Illner: Aust gruselt sich vor „Kinderkreuzzug“, YouTuber attestiert Ziemiak „Scheißlösung“

Von 29. März 2019 Aktualisiert: 29. März 2019 16:11
Beim ZDF-Talk von Maybrit Illner ging es am Donnerstag darum, wie die Reaktion der Politik auf jüngste Jugendproteste zu bewerten sei. Neben dem "Klimastreik" kam auch die europäische Urheberrechtsreform zur Sprache. Substanzielle Lösungsvorschläge blieben aus.

Einen Tag vor einer neuen Runde der sogenannten Klimastreiks der „Fridays for Future“-Bewegung hat sich der ZDF-Donnerstagstalk bei Maybrit Illner mit dem Thema „Jugend demonstriert – Politik ignoriert?“ befasst.

Im Vordergrund standen die „Klimaproteste“, am Rande gestreift wurde auch die Debatte um die umstrittene Urheberrechtsreform, die vor allem unter Jugendlichen in hohem Maße unbeliebt ist. Die Generation der „Digital Natives“, die schon von Kindesbeinen an mit der Internetnutzung vertraut war, befürchtet eine drastische Einschränkung der Redefreiheit, insbesondere durch sogenannte Uploadfilter.

Explizite Skeptiker des etablierten Klima-Narrativs hatte man gar nicht erst eingeladen. Lediglich CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak und „Welt“-Herausgeber Stefan Aust vertraten eine kritische Position gegenüber der länderübergreifenden Bewegung, deren Leitfigur die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg ist.

„Menschenplätze“ für den „Krebs dieser Erde“

Während Ziemiak unter Beschuss vonseiten linker Parteien und Medien geraten war, weil er Thunberg auf Twitter „pure Ideologie“ bescheinigt hatte, bekannte Aust, die mit starker politischer und medialer Rückendeckung ausgestatteten Jugend-Demonstrationen seien ihm „unheimlich“. Er erklärte auch am Donnerstag (28. März) in der Sendung, dass ihn das Ganze an einen „neuen Kinderkreuzzug“ erinnere.

Mir ist so was ein bisschen unheimlich. Das nimmt die politische Realität aus der Geschichte raus. Das kriegt Züge von einer Erweckungsbewegung. Da bin ich immer sehr skeptisch, auch wenn es für die beste Sache der Welt ist.“

Der Fernsehmoderator und Populärmediziner Eckart von Hirschhausen hielt eine solche hingegen für dringend erforderlich, weil „wir gerade dabei“ wären, „uns als Menschheit abzuschaffen“. Deshalb wolle er auch „über Menschenplätze statt über Arbeitsplätze“ reden – gleichwohl er unter Reproduktion von Aussagen des „Club of Rome“ den Menschen für den „Krebs dieser Erde“ hält.

Da die Erde „Fieber“ habe und „auf die Intensivstation“ gehöre, so Hirschhausen, sei die „Idee von Wachstum, Wachstum, Wachstum […] einfach krank“.

Ziemiak lädt zur Diskussion mit Betroffenen des Kohleausstiegs

Die 20-jährige Studentin Carla Reemtsma, die in der Runde die Organisatoren der „Fridays for Future“-Bewegung vertrat, meinte, der Klimawandel sei „kein Thema, über das wir ideologisch diskutieren können“. Es müsse ein „Umdenken“ stattfinden. Lösungen erwarte sie von weiter oben – von wo diese jedoch nicht kämen: „Die Politiker haben keine Lösung, obwohl sie es versprochen haben.“

Ziemiak wirft Reemtsma und anderen Protagonisten eines sofortigen Ausstiegs aus nicht erneuerbaren Energieträgern aus, sich in keiner Weise um die Menschen zu kümmern, die den Preis für eine ideologische Klimapolitik bezahlen würden. Deshalb lud er Vertreter der Bewegung ein, ins Adenauer-Haus zu kommen und dort mit Jugendvertretern aus Unternehmen zu diskutieren, die wegen des Kohleausstiegs geschlossen würden.

Überraschend pragmatisch zeigte sich der ebenfalls eingeladene YouTuber „Dner“ alias Felix von der Laden, der sehr schnell erkennen lässt, dass seine Bereitschaft, sich von Klimaerwägungen seinen Lebenswandel diktieren zu lassen, enden wollend ist.

Keine toten Senioren fürs Klima

Er habe sich „noch nie als Klimaschützer hervorgetan“ und sei „nicht der Fan von direkten Verboten“, erklärte er, nachdem man ihn auf seine intensive Flugreisetätigkeit in mehrere Teile der Welt angesprochen hatte.

Ich bin Rennfahrer. Ich reise auch viel. Jeder muss für sich schauen, wo er einsparen kann.“

So ganz kann er sich mit biozentrischen Auffassungen rund um den „Klimaschutz“ offenbar nicht anfreunden. So dürfe es, suggeriert von der Laden, nicht so weit kommen, dass „Senioren sterben, weil Altersheime im Sommer nicht mehr klimatisiert werden“.

Sein Leib-und-Magen-Thema bleibt die Urheberrechtsreform, die er für „kompletten Mist“ hält. Die Politik habe „komplett fehlenden Sachverstand“ offenbart. Was die Politik als Lösung bezüglich technischer Hilfen zum Schutz der Immaterialgüterrechte von Musikern, Autoren und Künstlern erarbeitet habe, sei „leider eine Scheißlösung“.

Bezüglich der Klimadebatte bleiben bereits Lösungsansätze aufseiten der Diskutanten aus. Für Carla Reemtsma ist es bereits eine Zumutung, 14- bis 20-Jährige überhaupt nach einer solchen zu fragen. Immerhin hätten die Politiker schon so lange eine versprochen.

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