Ein Muslim beim Beten.Foto: iStock

„In 30 Jahren ein anderes Land“: Seyran Ates warnt vor Dominanz des radikalen Islam in Deutschland

Von 14. Juni 2019 Aktualisiert: 15. Juni 2019 13:11
Nicht nur Greta Thunberg, auch Seyran Ates will, dass Deutschland Panik hat: Allerdings ist es aus ihrer Sicht nicht die "menschengemachte Erderhitzung", die eines nicht allzu fernen Tages das Ende unserer Zivilisation bedeuten wird, sondern die deutsche Islam-Politik.

Endzeitdenken scheint in Deutschland mittlerweile wieder en vogue zu sein. Während „Fridays for Future“ und namhafte Klimaforscher nicht müde werden, das Ende der Menschheit bis spätestens 2050 zu prognostizieren, sollte es nicht zu einem radikalen Wandel unserer Art zu leben kommen, befürchtet die Berliner Rechtsanwältin Seyran Ates für den gleichen Zeitpunkt eine Apokalypse aus einem völlig anderen Grund.

Auf Facebook schreibt die Frauenrechtlerin und – wie sie sich selbst nennt – Islamreformerin, man werde, wenn in der deutschen Islam-Politik nicht bald eine Kehrtwende stattfinde, „an einem Morgen in 30 Jahren in einem anderen Land aufwachen“.

In diesem Land, so Ates, werde „der politisch motivierte Islam seine Vormachtstellung nicht mehr nur gegenüber der restlichen Gemeinschaft der Muslime behauptet“, sondern diese „längst auf breite Schichten der Mehrheitsbevölkerung“ ausgeweitet haben und mit seinem Stimmgewicht Wahlen zu seinen Gunsten entscheiden.

Ates sagt voraus, dass Deutschland „aus Angst davor, für sich und seine Werte einzustehen“, eine ganze Generation großwerden lassen werde, die „nicht dazu bereit ist, den Geist des Grundgesetzes zu leben und weit mehr Daseinszweck aus radikalen Predigten auslandsfinanzierter und reaktionärer Gebetshäuser bezieht als aus dem Geist der Aufklärung, der dieses Land frei, offen und somit reich gemacht hat“.

„Keine Toleranz den Feinden der Toleranz“

Die Folge werde ein Land sein, „in dem die religiös begründete Unterdrückung der Frau wieder Ausmaße angenommen hat, die man in unsere Breiten vergessen geglaubt hatte – und basale Grund- und Freiheitsrechte plötzlich wieder zur Disposition stehen“.

Die „Ignoranz gegenüber den Implikationen des Vormarsches antiaufklärerischer Gesinnungen mitten unter uns“ werde uns unsere Freiheit kosten – „jeden Tag nur ein Stückchen mehr, aber irgendwann absolut“.

Konkrete Forderungen stellt Ates nicht auf, sie erklärt in dem Post weiter nur, dass sie nicht in so einem Land aufwachen wolle und überzeugt sei, dass die große Mehrheit der Deutschen das auch nicht wolle.

Der Beitrag schließt mit dem Appell: „Machen wir den für unsere Zukunft verantwortlichen endlich eines klar: Keine Toleranz den Feinden der Toleranz!“

Die in Istanbul geborene, heute 56-jährige Seyran Ates kam mit ihrer türkisch-kurdischen Familie 1969 nach Deutschland. Dort verließ sie im Alter von 17 Jahren heimlich ihre Familie, der sie eine autoritär-religiöse und übergriffige Erziehung vorwarf, und tauchte bei einer befreundeten Rechtsanwältin unter.

Ates machte ihr Abitur und schlug selbst diesen Berufsweg ein. Dabei lagen ihre Schwerpunkte in den Bereichen Straf- und Familienrecht. Sie vertrat dabei oft Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt waren, und machte sich auch öffentlich für deren Anliegen stark. Dadurch geriet Ates ins Visier von gewaltbereiten Ehemännern und sonstigen Angehörigen. Im Jahr 1984 wurde ein Mordanschlag auf sie verübt, als sie während ihres Studiums eine Beratungsstunde ausübte.

Phasenweise aus der Öffentlichkeit zurückgezogen

Nach weiteren Übergriffen legte sie 2006 vorübergehend ihre Anwaltstätigkeit zurück, übte diese später phasenweise ohne offizielle Anschrift aus und zog sich nach weiteren Morddrohungen für eine Weile aus der Öffentlichkeit zurück. Seit 2012 ist sie wieder als Anwältin tätig und hält Vorträge über eine aus ihrer Sicht überfällige Totalreform des Islam, die unter anderem eine „sexuelle Revolution“ beinhalten müsse. Ates war auch Mitglied der Deutschen Islamkonferenz und nahm am Integrationsgipfel der Bundesregierung teil.

Im Jahr 2016 gründete sie die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, die einen „liberalen Islam“ praktizieren soll und für eine „geschlechtergerechte Auslegung“ des Islam eintritt. Die Mitgliederzahl des Trägervereins und die Zahl der Besucher soll sich jedoch im niedrigen dreistelligen Bereich bewegen. Innerhalb der türkischen Einwanderercommunity ist ihre Resonanz gering. Auch die prowestlich-konservative Hizmet-Bewegung, die sich auf den in den USA lebenden Imam Fethullah Gülen beruft und deren „Deutsch-Türkische Kulturolympiade“ sie 2014 als offizieller Gast besuchte, ist zu ihr wieder auf Distanz gegangen.

Trotz ihrer geringen Bedeutung innerhalb der türkischen und muslimischen Gemeinde bleibt Ates im Visier von Anhängern eines radikalen Islam und der führenden türkischen Islamverbände. Diese werfen ihr vor, sich unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den islamischen Extremismus der „Industrie der Islamfeindlichkeit“ in Europa anzudienen.


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