In Deutschland hatten zuletzt rund 764.000 Erwerbstätige neben ihrer Selbstständigkeit noch eine abhängige Beschäftigung.Foto: picture alliance / Andrea Warnecke/dpa-tmn/dpa

Immer öfter selbstständig und angestellt: Selbstständige verdienen häufig weniger als Mindestlohn

Epoch Times27. Januar 2020 Aktualisiert: 27. Januar 2020 11:13
Firmen lagern Bereiche aus, Kunden vertrauen auf Plattformdienste für Lieferungen oder Reinigung: Auch deshalb ist die Zahl der Selbstständigen in Deutschland stark gestiegen. Vielen reicht ein Job allein nicht aus.

Hunderttausende Menschen in Deutschland gehen einem normalen Job nach und sind gleichzeitig noch selbstständig: So hatten zuletzt rund 764.000 Erwerbstätige neben ihrer Selbstständigkeit noch eine abhängige Beschäftigung.

Seit 1994 hat sich die Zahl fast verdreifacht. Damals waren es noch 262.000. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf eine Linken-Anfrage, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt. Die jüngste Zahl stammt aus dem Jahr 2018.

Bis 2017 war die Zahl der Erwerbstätigen, die selbstständig und zugleich abhängig beschäftigt waren, mit Schwankungen auf 794.000 gestiegen.

Am häufigsten sind Jüngere „hybrid selbstständig“: Rund 30 Prozent der Selbstständigen im Alter von 15 bis 34 gingen auch einer abhängigen Beschäftigung nach. Insgesamt waren es 16,4 Prozent, 1994 erst 7,4 Prozent der Selbstständigen.

Zahl der Solo-Selbstständigen rückläufig

2,23 Millionen Menschen waren 2018 solo-selbstständig, arbeiteten also ohne Mitarbeiter. Die Zahl der Solo-Selbstständigen stieg von 1,45 Millionen 1994 auf 2,45 Millionen 2012. Dann ging die Zahl mit Schwankungen wieder zurück.

Dass die Zahl der Solo-Selbstständigen bis 2012 stark gestiegen ist, geht laut der Antwort des Bundesarbeitsministeriums unter anderem auf „die verstärkte Tendenz zu Auslagerungen bestimmter Funktionen an Freiberuflerinnen und Freiberufler“ zurück. Der seitherige Rückgang sei auf die günstige Konjunktur zurückzuführen.

Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung ist ein Grund für die zahlreicheren Solo-Selbstständigen die Förderung von „Ich-AGs“ durch die Bundesagentur für Arbeit ab dem Jahr 2003. Viele Solo-Selbstständige kämen über Einkünfte im Niedriglohnsektor nicht hinaus.

Die Zahl der Selbständigen insgesamt stieg von 3,5 Millionen im Jahr 1994 auf rund 4,7 Millionen im Jahr 2018. 2012 gab es mit 4,9 Millionen einen Höchststand an Selbständigen. Seit 2012 sind die Zahlen wieder rückläufig.

Linke für mehr sozialen Schutz für Selbstständige

Die Expertin der Linken-Fraktion für den Wandel in der Arbeitswelt, Jessica Tatti, die die Anfrage gestellt hatte, forderte mehr sozialen Schutz für Selbstständige. „Die unsägliche Masche von Unternehmen, Arbeit aus Kostengründen aus dem Betrieb auszulagern, ist seit Jahren zu beobachten“, kritisierte sie.

„Oft leisten dann Solo-Selbstständige die gleiche Arbeit wie zuvor abhängig Beschäftigte, mit dem gravierenden Unterschied, dass sie keine vom Arbeitgeber mitfinanziere Renten- und Krankenversicherung haben, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keine gesetzlichen Urlaubsansprüche, keine Mitbestimmung und keinen Mindestlohn.“

Vor allem bei Onlineplattformen sei Selbstständigkeit oft unfreiwillig und prekär, sagte Tatti. Gemeint sind Internetdienste etwa für Lieferungen, Transport oder Reinigung. „Für die Menschen sind das meist Phasen ohne Absicherung fürs Alter.“

Ein großer Teil der Solo-Selbstständigen verdiene weniger als den Mindestlohn, die wenigsten seien überhaupt über eine Altersvorsorge abgesichert. Deshalb müssten auch Selbständige in der Rentenversicherung abgesichert sein. Entsprechende Pläne hatte auch Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) angekündigt. (dpa)



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Unsere Buchempfehlung

Alle Völker der Welt kennen den Teufel aus ihren Geschichten und Legenden, Traditionen und Religionen. Auch in der modernen Zeit führt er – verborgen oder offen – auf jedem erdenklichen Gebiet seinen Kampf gegen die Menschheit: Religion, Familie, Politik, Wirtschaft, Finanzen, Militär, Bildung, Kunst, Kultur, Medien, Unterhaltung, soziale Angelegenheiten und internationale Beziehungen.

Er verdirbt die Jugend und formt sich eine neue, noch leichter beeinflussbare Generation. Er fördert Massenbewegungen, Aufstände und Revolutionen, destabilisiert Länder und führt sie in Krisen. Er heftet sich - einer zehrenden Krankheit gleich - an die staatlichen Organe und die Gesellschaft und verschwendet ihre Ressourcen für seine Zwecke.

In ihrer Verzweiflung greifen die Menschen dann zum erstbesten „Retter“, der im Mantel bestimmter Ideologien erscheint, wie Kommunismus und Sozialismus, Liberalismus und Feminismus, bis hin zur Globalisierungsbewegung. Grenzenloses Glück und Freiheit für alle werden versprochen. Der Köder ist allzu verlockend. Doch der Weg führt in die Dunkelheit und die Falle ist bereits aufgestellt. Hier mehr zum Buch.

Jetzt bestellen - Das dreibändige Buch ist sofort erhältlich zum Sonderpreis von 50,50 Euro im Epoch Times Online Shop

Das dreibändige Buch „Wie der Teufel die Welt beherrscht“ untersucht auf insgesamt 1008 Seiten historische Trends und die Entwicklung von Jahrhunderten aus einer neuen Perspektive. Es analysiert, wie der Teufel unsere Welt in verschiedenen Masken und mit raffinierten Mitteln besetzt und manipuliert hat.

Gebundenes Buch: Alle 3 Bände für 50,50 Euro (kostenloser Versand innerhalb Deutschlands); Hörbuch und E-Book: 43,- Euro.

Weitere Bestellmöglichkeiten: Bei Amazon oder direkt beim Verlag der Epoch Times – Tel.: +49 (0)30 26395312, E-Mail: [email protected]

Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion