Im Vorort vor Ort gegen Atomenergie

Von 25. April 2010 Aktualisiert: 25. April 2010 2:27

„Kann ich da noch zwischen?“ Die blonde Frau reiht sich etwas später in die Menschenkette in Schenefeld ein. Sie schmunzelt, als sie die Hand des fremden Herren neben ihr nimmt: „Wenn man schon seit zwanzig Minuten so steht, ist eine kalte Frauenhand sicher angenehm.“ „Ja, sehr erfrischend“, lacht der Mann.

Ein Stück weiter wird eine Brotdose mit Kuchen in der Reihe weitergereicht. Gesprächsfetzen dringen ans Ohr: „Was die jetzt mit dem Atommüll vorhaben, ist doch einfach nur peinlich.“ Andere stimmen ein Anti-Atomkraft-Lied an. Es geht ums Abschalten der alten Meiler.

Szenen in einer der größten Anti-Atomkraft-Demonstrationen: eine über 120 Kilometer lange Menschenkette zwischen den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel.

Anti-Atom-Bewegung in Hamburgs Speckgürtel

In Krümmel, Brunsbüttel und Brokdorf hat man schon manche Anti-Atomkraft-Demonstration gesehen. Und in Hamburg ist man kurzfristige Straßensperren wegen Demonstrationen eh gewohnt. Gestern, am 24. April 2010, führte die Demonstrationen auch über Hamburger Vororte wie Elmshorn, Uetersen und Schenefeld. Ortschaften, in denen insbesondere Autofahrer nicht mit Ansammlungen von Menschen mit Transparenten und Tröten rechnen.

Da man so eine lange Kette nicht leicht umfahren kann, fand in Schenefeld auch prompt ein Fussball-Punktespiel nicht statt, da es nur vier Spieler geschafft hatten, zum Spielfeld zu gelangen. Dabei wurden die Hauptverkehrsstraßen nur minutenweise vollständig gesperrt. Etwa als sich die Demonstranten pünktlich zum Beginn um 14:30 Uhr an die Hände nahmen. Fünf Minuten später wurde die Botschaft per Megaphon überbracht: Die Menschenkette auf der ganzen Strecke ist geschlossen! Zumindest auf diesem Streckenabschnitt.

Laufzeitverlängerung und Pannenmeiler

Insgesamt rund 120.000 Menschen sollen sich auf der laut Online-Routenplaner sogar mehr als 127 Kilometer langen Strecke aufgebaut haben. Die einen standen hier, um gegen die geplante Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke zu protestieren. Andere wollten am liebsten ab sofort überhaupt keine Atomkraft mehr. Man ist über die ungeklärte Frage, „Wohin mit dem Atommüll“ besorgt, und auch, dass sich „um die Ecke“ eine Reaktorkatastrophe wie vor 24 Jahren in Tschernobyl ereignen könnte. „Die Pannenmeiler Krümmel und Brunsbüttel müssen endgültig stillgelegt werden“, lautet eine der Forderungen des großen Bündnisses aus Parteien, Umweltverbänden und vielen anderen Organisationen, die diese Demonstration veranstaltet haben.

Abpfiff für Atomenergie

Ab 14:30 Uhr sollte es auch einen großen symbolischen Abpfiff für Atomenergie geben: Der Klang von Trillerpfeifen und anderem Lärm, der wie eine Welle von Brunsbüttel nach Krümmel wandern sollte. Auf diesem Streckenabschnitt hat das jedoch nicht geklappt. Kein Anpfiff, kein Abpfiff in Schenefeld. – Demonstrationen ist man hier halt nicht gewohnt.

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