„Hochgejazzte Fake-Wirklichkeit?“: Fragwürdiges Interview bei Phoenix mit Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung

Von 26. April 2018 Aktualisiert: 26. April 2018 10:29
Das Interview des neuen Beauftragten Felix Klein auf Phoenix gehört in jedes Pro-Seminar der journalistischen Ausbildung. Warum ist dieses Interview mustergültig? Lernen ex negativo, beobachten, wie etwas nicht geht, zählt zu den verlässlichsten Erkenntnismethoden, meint Gastautor Josef Hueber.

Die Redakteurin Constanze Abratzky spricht mit dem Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und Antisemitismus, Felix Klein. Der Postengewinner präsentiert sein Amt als Maßnahme gegen Störfaktoren beim ungebremsten offiziellen Jubel angesichts ungebremster Einwanderung.

Die Dramaturgie des Antisemitismus besteht weiter. Eine neuerliche Massenvernichtung von Juden kann als Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden.“

(Imre Kertesz, Nobelpreis für Literatur 2002, in seinem Buch „Letzte Einkehr“)

Der Arbeitermigrant, tätig als Lastwagen-Mörder von Berlin, Breitscheidplatz,  hat die Kanzlerin nicht so schnell an den Ort des Verbrechens gelockt. Juden-Prügeln jedoch holte sie ganz schnell aus der Reserve.

Das ist Kalkül

Das ist Kalkül. Der Kampf gegen Antisemitismus von höchster Stelle aus ist nämlich, falls jemand das nicht weiß, Teil der bundesrepublikanischen Staatsräson. Weil Wähler, die immer noch das „C“ in der Union fälschlicherweise glimmen sehen, nicht zu der sogenannten rechtsextremen Stammtischpartei AfD abwandern sollen. Also installiert man nun ganz schnell einen Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung. Er heißt Felix Klein. Und der hat originelle Ideen.

Die Schulen müssen ran, und das von der Statistik irregeleitete Bedrohungsbewusstsein jüdischer Staatsbürger vor Ort  muss korrigiert und der Realität zugeführt werden. Aber auch die Leiden der Muslime während der Naziherrschaft bedürfen einer Aufarbeitung, damit die Parallele „Opfer“ auf beiden Seiten, bei Juden und bei Muslimen, in seiner politisch und moralisch korrekten Äquidistanz deutlich wird.

Man kann also nicht sagen, dass der Beauftragte nichts kann. Er kann nämlich schon (fast) genau das, was Merkel und die parlamentarischen Anästhesisten der wohl nie abgeschlossenen „Operation Einwanderung“ im Bundestag von ihm erwarten. Zumindest inhaltlich, auch wenn die Zunge beim Reden immer wieder über die gelernten Phrasen stolpert, die er noch fehlerfreier ausspucken sollte und bald auch wird.

Anti-Semitismus, made in Germany, jetzt im Aufwind

Denn dafür hat man Felix Klein an den ehrenhaften, satt-dotierten Schreibtisch zur Arbeit am Projekt Anti-Antisemitismus gesetzt. Sein Auftrag lautet: Anti-Semitismus, made in Germany, jetzt im Aufwind, zu untersuchen und – natürlich – politisch gemäß der Zuwanderungs-Ideologie unserer Ist-mir-doch-egal- ob-ich-schuld-daran-bin-Kanzlerin als Hat-nichts-mit-dem-Islam-zu-tun-Problematik zu verkaufen.

Das wird er tun. Er wird die Nebelkerzen Expertenanalyse, Runde Tische abschießen, das stets nicht funktionierende Zaubermittel Prävention injizieren und damit staatliche Handlungskompetenz und Entschlossenheit suggerieren.

Letzteres besonders an den Schulen! Was innerhalb und außerhalb der Pausenhöfe beim Lynchen von Kippaträgern in der Weltstadt Berlin, zunehmend ohne Herz, passiert, ist nämlich, so eine nicht nach Beweisen suchende, aber leicht zu schluckende, Arbeitshypothese: Es liegt an der  versäumten Unterweisung in den Klassenzimmern!

