Björn Höcke.Foto: Carsten Koall/Getty Images

Höcke sagt alle Interviews bis zum Wahltermin ab – „Thüringer Allgemeine“ lässt Seite teilweise leer

Von 7. Oktober 2019 Aktualisiert: 7. Oktober 2019 19:18
Kluge Vorsichtsmaßnahme oder Primadonnen-Gehabe? Thüringens AfD-Spitzenkandidat Björn Höcke hat sich dazu entschlossen, bis zum Wahltag keine Interviews mehr zu geben. Dies sei auch eine Konsequenz aus der manipulativen Gesprächsführung in einem ZDF-Interview vom September, das Höcke dazu veranlasst hatte, dieses abzubrechen.

Mit der Veröffentlichung einer teilweise leeren Seite hat die „Thüringer Allgemeine“ auf die Absage eines Interviewtermins durch den thüringischen AfD-Fraktionschef und Spitzenkandidaten für die bevorstehende Landtagswahl, Björn Höcke, reagiert.

Die Zeitung begründet ihren ungewöhnlichen Schritt damit, dass Höckes Büro den „bereits fest geplanten Termin für das Gespräch und die Aufzeichnung eines Podcasts […] ohne Begründung per E-Mail abgesagt“ habe. Auf der freigelassenen Fläche hätte der zusammengefasste Text des Gesprächs erscheinen sollen.

Da wir allen Parteien und Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien plus der FDP den gleichen Platz für Interviews und die gleiche Aufmerksamkeit einräumen, bleibt der für Björn Höcke eingeplante Raum leer“, erklärte Chefredakteur Jan Hollitzer.

Höcke hat sich, wie ein Sprecher der Zeitung mitteilte, dazu entschlossen, bis zur Landtagswahl am 27. Oktober keine Interviews mehr zu geben. Aus diesem Grund musste auch ein für Sonntag (6.10.) angesetztes Gespräch Höckes mit dem Sender „MDR Aktuell“ stattdessen mit AfD-Landessprecher Stefan Möller durchgeführt werden.

Konsequenz aus „unsäglichem Interview“

Einer der Gründe für diesen Schritt ist, wie auch Möller gegenüber dem MDR erklärte, die Art und Weise, wie das ZDF Mitte September ein Interview mit dem Aushängeschild des nationalkonservativen Parteiflügels geführt hatte. Höcke hatte das „unsägliche Interview“ abgebrochen, nachdem der Interviewer durch eine tendenziöse Gesprächsführung versucht hatte, diesen in die Nähe des Nationalsozialismus zu rücken.

„Keiner ist gezwungen, Interviews zu geben“, äußerte ein Sprecher des Landesverbandes gegenüber dem „Focus“. Man habe eine vorübergehende Konsequenz aus „schlechten Erfahrungen“ gezogen.

Höcke selbst ging in einem Facebook-Post nicht explizit auf die Angelegenheit ein. Er legte stattdessen einige grundsätzliche Gedanken zur Redaktionslinie der „Thüringer Allgemeinen“ (TA) dar, deren Verlagsgruppe einen überragenden Marktanteil im Bereich der regionalen Presseerzeugnisse aufweist.

Er kritisierte, dass Bericht und Kommentar in der TA „inhaltlich schon verschmolzen“ seien, emotionalisierende Adjektive in Berichte über die AfD Eingang hielten und man nun unter Verweis auf Umfragen der nicht im Landtag vertretenen FDP den gleichen Raum wie der AfD einräume, während Gleiches der AfD 2014 mit dem Vermerk verweigert worden war, diese sei ja noch nicht im Landtag – obwohl alle Umfragen von einem solchen ausgegangen seien.

Gespräch mit Möller „Beispiel für das ZDF“

Außerdem verweigere die Mediengruppe Thüringen der AfD die Gleichbehandlung im Bereich der Verteilung von Beilagen und der Schaltung von Anzeigen.

„In meinen Augen versucht hier eine Verlagsgesellschaft, der fast alle wichtigen Zeitungstitel in Thüringen gehören, den Auftrag einer Partei, die durch Gesetz zur politischen Willensbildung verpflichtet ist, auszubremsen“, schreibt Höcke. „Man kann sogar von einem direkten Eingriff eines faktischen Monopolisten ins Parteiengefüge sprechen.“

Rechtlich möge das alles einwandfrei sein, aber in Anbetracht der gelebten Wirklichkeit „sollte man dann den betriebseigenen Kodex nicht wie eine Monstranz vor sich her tragen“. Gesprächsbereit bleibe er trotzdem und er bedankte sich „an dieser Stelle allen Mitarbeitern der Mediengruppe Thüringen, die den betriebseigenen Kodex wirklich leben. Die gibt es nämlich auch.“

Dass Möller beim MDR für ihn eingesprungen sei, wertete Höcke in einem anderen Beitrag als Erfolg. Das Gespräch sei, erklärte er auf Facebook als „Beispiel für das ZDF, wie man ein durchaus kritisches Interview führen kann, ohne dabei tendenziös und unsachlich zu werden. Das Ergebnis ist ein Interview mit echtem Informationsgehalt.“

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