Papst Franziskus betet bei der Eröffnung des Gipfeltreffens zum Thema Missbrauch.Foto: Vincenzo Pinto/AFP/AP/dpa

Katholische Kirche zahlt schäbige 5.000 Euro Entschädigung an Missbrauchsopfer

Epoch Times3. März 2019 Aktualisiert: 3. März 2019 20:46
Die katholische Kirche in Deutschland mit geschätzten 200 Mrd. Euro Vermögen und mit 8.250 Quadratkilometern, größter privater Grundeigentümer, zahlt durchschnittlich pro Missbrauchsopfer 5.000 Euro Entschädigung.

Enttäuscht reagierten Opfer und Vertreter von Opferverbänden auf die Abschlussrede des Papstes im Vatikan zum Missbrauchsgipfel in Rom.

Sie hatten auf die Ankündigung konkreter Maßnahmen und einer weltweiten einheitlichen Null-Toleranz-Haltung der katholischen Kirche gehofft.

Der Pabst hingegen verwies auf Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO zum Schutz von Kindern, an denen sich die katholische Kirche orientieren wolle. Auch ein klares Schuldbekenntnis im Namen der katholischen Kirche blieb aus.

Denn lange Zeit wurde geschwiegen, wurden Akten zur Überführung von Missbrauchstätern dem Zugriff entzogen. So fehlte auch eine Entschuldigung für das langjährige Decken und Vertuschen von Missbrauchsfällen.

Mehr als 100.000 Missbrauchsopfer in Deutschland

Doch wie viele Täter und Opfer gibt es in Deutschland innerhalb der katholischen Kirche? Forscher der Uniklinik Ulm schätzen zu Missbrauchsfällen innerhalb der katholischen Kirche, dass in den letzten Jahrzehnten mehr als 100.000 Menschen von Priestern missbraucht wurden.

Laut einer durch die Kirche in Auftrag gegebenen Missbrauchsstudie sind nachweislich 1.670 Kleriker des sexuellen Missbrauchs an 3.677 Kindern schuldig geworden.

Dabei sind 62,8 Prozent der Opfer männlichen Geschlechtes und 50 Prozent der Opfer beim ersten sexuellen Missbrauch 13 Jahre alt und jünger gewesen.

Bis Herbst 2017 hat die Zentrale Koordinierungsstelle (ZKS) der katholischen Kirche für 1.788 Anträge 8,7 Millionen Euro an Entschädigungen empfohlen, im Durchschnitt sind das 5.000 Euro pro Opfer.

Die ZKS ist beim „Büro für Fragen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im kirchlichen Bereich“ der Deutschen Bischofskonferenz angesiedelt. Ihr gehören vier Personen an. Den Vorsitz hat eine ehemalige Staatsanwältin.

Monatsgehalt eines Bischofs liegt bei 9.000 bis 12.000 Euro

Das ist rund ein halbes monatliches Gehalt eines Bischofs (9.000 bis über 12.000 Euro). Zudem hat die katholische Kirche einen Fonds mit 500.000 Euro eingerichtet um die therapeutische Hilfe für Opfer zu finanzieren und es werden Präventionsprojekte gefördert.

Der Politikwissenschaftler Carsten Frerk (66) schätzt das Gesamtvermögen der katholischen Kirche auf rund 200 Milliarden Euro. Zudem ist sie mit 8.250 Quadratkilometern Grundeigentum größter privater Grundbesitzer in Deutschland.

Doch nicht nur innerhalb der katholischen Kirche kommt es zu zahlreichem Missbrauch. Laut Angaben der früheren Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Christine Bergmann, liegen zwei Drittel der Missbrauchsfälle im Bereich der katholischen Kirche, ein Drittel im evangelischen Bereich.

So kann der Zölibat als Erklärung für den systematischen und über alle Hierarchieebenen gehenden Missbrauch in den Kirchen nicht als Ursachenerklärung dienen. Konservative Traditionalisten gehen davon aus, dass das Problem eher in einer Aufweichung der Glaubenslehren zu suchen sei, insbesondere in einer falschen Toleranz gegenüber homosexuellen Klerikern, die im Schutz ihres Amtes ihre Neigung auslebten.

Keine Transparenz – keine Null-Toleranz-Strategie

Umso mehr scheint es da fraglich zu sein, ob bis zu 5.000 Euro Entschädigung für Missbrauchsopfer durch Institutionen wie die evangelische und die katholische Kirche, die sich unter anderem über die Kirchensteuer ihrer Mitglieder, aber auch direkt durch Geld vom Staat finanzieren, angemessen sind.

Im Jahr 2018 waren es deutschlandweit laut Berechnung des Humanistischen Bundes 538 Millionen Euro, die die Bundesländer an die Kirchen überwiesen. Hinzu kommen noch die Bischofsgehälter, die ebenfalls durch die Bundesländer finanziert werden.

Hätten da die Kirchenmitglieder, aber auch die Bürger dieses Landes, die mit ihren Steuern beide Kirchen finanzieren, nicht auch ein Anrecht auf umfassende Transparenz zum Thema Missbrauch? Und wie lange dauert e,s bis beide Kirchen eine Null-Toleranz-Strategie umsetzen, welche die Opferverbände seit Jahren fordern?

So werfen auch die jüngsten Äußerungen des Vatikans gegenüber der „New York Times“, dass  interne Richtlinien zum Umgang mit  „Kindern der Geweihten“ existieren, neue Fragen auf. Nach Aussage des Papstes sollen Priester, die Väter werden, mittelfristig aus dem Priesterstand ausscheiden, damit sie sich um ihre Kinder kümmern können. Doch, ob sie nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes weiter von der Kirche finanziell unterstützt werden, wurde offen gelassen.

(er)


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