Also müssen, so unser regierungsamtlicher Vorzeige-Philosemit, zusätzliche Materialien in den Schulbüchern her. (Wie meinen? Nein, nicht die mit EU Mitteln finanzierten palästinensischen Schulbücher, wo man Israel als Land erst mal rausradiert hat und – vielleicht – wieder reinmalen kann, bei Bedarf. Vielleicht aber auch eingebracht, ggf. zum wiederholten Entfernen mittels Rubbel-Bildern, falls den Kindern dort der auf der Landkarte einem Messer gleichende Un-Staat Israel nicht gefällt.)

Der glänzende Dünnlack blättert ab

Jede universitäre Disziplin hat so etwas wie ein Musterbeispiel ihrer Selbstdarstellung, dem der Studierende entnehmen kann, was es mit dem von ihm sympathisierten Fach auf sich hat. Das Interview des neuen Beauftragten Felix Klein auf Phoenix  gehört in jedes Pro-Seminar (Gibt es die noch?) der journalistischen Ausbildung. Warum ist dieses Interview mustergültig? Lernen ex negativo, beobachten, wie etwas nicht geht,  zählt zu den verlässlichsten Erkenntnismethoden.

Das Interview beantwortet die zentrale Frage: Wodurch zeichnet sich ein absolut unprofessionelles Interview aus?

Der Sender setzt sich hohe Maßstäbe: „PHOENIX dient der politischen Meinungs- und Willensbildung der Bürgerinnen und Bürger. Es werden Hintergründe erhellt und Zusammenhänge dargestellt.“

Freundliches Dankeschön-Gespräch

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Doch dieser glänzende Dünnlack blättert ab, wenn man ihn auf Haltbarkeit abklopft. Das Interview mit Felix Klein, durchgewunken von  Constanze Abratzky, liefert die ideale Negativ-Folie für schlechten, nein, für miserablen Journalismus, weil er investigatives Vorgehen beiseite lässt und stattdessen ein freundliches Dankeschön-Gespräch führt.

Es bietet dem Befragten eine Gelegenheit, Regierungsdenken, d.h. Regierungspropaganda zu lancieren. Die Phoenixfrau kann (oder will? oder darf?) nämlich das Allereinfachste und Wichtigste ihres Handwerks nicht: Antworten nicht zu akzeptieren, wenn sie keine sind, oder nur zum Schein wie Antworten aussehen. Was fehlt: Nachhaken, wenn der Befragte mit Konfetti um sich schmeißt, um gute Laune zu verbreiten. 

Hören wir rein in das Schlaflabor journalistischer „Erhellung von Hintergründen und Zusammenhängen“, wie sich  Constanze Abratzky (im Sinne von phoenix) und Felix Klein unterhalten!

Q:  Warum ist ausgerechnet Berlin so ein gefährliches Pflaster für Juden?

A:  Hier leben viele Muslime. Hier leben natürlich auch die meisten Juden in Deutschland. Und die Heftigkeit, mit der das nun aufgetreten ist, ist schon bezeichnend. Wir dürfen nicht vergessen, vor kurzem gab es einen anderen anti-semitischen Vorfall hier in der Stadt, der war ganz anders motiviert, nämlich mit einem rechtsradikalen Hintergrund, und das ist schon extrem, ja, für diese Stadt.“

Q:  Kann man das denn sagen, wer die großen Antisemiten sind oder woher die meisten antisemitischen Vorfälle [! ]  herkommen, oder sind sie eher religiös motiviert, oder tatsächlich von rechts, rechts-extrem?

A :  Nach der polizeilichen Kriminalstatistik sind etwa 90 % der antisemitischen Vorfälle [!] rechtsradikal motiviert, also nicht religiös. Ich höre von den Betroffenen, von den Juden, die hier leben, dass die gefühlte Bedrohung eine ganz andere ist. Wie dieser Widerspruch aufzulösen ist, darum werde ich mich kümmern. Das ist eine meiner ersten Amtshandlungen, wenn ich am 1. Mai dann im Amt bin.

