Hollywood appelliert an sächsisches Görlitz: Wählt nicht die AfD

Epoch Times8. Juni 2019 Aktualisiert: 8. Juni 2019 15:30
Görlitz in Sachsen ist auch für Hollywood ein gefragter Drehort. Nun appellieren die Filmemacher und Schauspielstars in einem offenen Brief an die dortige Bevölkerung, keinen AfD-Oberbürgermeister zu wählen.

Am 16. Juni sind wieder Wahlen in der Hollywood-Stadt Görlitz. Viele Filme internationaler und nationaler Größe wurden in der sächsischen Stadt bereits gedreht. Jetzt wurde offenbar Wahl-Unterstützung angefordert, damit der Oberbürgermeisterposten „weise“ vergeben wird. Dafür macht ein Regisseur seinen internationalen Einfluss geltend.

Michael Simon De Normier, Regisseur von „Der Vorleser“, ergriff die Initiative und organisierte die VIP-Unterstützung, die den Görlitzern bei der Oberbürgermeisterwahl am kommenden Wochenende unter die Arme greifen soll.

Es wäre kein gutes Signal aus Görlitz in die Welt hinaus, wenn die Stadt künftig einen AfD-OB hätte“, begründete De Normier seine Initiative laut „Leipziger Volkszeitung“.

Schließlich wurden schon mehr als 100 Filme in „Görliwood“, wie die Einheimischen ihre Stadt nennen, gedreht. Hollywood-Größen wie Kate Winslet, George Clooney, Ralph Fiennes, Tilda Swinton, Bill Murray und Emma Thompson schlenderten schon durch die Altstadt.

Daher appellieren internationale Schauspieler, Oscar-Preisträger und Filmemacher an die Görlitzer, unter ihnen Stephen Daldry (Regisseur „Der Vorleser“), Tom Wlaschiha (Schauspieler „Game of Thrones“), Burghart Klaußner (Schauspieler und Vorstandsmitglied der Deutschen Filmakademie) und Désirée Nosbusch (Moderatorin und Schauspielerin). Ihre Botschaft:

Bitte wählt weise, wenn die Wahl an Euch ist. Gebt Euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zwietracht und Ausgrenzung hin.“

Gegenüber der „Bild“ gab De Normier zu:

Ich weiß, das kann nach hinten losgehen, als Bevormundung empfunden werden. Aber wir wollen mobilisieren“.

Man müsse bedenken, dass Görlitz in Hollywood ein Begriff sei. „Die aktuellen Entwicklungen werden sehr ernstgenommen“, so De Normier. Er sehe „für die Zukunft große Bedrohungen“. Vielleicht sei vielen Görlitzern nicht bewusst, welche Auswirkung die Wahl haben könnte. Er sagte:

Wenn der Eindruck entsteht, dass eine Mehrheit in der Stadt fremdenfeindlich ist, wird das weltweit wahrgenommen und wird wohl auch Konsequenzen haben.“

Auch wenn der offene Brief der Prominenz erst am Pfingstmontag offiziell veröffentlicht werden soll, verbreitete sich die Botschaft des Briefes bereits viral im Netz.

AfD: Görlitzer brauchen keine Tipps von außen

Und was sagen AfD-Kandidat Sebastian Wippel zu dem Hollywood-Spektakel? Auf seiner Website heißt er „Hollywood jederzeit willkommen“. Er sehe den Aufruf der Prominenz als Ausdruck einer „lebendigen Demokratie“. Er schreibt:

Ich kann damit gelassen umgehen, weil unsere Görlitzer die hiesigen Zustände am besten einschätzen können und keine Tipps von außen benötigen.“

Auch ein AfD-Oberbürgermeister würde Touristen aus aller Welt willkommen heißen. Seine Wahl würde nichts daran ändern, dass Görlitz ein idealer Drehort für Filmproduktionen aus dem In- und Ausland sei.

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN

Er mahnt jedoch: „Wenn jemand Görlitz in Verruf bringt, dann sind es jene, die Hollywood dazu ermutigt haben, sich despektierlich zu Wort zu melden. Es gibt keinen Grund, mehr als einem Drittel unserer Bürger Hass und Feindseligkeit zu unterstellen. Es muss erlaubt sein, Politik zu kritisieren, ohne gleich diffamiert zu werden. Für eine Demokratie ist ein respektvolles Miteinander elementar.“


Grünen-Wähler müssen sich entscheiden

Bei den Oberbürgermeisterwahlen am 26. Mai hatte sich Wippel deutlich mit 58,6 Prozent vor dem zweiplatzierten CDU-Kandidaten Octavian Ursu durchgesetzt. Dieser hatte lediglich 36,4 Prozent erreicht. Interessant an der Wahl am 16. Juni ist, dass die drittplatzierte Grünen-Kandidatin Franziska Schubert, die 27,9 Prozent der Wählerstimmen erhielt, nicht ins Rennen geht. Damit müssen sich nun die Grünen-Anhänger für AfD oder CDU entscheiden, oder sie bleiben der Wahl fern.

Wie man diese Wahl treffen könnte, schreibt ein Twitter-Nutzer:

„Gegen Rechts“ ist das Motto

Dass man schon längst nicht mehr für etwas wählt, sondern Hauptsache „gegen Rechts“ ist, beweist auch eine der Abstimmungen, die in der letzten Bundestagssitzung am Donnerstag „gegen Rechts“ vollzogen wurde. Dabei hatte die AfD ihren Antrag gestellt, dass die terroristische Hisbollah-Miliz in Deutschland offiziell verboten werden sollte. Damit wollte sie organisierter Kriminalität, Geldwäsche und dem internationalen Drogenhandel zumindest von dieser Seite einen Riegel vorschieben. Doch weil sich alle Parteien gegen die AfD und nicht für diesen so entscheidenden Antrag aussprachen, fühlt sich derzeit nicht nur der Zentralrat der Juden verunsichert.

Auch AfD-Kritiker erkennen inzwischen, dass etwas „nicht stimmen würde“. Hierzu schrieb ein Twitter-Nutzer:

Von daher sind die Görlitzer sicherlich sehr gut beraten, wenn sie dem Rat der Promis folgen:

Bitte wählt weise, wenn die Wahl an Euch ist. Gebt Euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zwietracht und Ausgrenzung hin.“

Ob CDU oder AFD den besseren Kandidaten stellt, wird sich spätestens nach der Wahl zeigen. (sua)

Schlagworte, , ,