Religions-Polizei im Iran: Kopftuch ab, 20 Jahre Haft – Tanz als Verbrechen, Mädchen weint im Reue-TV

Von 12. July 2018 Aktualisiert: 13. Juli 2018 16:18
Während hierzulande das Kopftuch krampfhaft als etwas Gutes gepriesen und mit der persönlichen Freiheit auf Glaubens beworben wird, versuchen Frauen im Iran unter großer Gefahr das lästige Zwangskleidungsstück loszuwerden.

20 Jahre Haft, zwei davon ohne Bewährung: Das war das Urteil gegen eine 42-jährige Iranerin, weil sie gegen den Kopftuchzwang in dem islamischen Land protestierte. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Shaparak Shajarizadeh mit dem Ablegen der Verhüllung und dem Schwenken derselben an einem Stock in der Öffentlichkeit den Straftatbestand der Anstiftung zur Prostitution erfülle.

Wie die österreichische „Krone“ berichtet, protestieren im islamischen Iran seit Monaten zahlreiche Frauen gegen die aufgezwungenen Kleidervorschriften.

Doch noch gewaltiger rumort es wegen der wirtschaftlichen Situation im Land. Präsident Hassan Rouhani warnte bereits im Februar davor, die Bürgerproteste nicht ernst zu nehmen: „Wir können nichts erreichen, wenn wir die Menschen nicht hinter uns haben und ihre Kritik ignorieren.“ Er erinnerte an den Niedergang der Monarchie 1979. Auch diese hätte geglaubt, ewig an der Macht zu bleiben, doch alles verloren, weil sie nicht auf die Stimme des Volkes gehört hätte. Dies sei eine Lehre für alle Machthaber. Doch Rouhani ist nur Staatspräsident. Die höchste Macht im Land ist der Oberste Führer Ali Chomene’i, auch Oberster Religionsführer genannt oder aber Ayatollah, ein ausgesprochener Feind der westlichen Kultur.

Seit Monaten weiten sich die Proteste im Iran aus. Es kommt zu Streiks und Demonstrationen. Die Polizei geht hart vor. Das Regime bemüht sich jedoch auch, durch kurzzeitige Lockerung des eisernen Griffs die Stimmung zu beruhigen. Ein Trick.

Auch für Shaparak Shajarizadeh wurde es eng im Iran. Laut „Iran Human Rights Monitor“ wurde die 42-Jährige bereits im Februar verhaftet, weil sie erwischt wurde, als sie ihr Kopftuch ablegte. Für die Anti-Kopftuch-Aktivistin ist klar, was die Richter mit dem neuen Urteil aussagen:

Es bedeutet, ich soll für 20 Jahre zum Schweigen verurteilt werden und keinen politischen Aktivitäten nachgehen dürfen.“

(Shaparak Shajarizadeh, 42, Iran)

Mittlerweile musste sie ihre Heimat verlassen.

Im Video: Die jungen Frauen im Iran versuchen, sich wenigstens eine bisschen Freiheit einzureden. Alles sei nicht so schlimm, wie man im Westen behaupte, so die Aussagen. Doch die Angst scheint ein ständiger Begleiter …

Die Sitten-Wächterinnen von Teheran

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Im April ereignete sich in der Hauptstadt Teheran ein Vorfall, der angesichts der zahlreichen Proteste im Land und wegen seiner viralen Verbreitung dem Mullah-Regime höchst ungelegen kam. Auf einem in den sozialen Medien verbreiteten Video ist eine Frau zu sehen, die von den schwarzen Furien der Sitten-Polizei angegriffen wird, weil ihr Kopftuch nur lose saß und den geflochtenen Zopf nicht verdeckte. Die Verdächtige wurde weggeschleppt.

Doch selbst im Iran lassen sich die Menschen dies nicht mehr einfach so gefallen. Der Duft der Freiheit lässt sich nicht mehr ohne Weiteres unterdrücken, die Stimmung im Volk ist angespannt, der Druck auf die Regierung groß, nicht nur wegen der wirtschaftlichen Situation.

In den sozialen Netzwerken forderten viele Bürger die Bestrafung der gewalttätigen Sitten-Wächterinnen, so die „Krone“ dazu. Die von iranischen Studenten betriebene Nachrichtenagentur ISNA berichtete, dass der Innenminister und der Polizeichef Ermittlungen anordneten.

Böser Tanz auf Instagram

In einem anderen brandaktuellen Fall wurde die junge Iranerin Maedeh Hojabri (18) für die Veröffentlichung von Tanz-Videos, noch dazu unverschleiert, auf Instagram verhaftet.

Anschließend wurde sie im Staats-Fernsehen IRIB in einem „Reue-Video“ vorgeführt. Sie erklärte unter Tränen: „Nein. Ich wusste, dass Tanzen verboten ist, aber ich habe nichts Schlechtes hochgeladen…“

Auch in diesem Fall gab es heftige Reaktionen im Internet gegen die Sitten-Wächter und das Staats-TV. Laut Meinungen auf dem Nachrichtenportal „Ensafnews“ solle sich die Justiz lieber um die Korruptionsfälle in Milliardenhöhe kümmern, wie „Focus“ berichtet. Außerdem sei die Aktion im TV mit dem weinenden Mädchen abscheulich.

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Das Märchen vom guten Kopftuch

Während Frauen im Iran für minimale Rechte kämpfen und sich dabei in Gefahr begeben müssen, wird in Deutschland von manchen das Kopftuch als etwas ganz Tolles beworben.

