Hessische NSU-Akten rücken nach Mord an Lübcke ins öffentliche Interesse

Epoch Times19. Juni 2019 Aktualisiert: 27. Juni 2019 9:43

Nach Bekanntwerden des rechtsextremistischen Hintergrunds beim Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ist eine Debatte um die Freigabe hessischer NSU-Akten entbrannt. Mehrere Politiker des zweiten NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag fordern die Freigabe.

Mit Blick auf das Kasseler NSU-Mordopfer Halit Yozgat verbiete sich „eine weitere geheime Einstufung dieser Akten“, sagte etwa der CSU-Rechtsexperte Volker Ullrich der „Augsburger Allgemeinen“ vom Mittwoch. Ein Überblick zum NSU-Kassel-Komplex:

VERBINDUNG ZWISCHEN STEPHAN E. UND NSU UNKLAR

Ob es eine Verbindung zwischen dem mutmaßlichen Lübcke-Mörder Stephan E. und dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) um Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gibt, ist unklar.

Bekannt war E. den hessischen Behörden dennoch: Im hessischen NSU-Untersuchungsausschuss fragte die Linke 2015 nach Angaben von Fraktionschefin Janine Wissler beim hessischen Landesamt für Verfassungsschutz explizit nach E., um Näheres zur Neonaziszene in Kassel zu erfahren.

Ihre Partei habe jedoch auf ihre Fragen nie eine Antwort erhalten. Medienberichten zufolge soll ein ehemaliger V-Mann im Ausschuss ausgesagt haben, dass er einen „NPD-Stephan“ kenne. Ob es sich dabei um E. handelte, ist unklar.

NSU-MORD IN KASSEL

Kassel war in der Vergangenheit bereits Tatort eines rechtsextremistischen Mordes: Am 6. April 2006 wurde der 21-jährige Halit Yozgat in seinem Internetcafé vom NSU erschossen.

Er war das neunte Opfer der seit 2000 andauernden Mordserie. Bis heute sind viele Fragen ungeklärt, insbesondere die Rolle des ehemaligen Mitarbeiters des hessischen Landesamts für Verfassungsschutzes, Andreas Temme.

TEMME ZEITWEISE UNTER VERDACHT

Temme befand sich etwa zur Tatzeit in Yozgats Internetcafé. Er sagte im Prozess gegen Zschäpe und bei den parlamentarischen Untersuchungen aus, vom Mord an Yozgat nichts mitbekommen zu haben.

Ungeklärt ist, ob Temme kurz vor der Tat oder kurz danach das Café verließ. Zeitweise galt er den Ermittlern als verdächtig. 2011 reklamierte der NSU die Tat für sich.

GEHEIMBERICHT MIT SPERRFRIST BIS 2134

Es gab auch Spekulationen, ob Temme im Vorfeld etwas von der Tat gewusst hatte. Er wurde sowohl vom hessischen Verfassungsschutz als auch von der Politik geschützt.

Die Linke warf dem damaligen Innenminister Volker Bouffier (CDU) vor, die Ermittlungen behindert zu haben. Ein geheimer Bericht des hessischen Landesamts für Verfassungsschutz, in dem die Rolle Temmes beim Mord an Yozgat geschildert sein soll, hat eine Sperrfrist von 120 Jahren. Bis 2134 soll er unter Verschluss bleiben. (afp)

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