Das letzte Heimspiel am 9.12.2007. (Foto: Alexander Heimann/Bongarts/Getty Images)

Interview: Steffi Jones Abschied in Frankfurt

Von 9. Januar 2008 Aktualisiert: 9. Januar 2008 11:10
Ein Ende ist immer auch ein neuer Anfang

Steffi Jones, eine der erfolgreichsten Fußballerinnen der Welt, beendete im Dezember ihre Karriere als aktive Fußballerin. Bei ihrem letzten Heimspiel im Trikot des 1. FFC Frankfurt wurde sie von ihren Fans mit weißen Papiertaschentüchern, mit „Steffi – Danke“-Plakaten und stehenden Ovationen verabschiedet. Von nun an wird Steffi Jones, die von ihren Mitspielerinnen liebevoll „Schoko“ genannt wird, als Präsidentin des Organisationskomitees (OK) für die Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland tätig sein. Epoch Times sprach mit Frau Jones

Epoch Times: Frau Jones, bei Ihrem letzten Heimspiel gab es viele Tränen – können Sie uns bitte sagen, ob Sie sich Ihren Abschied von der aktiven Fußballerlaufbahn so emotional vorgestellt haben?

Steffi Jones: Also, dass der Abschied bei meinem letzten Heimspiel in Frankfurt sehr emotional sein würde, vor solch tollen Fans, das war mir ja irgendwie vorher schon klar. Ich hab ja auch eine sehr enge Bindung zu unseren Fans gehabt, denn das war mir immer sehr wichtig – aber letztendlich war es dann doch alles so herzlich und so familiär, dass mir das alles dann tatsächlich sehr schwer gefallen ist. Aber ich hatte dann ja nochmal zwei Spiele auswärts, wobei ich bei meinem allerletzten Spiel in Wolfsburg das entscheidende Tor zum Ausgleich zum 1:1 gemacht habe. Nach diesem Spiel in Wolfsburg ist es mir aber dann wesentlich leichter gefallen; ich musste da nicht mehr weinen. Es ist wirklich so, dass mir der Abschied zuhause in Frankfurt sehr schwer gefallen ist.

Epoch Times: Was hat sich denn im Frauenfußball alles verändert, seitdem Sie angefangen haben, Fußball zu spielen?

Jones: Es ist doch klar, dass sich der Frauenfußball in den letzten 30 Jahren sehr weiterentwickelt hat. Allein, wenn man meine Entwicklung sieht – ich meine körperlich – das sind ja damals auch noch Proportionen bei mir gewesen, wo ich dachte: „Hm, das passt aber noch nicht so, das muss erst noch geformt werden”. Die Spielerinnen heute sind weitaus besser trainiert und ausgebildet als ich damals, da ich solche Möglichkeiten seinerzeit überhaupt nicht hatte. Ich war ein starker Rechtsfuß – aber heute sind mittlerweile fast alle „beidfüßig” und haben auch noch eine sehr gute Technik. Auch von ihrer körperlichen Fitness her sind sie einfach besser. Sie haben heute einfach viel mehr Möglichkeiten und das spiegelt sich natürlich auch in den ganzen Erfolgen unserer Nationalmannschaft wider.

Epoch Times: Sie haben gesagt, dass Sie für den Frauenfußball noch viel bewegen wollen – was ist da speziell Ihr größter Wunsch?

Jones: Vor allem, dass man es schafft, dass die Mädels nebenher nicht mehr arbeiten gehen müssen – dass man da zumindest so eine Art „Halbprofitum“ etablieren kann. Außerdem wünsche ich mir, dass die Frauenbundesliga einfach auch ein bisschen ausgeglichener wird, dass es eben nicht nur zwei bis drei Vereine gibt, die da oben gut spielen. Ich würde mich freuen, wenn wir auch Woche für Woche die Medien da haben würden; wenn auch die Fans das Ganze noch mehr würdigen und unterstützen würden, damit man nicht wieder darauf hoffen muss, dass die Nationalmannschaft mal wieder mit einem Titel nach Hause kommt, um damit dann erst wieder einen Boom auszulösen.

