Kelle kontert Tauber: „Genau diese Arroganz treibt CDU-Wähler zur AfD“

Von 20. November 2019 Aktualisiert: 20. November 2019 20:37
In der „Welt“ hat der frühere CDU-Generalsekretär Peter Tauber der WerteUnion vorgeworfen, mit ihrem „Alleinvertretungsanspruch“ Streit in die Partei zu tragen. Publizistin Birgit Kelle widerspricht: Die Union brauche mehr Debatte statt weniger.

Der Beitrag des früheren CDU-Generalsekretärs Peter Tauber in der „Welt“, in dem dieser erklärte, für die konservative „WerteUnion“ sei in der Partei kein Platz, hat unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Tauber hatte deren Anhängern unter anderem vorgeworfen, diese würde „schon mit ihrem Namen unterstellen, alleiniger Lordsiegelbewahrer der Werte zu sein“ – und damit Streit und Spaltung in die Partei tragen.

Er warnte vor einem innerparteilichen Konflikt, der auf diese Weise entstehen und der CDU ein Schicksal bescheren könnte, wie es der SPD widerfahren sei. Die WerteUnion pflege „ihre eigenen Befindlichkeiten auf Kosten des Ganzen“. Deren „ständige Selbstbeschäftigung und das laute Wehklagen“ schadeten der CDU und widersprächen zudem dem Anspruch, stets das Wohl des Landes über das der Partei zu stellen.

Häme bei der AfD

AfD-Anhänger fühlten sich Kommentaren in sozialen Medien zufolge in ihrer Einschätzung bestätigt, wonach es vergebene Liebesmüh‘ sei, als Konservativer zu versuchen, den Kurs der CDU von innen heraus zu verändern. Demgegenüber beharrten in der Union verbliebene Konservative darauf, dass es sich bei Tauber um einen gescheiterten Funktionär handele, der in der Partei über keinerlei Autorität mehr verfüge. 

Im „Focus“ meldete sich unterdessen Publizistin und Autorin Birgit Kelle zu Wort. Sie wirft ihm vor, im Umgang mit der WerteUnion jene „arrogante Art“ zu offenbaren, die seit Jahren CDU-Wähler der AfD in die Arme treibe.

Sie selbst gehöre der WerteUnion nicht an, erklärte Kelle. Aber diese habe die gleiche Existenzberechtigung in der CDU wie die Frauen-Union und andere Vereinigungen unter dem Dach der Partei. Diskussionen zu unterdrücken, weil man fürchte, diese könnten die Einigkeit stören, sei genau das, was enttäuschte Stammwähler nicht wünschten – vor allem, wenn dies dazu führe, dass es schwieriger werde, die Politik der CDU gegenüber der Basis noch zu begründen.

„Ich habe in den Vereinigungen der CDU, egal zu welchem Thema eingeladen war, am Ende immer die Debatte dazu führen müssen, warum man ‚in Berlin‘ eigentlich nicht auf die Basis hört, warum man den Menschen nicht zuhört, warum man alle bisherigen Standpunkte und Prinzipien diskussionslos über Bord wirft“, schildert Kelle.

CDU soll Menschen zuhören und Lösungen suchen

Sie habe erlebt, wie CDU-Mitglieder das Handtuch warfen, weil sie in der eigenen Partei als „rechts“ abgestempelt wurden, nur weil sie „ihre bisherigen CDU-Positionen zu Familienpolitik, zur Inneren Sicherheit, zu Atomkraft oder zur Frage der Landesverteidigung beibehielten, während die Union nicht in die Mitte, sondern immer weiter nach links abdriftete“.

Personen wie Peter Tauber hätten durch überhebliche Sprüche in dieser Situation noch zusätzlich Öl ins Feuer gegossen. Im Unterschied zu ihm, der erklärt hatte, er wolle zur AfD abgewanderte Wähler „nicht einmal geschenkt“ zurück, würde sie, so Kelle, diese sehr gerne zurück in die Union holen:

„Ich bin nicht bereit aufzugeben und untätig zuzusehen, wie klassische, bürgerliche Wähler an die AfD abwandern, nur weil meine Partei es nicht für nötig hält, ihre Beweggründe anzuhören und Lösungen zu suchen.“

Sie selbst käme nie auf den Gedanken, den Verbleib von Peter Tauber in der CDU infrage zu stellen. Allerdings müsse in der Partei Platz für Debatte und Meinung sein.

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