharmlosung“ vor. Panikmache sei sicherlich falsch. „Doch genauso fahrlässig ist es, so zu tun, als seien wir auf Ebola in Deutschland bestens vorbereitet. Das sind wir nicht.“ Er betrachtete auch mit Sorge das soziale Umfeld in den westafrikanischen Staaten, die Ängste der Familien oder Dorfgemeinschaften, wenn Überlebende wieder zurückkehrten, die Situation der verwaisten Kinder, die aus Angst vor Ansteckung niemand haben wolle.

Dieses Anliegen teilte auch Marion Kracht, Schauspielerin, Botschafterin und Kuratoriumsmitglied PLAN International. Ihre Organisation kann gut als Vermittler wirken, weil sie schon lange vor Ort sind und dieselbe Sprache sprechen. 

Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe gab offen zu, dass man in Europa viel zu spät reagiert habe, „wir untersuchen und lernen, jeder Fall ist anders.“

Immerhin seien schon 100 Millionen Euro in Hilfslieferungen und Personalkosten an die betroffenen Länder und die helfenden Organisationen gegangen. Im Übrigen beruhigte Gröhe: „In Deutschland muss sich wegen Ebola niemand Sorgen machen. Wir sind gut auf den Ernstfall vorbereitet und haben hervorragende Behandlungszentren.“ Wobei nicht geklärt werden konnte, ob die 47 Spezialbetten in Deutschland auch jederzeit betriebsbereit sind.

Angesichts von so viel Vorsorge und Ängsten in Deutschland, war Gertler fast sprachlos: „Ich bin überzeugt, dass es eine Menge Menschen in Deutschland gibt, die helfen wollen. Man kann nicht mit Medikamenten heilen, aber mit Pflege, guter Nahrung und Infusionen könnten mehr Menschen überleben. Wir müssen das ‚brennende Haus‘ von innen löschen. Diese Epidemie ist der schlimmste Ausbruch von Ebola, den wir je hatten. Wir brauchen eine robuste Antwort.“

Statt einer Schlussrunde gab Plasberg eine Einspielung frei mit den Adressen und Kontonummern der in Westafrika helfenden Organisationen im Kampf gegen Ebola. SPENDENAUFRUF HIER

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