„Infektionsschutz steht nicht über dem Grundgesetz“: Jan-Josef Liefers nimmt Corona-Demonstranten in Schutz

Von 1. September 2020 Aktualisiert: 2. September 2020 11:19
Schauspieler Jan-Josef Liefers hat sich gegen eine pauschale Verurteilung der Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen ausgesprochen. Die Regierung müsse aufhören, der Bevölkerung Angst zu machen. Stattdessen seien Eigenverantwortung und Risikomanagement vonnöten.

Der bekannte deutsche Schauspieler Jan-Josef Liefers hat sich gegenüber „n-tv“ gegen eine pauschale Dämonisierung von Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung und der Länder gewandt. Neben einen zweifellos vorhandenen Anteil an Rechtsextremen und Verschwörungsideologen, die zu Anlässen dieser Art auf die Straße gingen, beteiligten sich auch zahlreiche Menschen an den Kundgebungen, deren Ängste man ernst nehmen müsse.

Corona-Maßnahmen sollten nicht schädlicher sein als Krankheit selbst

Liefers, der 1987 erstmals am Deutschen Theater Berlin spielte und dem gesamtdeutschen Fernsehpublikum unter anderem als „Tatort“-Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne und von mehreren Filmrollen bekannt ist, hatte 1989 unter anderem auf der Großkundgebung der DDR-Opposition auf dem Berliner Alexanderplatz am 4. November gesprochen.

Damals forderte er einen „demokratischen Sozialismus“. Auch nach der Wende engagierte Liefers sich für Belange der politischen Linken wie die „Finanztransaktionssteuer“. Im Jahr 2012 nominierte ihn die SPD als Wahlmann für die Bundesversammlung.

Nun nimmt der Künstler Teilnehmer an sogenannten „Hygiene-Demos“ gegen die Corona-Maßnahmen in Schutz. „Zwischen Verschwörungstheoretikern und Rechtsradikalen“, so Liefers, gebe es dort auch Menschen, die schlicht und ergreifend große Angst um ihre Existenz hätten. Man müsse sich auch in die Lage von Personen versetzen, für die ein Lockdown oder bestimmte Einzelmaßnahmen wie das Verbot von Veranstaltungen eine Gefährdung der Existenz bedeuteten. Liefers fragt:

Was passiert, wenn Bürger den Eindruck bekommen, die Maßnahmen würden einen größeren Schaden anrichten als das Virus selbst?“

Liefers: Sich nicht zu radikalisieren ist „Charakterfrage“

Menschen wüssten zwar, wie sie sich vor einer Ansteckung schützten, oftmals aber nicht, wie sie mit einer Maßnahme umgehen sollten, die sie am eigenständigen Bestreiten ihres Lebensunterhaltes hindere.

Es sei allerdings eine „Charakterfrage“, so Liefers, existenzielle Sorgen zum Anlass für eine Radikalisierung zu machen: „In meinem Freundeskreis wird keiner radikal, weil er nicht weiß, wie er seine Miete bezahlen soll – aber traurig. Und ratlos. Das sollte niemand sein in diesem Land.“

Dennoch sei die westliche Gesellschaft gut in der Lage, mit Risiken umzugehen – und auch den Einzelnen ihre Eigenverantwortung zurückzugeben. „Wir müssen aufhören, Angst zu machen“, meint Liefers, denn diese sei deutlich gefährlicher für das Gemeinwesen. Die Regierung sei gefordert, „zu einem vernünftigen Risikomanagement“ zu kommen, um die Angst aus dem Alltag zu nehmen.

„Meine 76-jährige Mutter hat sich bewusst für den Besuch ihrer Enkel entschieden“

Liefers sieht die Gefahr einer Normalisierung staatlicher Bevormundung. Erwachsene Menschen seien in der Lage, selbst Risiken abzuschätzen und Entscheidungen abzuwägen. Etwa seine eigene 76-jährige Mutter:

Sie hat für sich entschieden – eine erwachsene Frau im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte -, das Risiko zu tragen, ihre Enkel zu sehen.“

Es sei unzumutbar, ihr so etwas verbieten zu wollen. Der Infektionsschutz stünde außerdem nicht über dem Grundgesetz und der Freiheit. Vor allem die jüngere Generation sei zwar am wenigsten durch die Corona-Pandemie gefährdet, müsse aber gleichzeitig die höchsten Kosten dafür tragen – da es vor allem die in Ausbildung befindlichen und erwerbstätigen Bürger seien, die ein Lockdown am stärksten beeinträchtige.

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