Epoch Times: Sie sollen einmal gesagt haben, dass der Fußball für Sie persönlich ein sozialer Rettungsanker war…

Jones: Ja, das ist so. Ich denke sowieso, dass der Sport für viele Menschen ein Auffangbecken darstellt. Für mich war das auch so, weil ich halt auch schwere Schicksalsschläge im privaten Bereich hinnehmen musste. Beim Fußball hatte ich da einen Ausgleich. Eigentlich bin ich ein sehr ruhiger Mensch und ich denke, dass ich auch immer so eine Art „Sonnenschein” bin; hilfsbereit und positiv denkend. Das waren teilweise natürlich auch die Auswirkungen des Sportes bei mir und selbstverständlich prägt einen der Fußball irgendwie. Alles in allem war es im Fußball bis jetzt bei mir sehr schön und ich bin auch sehr dankbar dafür.

Epoch Times: Was wäre denn gewesen, wenn es keinen Fußball in Ihrem Leben gegeben hätte?

Jones: Also, das ist sehr schwer zu beantworten … wenn ich den Sport nicht gehabt hätte … hm … es gab nichts anderes und ich wollte auch immer Fußball spielen. Deswegen gibt es für mich auch kein „was wäre wenn“ und ich bin sehr froh, wie es gelaufen ist. Ich kann mir es ohne nicht vorstellen und ich würde es auch nicht ändern wollen.

Epoch Times: Was war denn Ihr schönstes Erlebnis in Ihrer äußerst erfolgreichen Karriere?

Jones: Mein erstes Länderspiel. Das war schon immer mein Kindheitstraum gewesen: Trikot anziehen – rausgehen – Nationalhymne wird gespielt und dann Gänsehaut pur! Das war einzigartig. Alle anderen Spiele danach waren auch irgendwie einzigartig, aber das erste Spiel für die Nationalmannschaft war für mich eben der Traum schlechthin.

Epoch Times: Gab es ein Vorbild?

Jones: Ein Vorbild gab es und gibt es auch immer noch: Meine Mutter ist mein größtes Vorbild! Fußballerisch waren es auch Pele und Franz Beckenbauer. Bei dem Gedanken werde ich jetzt schon ein bisschen nervös, wenn mir Franz Beckenbauer bei der Schlüsselübergabe sein Amt als Präsident des Organisationskomitees übergibt. Ich muss sagen, da ist schon ein bisschen Ehrfurcht, da wo ich sage: meine Güte, das ist ein ganz großer und ich werde jetzt genauso wie er durch viele Länder reisen, um alle in eine WM-Euphorie zu versetzen.

Ich glaube, dass es wichtig ist, dass man sich als junger Mensch Vorbilder sucht und sich bei denen das rauszieht, was einen weiterbringen kann. Wenn man sich von denen aber auch das Negative abschauen würde, fände ich das allerdings sehr schade. Was mich betrifft, hoffe ich, dass ich es als Vorbild gut machen kann und dass sich die Kinder bei mir nur die guten Sachen abschauen.

Epoch Times: Heutzutage klagen viele Menschen, dass sich unsere Kinder nicht genügend bewegen, zu dick sind und sich ungesund ernähren. Sehen Sie das als ehemalige Spitzensportlerin auch so?

Jones: Ich würde nicht sagen, dass unsere Jugend viel zu dick ist. Aber generell finde ich, dass Sport einfach jedem gut tut. Kinder sollten Sport treiben, um sich einfach auch wohl zu fühlen. Ich glaube, dass unsere Lebenseinstellung, was das Essen betrifft, schlechter wird. Aber das hat nichts mit den Kindern zu tun, sondern mit den Eltern, die es ihnen so vorleben und die sich auch oft nicht gesund ernähren. Deswegen sollten wir uns alle an die eigene Nase packen und sehen, dass wir uns wieder besser ernähren – das finde ich ganz wichtig!

Epoch Times: Haben Sie auch einen „Männerlieblingsverein”?

Jones: Ich bin ein Frankfurter Mädchen – natürlich Eintracht Frankfurt. Aber ich bin auch jemand, der jede Woche Bundesliga guckt und so kommt es auch öfters vor, dass ich zusätzlich auch noch andere Vereine habe, die ich fußballerisch attraktiv finde.

Herzlichen Dank, Frau Jones, und viel Erfolg als Präsidentin des Organisationskomitees.

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Steffi Jones

geboren am 22.12.1972 in Frankfurt / Main

erlernter Beruf: Kauffrau

Abwehr-Spezialistin

111 Länderspiele

Weltmeisterin

3 x Europameisterin

2 x Olympia-Bronze

2 x Uefa-Cup-Siegerin

4 x Deutsche Meisterin

1 x USA Meisterin

3 x DFB-Pokalsiegerin

Autobiografie „Der Kick des Lebens“



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