Hamburger Silvester-Prozesse: Freispruch und Entschädigung für Angeklagte aus Marokko, Tunesien und dem Iran

Von 2. November 2016 Aktualisiert: 2. November 2016 14:35
400 sexuell belästigte Frauen, 3 Prozesse, 1 Verurteilung: Der vorläufig letzte Prozess in einer Reihe von Gerichtsverhandlungen zu den Übergriffen in Hamburger an Silvester endete mit Freisprüchen und Entschädigungen für die Angeklagten. Die Vorsitzende Richterin kritisierte nach Angaben eines Gerichtssprechers die Ermittlungsbehörden scharf. Bei der Vernehmung der betroffenen Frau seien schwere Fehler gemacht worden.

Freispruch! – Die drei Angeklagten aus Marokko, Tunesien und dem Iran verlassen das Gericht als freie Männer. Jeder von ihnen bekommt 4.600 Euro Entschädigung für die Untersuchungshaft ausbezahlt. So endete der Prozess um sexuelle Nötigung und Beleidigung in der Silvesternacht am Hamburger Landgericht.

In der Urteilsbegründung kritisierte die Vorsitzende Richterin am Dienstag die Ermittlungsbehörden scharf. Sie sei geschockt, wie leicht das Rechtssystem zu erschüttern sei, wenn die öffentliche Meinung und die Politik Ergebnisse sehen wollen, berichtet der „NDR“.

Opfer sei unbewusst beeinflusst worden

Ein Opfer der Sex-Attacken, eine Studentin, die bedrängt und belästigt worden war, konnte offenbar vor Gericht keinen der Angeklagten wiedererkennen, obwohl sie zuvor die drei Angeklagten auf den ihr von der Polizei vorgelegten Fotos identifiziert hatte.

Die Zeugin sei durch die Art der Ermittlung schon bei der Polizei unbewusst suggestiv beeinflusst worden, hieß es in der Urteilsbegründung.

Richterin entschuldigt sich

Die Richterin entschuldigte sich „als Teil des Hamburger Justizsystems“ bei den drei Männern. Weiterhin hoffe sie, dass die Angeklagten den Glauben an den Rechtsstaat nicht verloren hätten, so die Richterin. Die drei Männer hatten rund 190 Tage in Untersuchungshaft gesessen, da eine zwischenzeitliche Entscheidung zur Haftentlassung vom Oberlandesgericht auf antrag der Staatsanwaltschaft widerrufen wurde.

Jeder der Freigesprochenen bekommt für die Untersuchungshaft 4.600 Euro Entschädigung.

Hamburger Silvester – 400 Frauen sexuell belästigt – 3 Anklagen – 1 Verurteilung

In der Hamburger Silvesternacht sollen mehr als 400 Frauen sexuell belästigt worden sein, so der Sender weiter. Aus all diesen Fällen schafften es nur drei bis zur Anklage. Ein junger Afghane wurde bereits freigesprochen. Die Zeugin konnte ihn vor Gericht nicht wiedererkennen.

Für einen weiteren Afghanen wurde nur deswegen ein Urteil erreicht, weil die Polizei ihn anhand von DNA-Spuren überführen konnte. Er hatte eine Frau vom Kiez aus bis nach Stellingen verfolgt und dort dann missbraucht.

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