Doch fernab des Iran, innerhalb der Freiheit in Deutschland, lässt sich leicht davon reden, wie toll das Kopftuch sei. Hier wird gegen ein Kopftuchverbot demonstriert, die Verhüllung mit persönlicher Freiheit und dem Ausdruck des Glaubens identifiziert.

Die Kampagne „Eine Frau wie du“ wirbt „Gemeinsam für eine starke Gesellschaft“ und sie wirkt so gar nicht orientalisch und noch weniger islamisch. „Deutschlandweit setzen wir uns für den gemeinsamen Dialog unter Frauen gleichwohl welcher Religion oder Herkunft, ein. Denn gemeinsam sind wir stark!“

Namentlich steht Mihriban Özoguz als Initiatorin im Impressum, die Schwägerin von Aydin Özoguz, der bis März 2018 amtierenden Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration bei Angela Merkel. Ihr Ehemann und sein Bruder betreiben die vom Verfassungsschutz beobachtete islamistische Webseite „Muslim-Markt“.

Der „Spiegel“ traf 2004 die Familie Özoguz und merkte an, dass es sich um Fundamentalisten handelt, die den inzwischen verstorbenen Obersten Führer Ayatollah Chomeini verehren und für einen strengen Islam werben.

Früher waren die in Hamburg geborenen Brüder keine Islam-Anhänger, waren eher von sozialistischen Ideen und Revolutionären inspiriert. Doch mit der Islamischen Revolution 1979 änderte sich alles, „eine Art 1968 auf islamische Art“, schreibt der „Spiegel“.

Auch Mihriban Özoguz kam zu Wort bezüglich des Kopftuches: „Ohne Kopftuch, das ist für uns wie für andere Frauen ohne BH.“ Es sei „Erziehungssache“ und die Mädchen würden das Kopftuch mögen lernen: „Es heißt: Man gehört dazu.“

Anti-Kopftuch-Proteste im Iran

Shaparak Shajarizadeh, die 42-jährige Anti-Kopftuch-Aktivistin aus dem Iran, möchte aber nicht dazugehören. Laut der Aktivistin seien Frauen im Iran nicht nur zum Verhüllen ihrer Haare gezwungen, sondern müssten auch einen knielangen Mantel tragen. Und Schminken? Besser nicht, höchstens ganz dezent.

Auch die Computer-Studentin Maryam Shariatmadari (32) möchte nicht dazugehören. Sie gehört zu den „Girls of Enghelab Street“, einer Serie von Protesten gegen den Hijab. Laut „IranWire“ wurde die Frau für ihren Protest zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Die rot-grüne Traumwelt

Die muslimisch-bosnische Schriftstellerin Safeta Obhodjas (65) geht in Deutschland an Schulen, macht bei Theater- und Integrationsprojekten mit, erzählt ihre Geschichte und ihre Geschichten. Sie schaut besonders nach den jungen Muslimen, für die sie noch Hoffnung sieht:

Für die ältere Generation, für meine Generation, die ist so verkrustet, und sogar alles über 40, das ist schon verloren. Aber ich versuche, den Jüngeren ein bisschen Mut zu machen. Es lohnt sich, zu kämpfen.“

(Safeta Obhodjas, 65)

Ein harter Kampf, mit wenig Unterstützung aus der linken Gesellschaft: „Ich habe bis jetzt nie erlebt, dass eine Kosmopolitin oder eine Feministin mich unterstützt hat“, so die Bosnierin. „Viele, die links oder grün orientiert waren, sie dachten, Ex-Jugoslawien wäre ein Konglomerat der Religionen und Kulturen, wir hatten uns alle lieb. Die wollten mich nicht mehr einladen, weil ich eine andere Geschichte erzählt habe, eine ganz andere Geschichte, die sie nicht kannten und nicht kennenlernen wollten.“ Das hätten auch viele andere Musliminnen erlebt, erklärte Obhodjas.

Für sie steht fest: „Niemand soll mir sagen, dass Frauen das freiwillig tun.“

1979 – Das Jahr, als die Freiheit verschwand

Frei waren die Frauen im Iran jedoch auch einmal. Vor der Islamischen Revolution 1979, vor dem Sturz der Monarchie und der Absetzung des Schahs, Mohammad Reza Pahlavi. Der Iran war westlich orientiert. Es gab zahlreiche Reformen. Die Frauen durften wählen gehen und durch die steigenden Öleinnahmen entwickelte sich das Land hin zu einer aufstrebenden Industrienation.

Doch durch die Modernisierung kam es zu Spannungen mit den mächtigen religiösen Fundamentalisten  im Land. Auch wollte eine linke Guerillia-Bewegung das Land mit Gewalt verändern.

Auf der Konferenz von Guadeloupe im Januar 1979 beschlossen der amerikanische Präsident Jimmy Charter, ein Demokrat, der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt, ein Sozialdemokrat, der britische Premierminister James Callaghan von der sozialdemokratischen Labour-Partei sowie der französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing von der Union pour la Démocratie Française (UDF), den Schah von Persien nicht mehr zu unterstützen. Sie wandten sich dem im französischen Exil lebenden Ayatollah Chomeini zu. Der Schah verließ das Land und Chomeini kam zurück in den Iran, um seine antiwestliche „Islamische Republik“ durch Terror, Massenhinrichtungen und Unterdrückung zu formen. Die Region wurde zusehends instabiler. 1980 brach der erste Golfkrieg aus.

Tatsache ist, wir iranischen Frauen leben seit 40 Jahren im Gefängnis.“

(Shaparak Shajarizadeh, 42)

Noch im März 1979 demonstrierten zahlreiche Frauen gegen die von ausländischen linken Kräften forcierte und kommende islamische Veränderung – zu spät. Das Unheil hatte bereits seinen Lauf genommen …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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