Q:  Wovon reden wir denn eigentlich? Von Anti-Semitismus oder von Anti-Israelismus, also von Kritik am Staat Israel und seiner Politik?

A: Die Abgrenzung ist nicht ganz klar. Es gibt da viele Täter, die wissen ganz genau, wo [?] sie operieren können […] Hier hilft die Definition, die die Bundesregierung[…] kurz vor der letzten Bundestagswahl verabschiedet hat. Letztlich sind die Dinge da zu vermengen, und leider ist es schon so, dass der Nahost-Konflikt Israel-Palästina auch durch diese Vorfälle natürlich auch nach Deutschland gebracht wird und eine Kritik an Israel auch sehr schnell antisemitisch werden kann. (Na endlich schleicht sich die Mitschuld der Juden ins Gespräch. Juden-Prügeln sozusagen selbst-initiierte  anti-semitische Gewalt).

Q: Wo wollen Sie denn jetzt mit ihrer Arbeit ansetzen? Wollen Sie z.B. mehr über den Nahostkonflikt und Israel aufklären, oder tatsächlich mehr in die Vergangenheit gehen in Richtung Holocaust ?

Die Vermittlung des Holocaust, so Felix Klein,  werde ein wichtiger Bestandteil sein. Die gegenwärtigen Vorfälle zeigen, „dass dies allein nicht mehr genügt. Wir müssen die Schulen insbesondere  in die Lage versetzen, adäquat und schnell zu reagieren. [Welche Art von schneller Reaktion der Schulen stellen Sie sich vor, Herr Klein? Ganze Klassen als Bodyguards von Juden auf den Straßen?] Natürlich auch, was den muslimisch motivierten Antisemitismus angeht, aber auch andere Formen.“ Er werde sich auch mit Kollegen der Kultusministerien zusammensetzen, um neue „Unterrichtsmaterialien“ zu entwerfen.

Es wird jetzt endlich Zeit für das journalistische Muss in der gegenwärtigen Terror-Diskussion. Es ist das Axiom, dass Muslime mit Juden ebenbürdige, d.h. auf gleiche Weise betroffene, Opfer sind. Man müsse folgender Frage nachgehen, so FK: „Wie haben die Muslime damals die Nazizeit erlebt, in der Türkei oder im Nahen Osten?“ Denn: „Man müsse „Muslime dort abholen, wo sie sich befinden und vielleicht auch diese Dinge persönlich machen. […] Gibt es da Berührungspunkte?“

[Zwischenfrage: Befinden sich die Muslime von heute in der NS-Zeit, wo wir sie „abholen“ müssen? Vermutlich meint unser Beauftragter nicht die Beteiligung von Judenhasser al-Husseini und seiner nahöstlichen SS-Einheiten, die sich an der Vernichtung der Juden heißgearbeitet haben.]

Nun aber zur Frage der kritischen Journalistin nach deutscher „Erinnerungspolitik“: Holocaust und und und. Hier Felix Kleins Lösung: Die „Menschen einbeziehen, die nun neu zu uns dazugekommen sind, und da auch Formen [?] finden.“

Als Beispiel des „Persönlich-Machens“  nennt uns Klein die öffentliche Auszeichnung eines ägyptischen Arztes in der Nazizeit. Er  hat eine Jüdin versteckt und gerettet. (Der Zuschauer fragt sich: War er Muslim?)

Ein letztes Mal Felix Klein:  Es seien „Fälle und Geschichten wie diese, die wir in Unterrichtsmaterialien  fassen müssen, in der Erinnerungspolitik stärker in den Vordergrund stellen müssen.“

Langsam kommen dem Zuschauer Zweifel, ob der neuerliche  Giftpilz Anti-Semitismus nicht eine einseitige, hochgejazzte Fake-Wirklichkeit zugunsten von Juden ist?

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