Hinrichtung in Hessen? Kasseler Regierungspräsident Lübcke durch Kopfschuss getötet

Epoch Times3. Juni 2019 Aktualisiert: 4. Juni 2019 21:44
Der Präsident des Regierungspräsidiums Kassel, Dr. Walter Lübcke, wurde in der Nacht auf Montag erschossen. Die Tat wirkt wie eine Hinrichtung. Die Kugel traf den 65-Jährigen "aus nächster Nähe" oberhalb des rechten Ohres in den Kopf.

„Es gibt noch keine Hinweise auf Täter oder Motiv“, musste die Präsidentin des Hessischen Landeskriminalamts (LKA), Sabine Thurau, am späten Montagnachmittag in Kassel bekannt geben. Selbstmord werde jedoch ausgeschlossen. Die Ermittlungen des Landeskriminalamtes und seiner mehr als 20-köpfigen Sonderkommission gehen in alle Richtungen.

Montag, 3. Juni 2019, 0.30 Uhr

Wolfhagen-Istha, Nordhessen, in der Nacht von Sonntag auf Montag, 3. Juni 2019: Gegen 0.30 Uhr wird der hessische Landtagsabgeordnete der CDU und Regierungspräsident des Regierungsbezirks Kassel, Dr. Walter Lübcke, auf der Terrasse seines Wohnhauses in seinem Blut liegend von einem Familienmitglied aufgefunden. Polizei und Rettungsdienst wurden alarmiert.

Das Opfer wurde ins Krankenhaus gebracht. Gegen 2.30 Uhr mussten die Ärzte den Kampf um das Leben des 65-Jährigen aufgeben.

Die Obduktion ergab einen Kopfschuss durch eine „Kurzwaffe“ und „aus nächster Nähe“, wie der Leiter der Staatsanwaltschaft Kassel, Oberstaatsanwalt Horst Streiff, bekannt gab.

Laut einem Bericht der „Krone“ traf die Kugel Dr. Lübcke oberhalb des rechten Ohres in den Kopf. Medienberichten zufolge traf der Regierungspräsident in seinem Vorgarten auf den Killer. Anschließend schleppte sich der lebensgefährlich Verletzte noch wenige Schritte bis zur Terasse, wo er zusammenbrach.

Morddrohungen nach Asyldebatte

Die drei Regierungspräsidien in Hessen sind Mittelbehörden der hessischen Landesverwaltung.

Als Regierungspräsident war Lübcke 2015 auch für die Einrichtung von Erstaufnahmelagern für Flüchtlinge zuständig. Auf Anfeindungen bei einer Bürgerversammlung sagte er einmal, es lohne sich, in Deutschland zu leben und für die hiesigen Werte einzutreten. „Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jederzeit verlassen (…). Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen.“

In der Folge hatte der CDU-Politiker mehrere anonyme Morddrohungen erhalten. Vier Jahre später wurde er nun ermordet. Ein Zusammenhang zu der Tat am Montag sei bislang aber nicht ersichtlich, sagte Thurau.

Nach Angaben der „Bild“ werde jedoch auch im familiären Umfeld ermittelt.

Landesregierung bestürzt

CDU, Landesregierung und Regierungspräsidium reagierten bestürzt auf den Tod Lübckes. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) würdigte Lübcke als „langjährigen Weggefährten“, der sich mit Weitblick und ganzer Kraft für die Menschen in Nordhessen eingesetzt habe.

Er habe „völlig zu Recht ein außerordentliches Ansehen über Parteigrenzen hinweg“, erklärten in Kassel und Wiesbaden auch die Grünen, die in Hessen gemeinsam mit der CDU regieren.

Lübcke war 1982 Pressesprecher der Kasseler Weltkunstausstellung documenta und promovierte in Kassel im Fach Wirtschaftswissenschaften zum „Sozialismus zwischen Utopie und Pragmatismus“ in der frühen Sowjetunion. In die CDU trat er 1986 ein und war von 1999  bis 2009 Landtagsabgeordneter in Wiesbaden, ehe er 2009 auf den Chefstuhl des Regierungspräsidiums Kassel wechselte. (afp/sm)


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