Jena: Bünde der Burschenschaft fordern Stadt und Uni zu klarem Statement gegen linke Gewalt auf

Von 20. Februar 2020 Aktualisiert: 20. Februar 2020 18:03
In der Nacht nach der Wahl des FDP-Kandidaten Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten von Thüringen kam es in Jena zu einem Brandanschlag gegen Autos einer Burschenschaft. Bereits zuvor hatte es mehrfach linksextreme Straftaten gegen Studentenverbindungen gegeben.

Als Reaktion auf offenbar linksextremistisch motivierte Übergriffe haben sich die Bünde der Deutschen Burschenschaft in Jena in einem offenen Brief an die Entscheidungsträger in Kommune und Universität gewandt. Wie die „Ostthüringer Zeitung“ berichtet, haben die Altherrenvertreter der örtlichen Burschenschaften Arminia, Germania und Teutonia Stadt und Universitätsleitung dazu aufgerufen, die Angriffe auf Verbindungshäuser und Korporierte zu verurteilen.

„Erfüllen Sie Ihre Aufgabe und Pflicht, dafür zu sorgen, dass Studentenverbindungen nicht länger diskriminiert und verfolgt werden und ihren seit Jahrhunderten angestammten Platz in der Stadt Jena und an ihrer Universität gewaltfrei behalten können“, schreiben die Burschenschaftsvertreter.

Jena gehörte zu den Zentren der Deutschen Burschenschaft

Derzeit versucht die Ermittlergruppe „Florian“ der örtlichen Polizei, einen Brandanschlag aufzuklären, der sich in der Nacht zum 6. Februar ereignet haben soll. Am Tag zuvor war FDP-Kandidat Thomas Kemmerich vom Landtag in Erfurt mit den Stimmen von FDP, CDU und AfD zum Ministerpräsidenten gewählt worden. Die Wahl hatte heftige Reaktionen der Bundesparteien sowie auf der Linken und extremen Linken ausgelöst.

Bei dem Anschlag in Jena brannten zwei Fahrzeuge aus, die der Burschenschaft Germania zuzuordnen waren. Die Korporation geht davon aus, dass Linksextremisten hinter dem Anschlag stehen und dieser einen Zusammenhang mit bundesweiten linksextremen Ausschreitungen aufweist mit der Ministerpräsidentenwahl im Thüringer Landtag.

Der Übergriff war allerdings nicht der erste, mit dem Burschenschaften in Jena in jüngster Zeit konfrontiert waren – einer Stadt, die im frühen 19. Jahrhundert zu den Hochburgen der deutschen Nationalbewegung zählte, an deren Spitze die Deutsche Burschenschaft stand.

Von Diebstählen von Studentenmützen, Beleidigungen und Drohungen über Farbbeutelwürfe bis hin zu schwerer Körperverletzung richtete sich bereits eine Vielzahl an strafbaren Handlungen gegen die Bünde in der Stadt.

SPD-Stadtrat übt sich in Minirock-Logik

Ein SPD-Stadtrat hatte im Mai 2019 nach einer gefährlichen Körperverletzung an einem Verbindungsstudenten sogar dem Opfer selbst eine Mitschuld an dem Angriff attestiert. Dieses sei „in einer Stadt, die zum Glück hauptsächlich linksgerichtet ist, mit Insignien von Burschenschaften“ herumgelaufen und habe damit gleichsam diese Reaktion provoziert.

Immerhin hatte sich die CDU von dieser Wortmeldung distanziert und auf Facebook erklärt: „Die aus der Mitte unserer Gesellschaft stammenden Studentenverbindungen waren und bleiben ein Teil unserer Stadt.“

Die Unterzeichner des offenen Briefes sind dennoch der Auffassung, dass zu viele Institutionen, die bei sonstiger Gelegenheit mit Solidaritätsadressen oder Verurteilungen sehr schnell bei der Hand seien, die Übergriffe gegen Burschenschaften in auffälliger Weise beschwiegen. So heißt es weiter in dem Schreiben:

„Mit den jüngst geschehenen gefährlichen Brandanschlägen auf das Verbindungshaus der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller sowie auf zwei Pkw auf dem Grundstück der Jenaischen Burschenschaft Germania, bei dem billigend die Gefährdung von Leib und Leben der in dem Verbindungshaus lebenden Studierenden in Kauf genommen wurde, erreicht die Gewaltspirale eine neue Eskalationsstufe, die erschreckend ist. Die Stadt Jena ist mittlerweile für Verbindungsstudenten zu einem unsicheren Ort geworden.“

Ausschluss vom „Markt der Möglichkeiten“

Eine Ursache für das steigende Gewaltpotenzial sei nach Ansicht der Altherrenvertreter die politisch motivierte Verbreitung von Ressentiments.

Die Universitätsleitung trage dazu bei, indem etwa der Studierendenrat mit deren Duldung die Korporationen von universitären Veranstaltungen wie dem „Markt der Möglichkeiten“ ausgeschlossen habe. Der Sprecher der Friedrich-Schiller-Universität, Axel Burchardt, erklärte dazu, dass die Hochschulleitung keinen Einfluss auf dieses Gremium habe.

Das Präsidium der Friedrich-Schiller-Universität verurteile jedoch „jede Form von Gewalt gegen Verbindungsstudierende und ihre Häuser“, erklärt die Leiterin der Abteilung Hochschulkommunikation, Katja Bär, gegenüber der OTZ.

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