Hilfe für die Geburtshelfer

Von 11. Mai 2010 Aktualisiert: 11. Mai 2010 1:55

Die Hebammen in ganz Deutschland schlagen mit einer Petition im Deutschen Bundestag Alarm, denn es ist gut möglich, dass sie aus finanziellen Gründen ihrer eigentlichen Berufung – nämlich der Geburtshilfe – nicht mehr nachgehen können.

Viele Frauen in Deutschland gehen wieder mehr und mehr in die Eigenverantwortung, wenn es um Schwangerschaft und Geburt geht. Die Chancen für eine komplikationslose Schwangerschaft und Geburt sind heutzutage auch um vieles höher als noch in alten Zeiten. Hebammen sind die ursprünglichen Geburtshelfer, nicht Ärzte, die eigentlich nur im Notfall konsultiert werden müssen.

Es gibt weiterhin viele Frauen, die sich aus Sicherheitsgründen in einer Klinik besser aufgehoben fühlen, aber was ist mit all denen, die eine wärmere, herzlichere und häuslichere Umgebung für die Geburt ihres Kindes vorziehen, wie die eines Geburtshauses oder gar des eigenen Heims. Die Geburt eines Kindes ist doch eher ein sehr freudiges, außergewöhnliches Ereignis, das sicher zum größten Teil nicht gerade den Aufenthalt in einem „Krankenhaus“ rechtfertigt. Wie auch immer, die Mutter sollte das Recht haben, selbst zu entscheiden.

Versicherung verdoppelt

Doch genau dies ist in Zukunft vielleicht nicht mehr möglich, denn die Haftpflichtversicherung für Hebammen soll ab dem 1. Juli 2010 um 50 Prozent auf 3.689 Euro jährlich steigen. Bei der eher unzureichenden Vergütung der Hebammen, die umgerechnet oft keinen höheren Netto-Stundenlohn als 7,50 Euro erzielen, scheint diese Summe utopisch.

In der Petition heißt es: „1992 waren freiberufliche Hebammen zu einer Jahresprämie von umgerechnet 179 €, incl. Geburtshilfe, versichert. Durch Verzehnfachung der Prämie (2.370 €) bis 2009 sank der Anteil der Hebammen, die neben Schwangerenvorsorge u. der Betreuung im Wochenbett auch Geburtshilfe anbieten, auf 23 Prozent. Mit der Steigerung der Haftpflichtprämie für das Berufsrisiko Geburtshilfe auf 3689 € ab 1.7.2010 ist absehbar, dass sich die verbleibenden Hebammen aus dem Kernbereich ihres Berufes zurückziehen.“

Die Petition im Deutschen Bundestag läuft seit dem internationalen Hebammentag am 5. Mai. Mehr als die Hälfte der 50.000 benötigten Stimmen sind bis dato schon erreicht. Sie endet am 17. Juni 2010.

Permanente Rufbereitschaft

Eine freie Hebamme kann für eine Geburt im Krankenhaus nur 237 Euro abrechnen, im Geburtshaus sind es 445 Euro und bei der Hausgeburt 537 Euro. Geburtshilfe bedeutet für eine Hebamme aber auch permanente Rufbereitschaft mehrerer Wochen im Vorfeld der anstehenden Geburt. Im Moment werden ungefähr ein Viertel der 600.000 jährlichen Geburten in Deutschland von freiberuflichen Hebammen betreut. Doch mit den steigenden Versicherungsbeiträgen ist das bald nicht mehr möglich. „Die Geburtshilfe lohnt sich nicht mehr“, sagt die Präsidentin des deutschen Hebammenverbandes, Martina Klenk.

Grund für die stark steigenden Prämien sollen die erhöhten Schadenersatzleistungen der Versicherer in einzelnen Fällen sein. Gerichte gewähren deutlich höhere Schmerzensgelder als noch vor 15 Jahren. Bei schwereren Schäden, beispielsweise bei einer geistigen Behinderung nach einem Sauerstoffmangel bei der Geburt können es bis zu 500.000 Euro sein.

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