Kandel nimmt Abschied von Mia (15): Die weiße Taube und der dunkle Schatten – Rührende Worte beim Trauergottesdienst

Von 11. January 2018 Aktualisiert: 11. Januar 2018 18:30
Ein Städtchen nimmt Abschied von einem seiner Kinder: Im pfälzischen Kandel fand ein Trauergottesdienst für das ermordete Mädchen Mia statt. Der Pfarrer, der die 15-Jährige konfirmierte, fand nach der schrecklichen Nachricht beim Wühlen in Kisten eine kleine weiße Taube aus Ton. Mia hatte sie gemacht ...

Schwere Stunden in Kandel: Bei einem Trauergottesdienst in der pfälzischen Kleinstadt können die Menschen heute Abschied von der ermordeten 15-jährigen Mia Valentin nehmen. In der Kirche ist ein großes Foto des Mädchens auf einer Staffelei aufgestellt, sie lächelt dort zum Abschied …

Die Predigt in der protestantischen St. Georgskirche am Marktplatz des kleinen Städtchens hält der evangelische Pfarrer, der das Mädchen vor fast zwei Jahren konfirmiert hatte.

Er erzählte der „Bild“: „Als ich langsam begriffen habe, was geschehen ist; als ich erfuhr, wer da getötet worden ist …“, da habe er in seinen Kisten gekramt und gesucht: „Irgendwo, habe ich wohl gedacht, muss es doch etwas geben, dass an Mia erinnert, etwas, das sie geschrieben oder gebastelt hat, etwas, das Zeugnis geben kann, das noch da ist von ihr, wenn sie nicht mehr da ist..“

Die weiße Taube und der dunkle Schatten

Pfarrer Dembeck fand eine tönerne weiße Taube, Mias Symbol dafür, wer Gott für sie sei, eine Konfirmandenaufgabe aus der Freizeit in 2016. „Das alte Zeichen für den Frieden, für die Unschuld…“, so der Geistliche.

Mia starb, weil ein anderer Mensch – ein Mensch, dem sie einmal vertraut hatte – sie getötet hat. ‚Du sollst nicht töten!‘ steht in der Bibel, wörtlich: ‚Du sollst nicht morden!‘ Dieses Gebot ist Gesetz in unserem Land. Ich kann jemanden, der einen anderen Menschen tötet, nicht entschuldigen damit, dass ich sage, er kommt aus einem anderen Land, er hat eine andere Kultur. Wer das sagt, hat nichts verstanden.“

(Pfarrer Dr. Arne Dembeck)

Pfarrer Dembeck sprach in seiner Predigt an die Trauernden auch von dieser weißen Taube und von jenem Tag, „an dem sich ein dunkler Schatten über unsere ganze Stadt“ legte, an dem sich die Menschen „oft mit erstickter Stimme“, gefragt hätten:

‚Warum?‘, ‚Warum bei uns?‘, ‚Warum Mia?‘ und über die Frage nachdachten: Was wäre, wenn es Dein Kind gewesen wäre…“

(aus Pfarrer Dembecks Predigt)

Doch diesen Gedanken verdränge man immer wieder, weil man spüre, dass man es dann nicht mehr aushalten könne.

Sie beide, liebe Eltern, müssen es aushalten, sie müssen diese Schritte weitergehen in das Dunkel, in die Leere, in den Schmerz. Jeden Morgen aufstehen, nur um sich erneut treffen zu lassen von dem dumpfen Schlag: Mia ist tot. Unser Kind ist nicht mehr bei uns.“

(Pfarrer Dembeck)

Verdacht auf Totschlag

Die 15-Jährige war am 27. Dezember bei einer Messerattacke in einem Drogeriemarkt in Kandel so schwer verletzt worden, dass sie starb. Unter Verdacht steht ihr Ex-Freund, ein Flüchtling aus Afghanistan. Der Jugendliche, der nach offiziellen Angaben ebenfalls 15 Jahre alt ist, sitzt wegen Verdachts auf Totschlag in Untersuchungshaft.

 

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