Janine Wissler (L) wird von Susanne Hennig-Wellsow (R) beglückwünscht, nachdem sie am 27. Februar in Berlin zur neuen Co-Vorsitzenden der Linken gewählt worden ist.Foto: Christian Marquardt - Pool/Getty Images

Hennig-Wellsow und Wissler zur neuen Linken-Doppelspitze gewählt

Epoch Times27. Februar 2021 Aktualisiert: 28. Februar 2021 7:44

Die Linke wird erstmals von einer weiblichen Doppelspitze geführt: Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow wurden am Samstag (27. Februar) auf einem digitalen Parteitag zu den neuen Vorsitzenden gewählt. Sie treten die Nachfolge von Katja Kipping und Bernd Riexinger an. Das Abstimmungsergebnis muss noch durch eine Briefwahl bestätigt werden. Die beiden neuen Vorsitzenden nannten den Kampf für mehr soziale Gerechtigkeit als zentrales Anliegen.

Wissler erhielt 84,2 Prozent der Stimmen. Die 39-Jährige ist Vorsitzende der hessischen Linken-Fraktion. Hennig-Wellsow hatte bei ihrer Wahl anders als Wissler zwei Gegenkandidaten. Die thüringische Fraktions- und Landesvorsitzende erhielt 70,5 Prozent der Stimmen. Reimar Pflanz vom brandenburgischen Kreisverband Märkisch-Oderland kam auf 19,4 Prozent.

Wissler: „Wir wollen Reichtum umverteilen“

Wissler prangerte in ihrer Bewerbungsrede die gesellschaftliche Spaltung an, die sich durch die Corona-Krise vertieft habe. Viele Menschen seien im Zuge der Krise in Existenznot geraten und müssten um ihre Zukunft bangen, während die Zahl der Millionäre steige. „Mit diesen Zuständen werden wir uns niemals abfinden“, sagte Wissler.

Es gehe um das „Aufbegehren gegen die Verhältnisse“, betonte sie. „Wir wollen Reichtum umverteilen“. Die Vision der Linken sei ein „demokratischer Sozialismus ohne Ausbeutung von Menschen und Natur“. Klimaschutz werde sich „ohne Veränderung der Eigentumsverhältnisse“ nicht durchsetzen lassen, sagte Wissler, die für einen klar linken Kurs in der Partei steht.

Die Politik müsse bereit sein, „sich mit den Konzernen anzulegen“. Sie bekräftigte die Forderung nach einer anderen Flüchtlingspolitik, weltweiter Abrüstung sowie den Stopp von Kriegseinsätzen und Waffenexporten. In ihrer Dankesrede nach der Wahl rief sie die Linke zur Einigkeit auf: „Lasst uns diesen Parteitag als Aufbruch nutzen.“

Hennig-Wellsow rief zum Vertrauen in die neue Führung und zur Überwindung früherer Streitigkeiten auf. Sie wolle gemeinsam mit Wissler, „unbelastet wie wir sind“, die Kommunikation in der Partei stärken. Es gehe darum, gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden.

In den vergangenen Jahren hatte es parteiinterne Konflikte vor allem zwischen Kipping und der früheren Fraktionschefin Sahra Wagenknecht gegeben, beide stehen für unterschiedliche Strömungen.

Hennig-Wellsow für Regierungsbeteiligung

Hennig-Wellsow warb mit Nachdruck für eine Regierungsbeteiligung im Bund. „Lasst uns nicht mehr warten“, sagte sie. Nicht zuletzt werfe die Corona-Krise Fragen auf, „die nicht warten können“, so Hennig-Wellsow. „Sonst werden sie von anderen entschieden.“

Die neue Bundesvorsitzende verwies auf die von der Linken geführte Landesregierung in Thüringen. Dort habe ihre Partei es geschafft, „einen mit faschistischen Stimmen gewählten Ministerpräsidenten aus dem Amt zu vertreiben“, sagte Hennig-Wellsow mit Blick auf die mit AfD-Hilfe erfolgte zwischenzeitliche Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich. Sie fühle „Abschiedsschmerz“, das Team um den Linken-Ministerpräsidenten Bodo Ramelow zu verlassen, sagte Hennig-Wellsow.

Nach der Vorsitzendenwahl startete der Parteitag die Wahl der stellvertretenden Parteivorsitzenden. Zur neuen stellvertretenden Linken-Vorsitzenden wurde die Berliner Landeschefin Katina Schubert gewählt. Die Bundestagsabgeordnete Martina Renner wurde als Parteivize wiedergewählt. (afp)


Unterstützen Sie unabhängigen und freien Journalismus

Danke, dass Sie Epoch Times lesen. Ein Abonnement würde Sie nicht nur mit verlässlichen Nachrichten und interessanten Beiträgen versorgen, sondern auch bei der Wiederbelebung des unabhängigen Journalismus helfen und dazu beitragen, unsere Freiheiten und Demokratie zu sichern.

Angesichts der aktuell schwierigen Zeit, in der große Tech-Firmen und weitere Player aus dem digitalen Werbemarkt die Monetarisierung unserer Inhalte und deren Verbreitung einschränken, setzt uns das als werbefinanziertes Nachrichten-Portal unter großen Druck. Ihre Unterstützung kann helfen, die wichtige Arbeit, die wir leisten, weiterzuführen. Unterstützen Sie jetzt Epoch Times indem Sie ein Abo abschließen – es dauert nur eine Minute und ist jederzeit kündbar. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Monatsabo ab 7,90 Euro Jahresabo ab 79,- Euro

Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion