Iulia R. (15), erstochen in Viersen: Mordanklage gegen Ex-Freund (17) – Stadt verweigert Gedenkplatte am Tatort, verweist auf Friedhof

Von 18. Oktober 2018 Aktualisiert: 18. Oktober 2018 12:50
Sie hatte sich von dem Jugendlichen mit der Drogenvorliebe und dem "chilligen" Lebenswandel getrennt, wollte ihren Schulabschluss machen. Da lockte er sie zu einem letzten Gespräch in den Casinogarten, bat um eine letzte Umarmung. Diese sollte tödlich sein.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem heimtückischen Mord aus. Die Anklage gegen den bulgarischen Jugendlichen Matyu K. aus Viersen ist gefertigt. Doch die erste große Jugendkammer am Landgericht in Mönchengladbach muss erst noch entscheiden, ob die Anklage überhaupt zugelassen wird, wie „Bild“ berichtet.

Weil der Täter zum Tatzeitpunkt ebenso wie das Opfer Jugendlicher war, würde der Prozess ohnehin unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Bei einer Verurteilung drohen ihm zehn Jahre Haft – im Höchstfall. Doch Iulia kann das nicht wieder zum Leben erwecken.

Der Polizei war der junge Bulgare schon länger bekannt: Drogenhandel, Körperverletzung, Diebstahl, Sachbeschädigung und nun … Mord.

Eine tödliche Verbindung

Eine Woche vor der Tat hatte sich das Mädchen von Matyu K. (17) getrennt. Sie blockierte ihn im Social Media. Zwei Jahre waren sie zuvor zusammen.

Doch Iulia wollte weg von Matyu K. und weg von den Drogen, wollte ihr noch so junges Leben zurück. Sie  hatte in einem „Comeback-Programm“ den Schulbesuch an einer Hauptschule wieder aufgenommen.

Der 17-Jährige ging nicht mehr zur Schule. Vor zehn Jahren kam er mit der Familie nach Deutschland. Wie „Der Westen“ berichtete, schilderte der Chefermittler der Polizei, Ingo Thiel, dass der Jugendliche die letzten zwei Jahre davon wohl „gechillt“ habe.

„Mama, Mama …“

Am Montagmittag, 11. Juni 2018, lauerte Matyu K. (17) seine Ex-Freundin Iulia R. im Viersener Casinogarten auf. Eine Anwohnerin hörte noch „diesen fürchterlichen Schrei und dann dieses ‚Mama, Mama‘ da hinterher“.

Ein Obdachlosenpärchen lief dem schwer verletzten Mädchen noch entgegen: „Da fiel die auch schon auf die Knie, uns in die Arme. Sie war blutüberströmt und mit Messerstichen übersät“, schilderte der 47-Jährige die letzten Momente im Leben von Iulia: „Ich sterbe, ich sterbe!“

Die alarmierten Rettungskräfte konnten nichts mehr für die 15-Jährige tun. Sechs Mal hatte Matyu K. auf den Oberkörper des Mädchens mit einem langen Küchenmesser mit 15-Zentimeter-Klinge eingestochen, vier davon waren für sich allein schon tödlich.

Die Polizei fand in ihrer Tasche den Flyer einer Drogenberatungsstelle. Ein Termin war darauf vermerkt. Dieser war auch Ansatzpunkt für die Ermittler zur Klärung der Identität des Opfers.

Der zunächst geflüchtete 17-Jährige stellte sich nach steigendem Fahndungsdruck am Dienstag mit seiner Anwältin den Behörden.

Trauer am Tatort

Mit Tränen in den Augen sagte ein Mädchen gegenüber der „Westdeutschen Zeitung“ am Mittwoch, während noch das rot-weiße Absperrband im Wind flatterte und immer mehr Menschen am Tatort Blumen niederlegten und Kerzen aufstellten:

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Wir sind früher mit ihr zur Schule gegangen. Sie war immer nett zu allen Menschen, auch wenn sie nicht nett zu ihr waren.“

(Schülerin)

Eine Frau ist mit ihrer 13-jährigen Tochter hier. Während das Kind meint, dass es schockiert sei, sagt die Mutter: „Erst dieser Mord in Wiesbaden und jetzt das. Das ist doch nicht normal!“ Die Anwohnerin bekommt hautnah alles mit, was sich am Tatort abspielt:

Am Montagabend sind die Mutter und der Vater des Mädchens in den Park gekommen. Das war furchtbar. Die Mutter ist auf der Wiese zusammengebrochen und hat das Gras gestreichelt, auf dem ihre Tochter gelegen hatte.“

(Anwohnerin, 31)

Ein 21-Jähriger, er kannte Iulia vom Sehen, sagte, dass er es beschämend finde, dass die Bürgermeisterin der Stadt nicht zum Tatort gekommen ist. Noch am Vortag hatte Sabine Anemüller (SPD), die Rathauschefin, in einer Stellungnahme geäußert, dass sie fassungslos und entsetzt sei. „Meine Gedanken sind bei der Familie der getöteten jungen Frau und den Freunden“, so die sozialdemokratische Rathauschefin.

Stadt will offenbar schnell vergessen

Im Gedenken an ihre im Casinogarten ermordete Tochter wollten die Eltern des Mädchens gerne eine Gedenkplatte in der Größe von 30 auf 30 Zentimeter am Tatort anbringen lassen. Doch die Stadt stellt sich quer, wie die „Bild“ vor einigen Tagen berichtete. Auf Nachfrage bei der Stadt hieß es nur, dass es dafür „einen besonderen Anlass geben“ müsse:

Der Platz für so eine Gedenktafel ist der Friedhof.“

(Frank Schliffke, Stadt-Sprecher, Viersen)

Iulia wurde in ihrer Heimat in Rumänien beerdigt. Doch Alexander F. nach, dem ehrenamtlicher Betreuer der Familie von Iulia, geht es dabei nicht um einen privaten „Ort der Trauer in Deutschland“, sondern um einen  Ort der „Mahnung“. Der 59-Jährige erinnert: „Die Menschen haben so viel Anteil an Iulias Schicksal genommen, es gab Demos, Kerzen wurden aufgestellt.“ Das könne doch Grund genug für eine öffentliche Gedenkplatte sein.

Bewegender Schweigemarsch in Viersen

Am Freitag, 15. Juni 2018, abseits vom Trubel der Fußball-Weltmeisterschaft und der großen medialen Aufmerksamkeit, versammelten sich in Viersen hunderte Menschen zu einem Trauermarsch für die ermordete Iulia, ein Mädchen der Stadt.

Schweigend zog der Marsch, angeführt von einem Streifenwagen der Polizei , von einem zentralen Platz in der Innenstadt zum Ort des Verbrechens, jenen Platz im Park, an dem Iulia starb. Den Marsch begleiteten auch Kirchenvertreter, vermutlich aus Viersen. Menschen mit und ohne Migrationshintergrund marschierten gemeinsam und in aller Stille.

Doch während die Stadt den Fall offenbar gern schnell vergessen möchte, wollen die Menschen dies vielleicht nicht, nicht Maria (19) aus Freiburg, nicht Mia (15) aus Kandel, nicht Keira (14) aus Berlin und Mireille (17) aus Flensburg, nicht Anna-Lena (16) in Barsinghausen, nicht Susanna (14) aus Mainz und auch nicht Iulia (15) aus Viersen und all die anderen.