Ein leeres Klassenzimmer an einer Grundschule.Foto: Sebastian Gollnow/dpa/dpa

SPD fordert Türkisch-Unterricht an Schulen in Hessen

Von 26. Juni 2021 Aktualisiert: 25. Juni 2021 23:41
Obwohl Türken im Bundesland Hessen die mit Abstand größte Einwanderercommunity stellen, wird es Türkisch weiterhin nicht als wählbare Fremdsprache an dortigen Schulen geben – zumindest nicht außerhalb des herkunftssprachlichen Angebots. Arabisch wird hingegen wählbar.

Im Jahr 2017 hatten den Angaben des Ausländerzentralregisters zufolge 156.400 Einwohner des Bundeslandes Hessen eine türkische Staatsangehörigkeit, dazu kommen schätzungsweise mehrere Zehntausend Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund. Obwohl die türkische Einwanderercommunity damit die mit Abstand größte des Bundeslandes ist, wird Türkisch auch ab 2023 nicht als weitere Fremdsprache zum bisherigen Sprachangebot an hessischen Schulen verfügbar sein.

Hessen stockte Fremdsprachenangebot auf

Wie die „Frankfurter Neue Presse“ (FNP) berichtet, hat eine Mehrheit inklusive der Regierungsparteien CDU und Grüne im Kultusausschuss einen von FDP und Linkspartei unterstützten Antrag der SPD abgelehnt. Dieser sah vor, auch Türkisch „dauerhaft als zweite oder dritte Fremdsprache und versetzungsrelevantes Wahlpflichtfach an allgemeinbildenden Schulen im Regelunterricht“ in die überarbeitete Liste aufzunehmen.

Hingegen sind Polnisch, Mandarin-Chinesisch, Portugiesisch und Arabisch künftig wählbar. Auch Griechisch kam nicht zum Zug, das zumindest von mehr als 36.000 Einwohnern Hessens gesprochen wird. Zum bisherigen Fremdsprachenangebot an hessischen Schulen gehören Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch, Altgriechisch und Latein.

Türkisch bleibt nur unter erschwerten Bedingungen eine Option

Es bleibt weiterhin möglich, an einzelnen allgemeinbildenden Schulen des Landes – ähnlich wie in NRW – im Rahmen des herkunftssprachlichen Unterrichts Türkisch zu lernen. Dies setzt jedoch zum einen Vorkenntnisse voraus und zum anderen handelt es sich um ein zusätzliches freiwilliges Wahlfach. Außerdem gibt es Mindestgruppenstärken und es werden regelmäßig Schüler aus unterschiedlichen Schulen abseits der regulären Unterrichtszeit zusammengefasst.

Das Kultusministerium führt Schulversuche mit Türkisch als zweiter Fremdsprache an drei Schulen in Frankfurt am Main und Offenbach an, die Ende der 2000er-Jahre begonnen hatten, jedoch nach mehreren Jahren eingestellt wurden, weil die Anmeldezahlen nicht ausgereicht hätten. Ein zweiter Anlauf sei, so teilt das Ministerium der „FNP“ mit, nicht geplant, weil man „aus den entsprechenden Schulen keinen Bedarf melden“ würde.

Befürworter gehen von veränderter Nachfragesituation aus

Atila Karabörklü, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, befürchtet gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, die Entscheidung, die im Alltag bedeutsamste Fremdsprache im Land unberücksichtigt zu lassen, werde „den politischen und gesellschaftlichen Diskurs in Hessen nachhaltig und schwerwiegend belasten“.

Nicht ausreichende Anmeldezahlen bei den Schulversuchen erklären Befürworter regulären türkischen Fremdsprachenunterrichts, dass Eltern aus der Einwanderercommunity verunsichert gewesen wären und Angst gehabt hätten, „den Kindern dann Sprachen wie Englisch oder Deutsch vorzuenthalten“. Zudem habe sich die Nachfragesituation verändert, weil aus Unternehmensgründungen sowie vermehrten länderübergreifenden Kooperationsmöglichkeiten zwischen Deutschland und der Türkei auch bessere berufliche Perspektiven verbunden seien.

Auch aus Ausländerbeiräten kommt Bedauern, dass mit Türkisch eine Sprache unberücksichtigt bliebe, die „aufgrund der Arbeitskräftezuwanderung bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert tief in der hessischen Gesellschaft verwurzelt“ sei.



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