Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission, glaubt nicht an eine generelle Impf-Empfehlung für Kinder.Foto: Kay Nietfeld/dpa/Archivbild/dpa

„Impfempfehlung kann nicht dazu dienen, falsche Maßnahmen zu kompensieren“

Epoch Times4. Dezember 2021 Aktualisiert: 4. Dezember 2021 10:30

Vor der erwarteten Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zur Impfung der Fünf- bis 11-Jährigen hat der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens vor falschen Erwartungen gewarnt. „Eine Impfempfehlung kann nicht dazu dienen, falsche Maßnahmen zu kompensieren“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Samstagausgabe). „Wenn wir damit anfangen würden, dass ein medizinischer Eingriff – nichts anderes ist eine Impfung ja – dafür herhalten muss, politische Fehlentscheidungen auszugleichen, würde es völlig absurd werden. Das kann`s nicht sein“, sagte Mertens.

Er machte erneut deutlich, dass die Impfempfehlung für Kinder ab fünf Jahren rechtzeitig vor der Auslieferung des Kinderimpfstoffs zu erwarten sei, also noch vor dem 13. Dezember. Perspektivisch rechnet der Stiko-Chef auch mit einem Impfstoff für Kinder unter fünf Jahren.

„Das kann ich mir schon vorstellen. Gerade wenn man sich die Geschwindigkeit bei der Entwicklung der Covid-Impfstoffe anschaut. Aber auch bei etwaigen Impfstoffen für unter Fünfjährige muss gelten, dass man sich die Wirksamkeit und Sicherheit auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen gründlich anschauen muss“, so der Virologe.

Die Notwendigkeit einer sorgfältigen wissenschaftlichen Prüfung aller relevanten Daten hob er besonders hervor. „Der berechtigte Sicherheitsaspekt muss vollständig berücksichtigt werden“, sagte Mertens. Vielen könne es mit den Kinderimpfungen nicht schnell genug gehen – „auch damit der Schulbetrieb aufrechterhalten werden kann, der übrigens nach meiner Überzeugung nicht von der Impfung abhängig gemacht werden darf. Es ist aber weiterhin die Aufgabe der Stiko, eine Empfehlung zu erarbeiten, die auf der besten verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz beruht“, so der Virologe.

Auch bei einer Impfentscheidung für seine eigenen Enkel würde Mertens der wissenschaftlichen Empfehlung folgen. „Ich würde mich auf die Wissenschaft verlassen. Wenn nach Auswertung aller wissenschaftlichen Daten die Stiko zu dem Ergebnis käme, die Impfung von vorerkrankten Kindern zu empfehlen, dann würde ich persönlich auch nach dieser Empfehlung handeln“, sagte der Stiko-Chef weiter.

Mertens rechnet mit Omikron-Impfstoff erst in Monaten

Mertens rechnet indes erst in einigen Monaten mit möglichen neuen Impfstoffen gegen die Omikron-Variante des Coronavirus. „Drei bis sechs Monate dürften die Hersteller im Labor brauchen. Das ist nicht ganz trivial: Sie müssen einen Impfstoff kreieren, der gegen Omikron und Delta wirkt, denn noch ist Delta weit verbreitet“, sagte Mertens der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Samstagsausgabe). Dann stehe noch die Zulassung an.

„Die Frage ist, ob die Behörden komplett neue Zulassungsstudien verlangen oder ein schnelles Zulassungsverfahren wählen“, sagte er. Dass ein neuer Impfstoff im Kampf gegen die Variante nötig sei, halte er durchaus für möglich: „Omikron hat viele Änderungen am Spike-Protein, das könnte es den Antikörpern schwerer machen, gegen das Virus vorzugehen.“

Trotz eines möglichen neuen Impfstoffes sollten Bürger jetzt eine Auffrischungsimpfung erhalten, betonte Mertens: „Boostern lohnt auf jeden Fall. Der Kampf gegen die Delta-Variante geht weiter. Und es wäre kein Problem, sich wenige Monate nach der Booster-Impfung erneut impfen zu lassen, um sich gegebenenfalls vor Omikron zu schützen.“

Der Stiko-Chef warnte auch davor, Südafrika zu stigmatisieren, wo die Omikron-Variante zuerst entdeckt worden war: „Südafrika sequenziert sehr professionell, deshalb wurde Omikron dort entdeckt. Wo die Variante herkommt, weiß keiner. Womöglich ist sie durch Mutation in immungeschwächten Menschen entstanden, bei denen sich Viren mangels Gegenwehr besonders heftig und lange vermehren.“

Die neue Variante schürt weltweit Sorgen, allerdings ist es laut Experten noch zu früh, um sagen zu können, welche Auswirkungen sie auf die Pandemie haben wird. Wegen der vielen Mutationen wird befürchtet, dass die Omikron-Variante leichter übertragbar und resistenter gegen Impfungen sein könnte. Dies muss sich aber erst noch bestätigen. (afp/dts)



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