Reinhard Marx, der Kardinal der Katholischen Kirche in München.Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images

Katholische Kirche an „totem Punkt“ angekommen: Kardinal Marx bietet Papst Rücktritt an

Epoch Times4. Juni 2021 Aktualisiert: 4. Juni 2021 12:28
Kardinal Reinhard Marx ist enttäuscht über ausbleibende Reformen in der katholischen Kirche. Jetzt hat er dem Papst überraschend seinen Rücktritt angeboten - mit deutlichen Worten.

Der Münchner Kardinal Marx hat Papst Franziskus um die Entbindung von seinem Bischofsamt gebeten. Die katholische Kirche sei an einem „toten Punkt“ angekommen, teilte Marx nach Angaben seines Erzbistums vom Freitag zur Begründung mit. Er wolle mit dem Schritt zugleich „Mitverantwortung“ für die „Katastrophe des sexuellen Missbrauchs“ durch Amtsträger der Kirche übernehmen, erklärte der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Die Untersuchungen der Missbrauchsskandale hätten gezeigt, dass diesen auch ein „institutionelles oder systemisches Versagen“ zugrunde liege, führte der Bischof seinem Erzbistum zufolge weiter aus. Zugleich sei in den jüngsten Debatten offensichtlich geworden, „dass manche in der Kirche gerade dieses Element der Mitverantwortung und damit auch Mitschuld der Institution nicht wahrhaben wollen“. Diesen stünden deshalb auch einem dringend notwendigen „Reform- und Erneuerungsdialog“ ablehnend gegenüber.

Marx will persönlich Verantwortung übernehmen

Marx bat Franziskus demnach bereits am 21. Mai um die Entbindung von seinem Amt. Nach Angaben des Münchner Erzbistums erteilte der Papst nun die Erlaubnis, den Vorgang zu veröffentlichen. Er legte zugleich aber fest, dass Marx bis zu einer Entscheidung über den Wunsch seinen bischöflichen Dienst weiter ausüben muss.

Marx erklärte am Freitag, er habe in den vergangenen Monaten immer wieder über einen Amtsverzicht nachgedacht. Vielleicht könne er damit ein „persönliches Zeichen“ für „neue Anfänge, für einen neuen Aufbruch der Kirche“ setzen. „Ich will zeigen, dass nicht das Amt im Vordergrund steht, sondern der Auftrag des Evangeliums.“ Er sei bereit, persönlich Verantwortung für jene Fehler zu übernehmen, die die „Institution Kirche“ begangen habe. (afp)



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion