Krankenhausverband: „Wir setzen uns intensiv mit… unvorstellbaren Lazarett-Szenarien auseinander“

Epoch Times24. März 2020 Aktualisiert: 24. März 2020 14:07
Der Katholische Krankenhausverband bereitet sein Personal auf einen extremen Anstieg von Corona-Patienten vor. Die Verunsicherung unter Krankenhausmitarbeitern sei groß. Nach Spahns neuem Gesetzesentwurf könnten die ersten Häuser bereits ab April in Zahlungsschwierigkeiten kommen.

Wegen der befürchteten Überlastung mit Corona-Kranken stellen die Katholischen Kliniken ihr Personal darauf ein, nicht alle Patienten behandeln zu können.

„Wir versuchen in unseren Häusern, Ärzte und Pflegekräfte auf solche extremen Herausforderungen vorzubereiten, in denen sie eine Auswahl treffen müssen“, sagte Ingo Morell, Vize-Vorsitzender des Katholischen Krankenhausverbandes Deutschland (KKVD), der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Anlass seien Gespräche mit italienischen Kollegen.

„Wir setzen uns intensiv mit diesen eigentlich unvorstellbaren Lazarett-Szenarien auseinander und werden versuchen, eine seelsorgerische Betreuung des Personals sicherzustellen, damit Ärzte und Pflegekräfte in diesen Extremsituationen nicht alleine sind, sondern damit das gemeinsam getragen werden kann“, sagte Morell.

Nach welchen Kriterien können solche Entscheidungen getroffen werden? Eine einfache Antwort wird es nie geben, und wir dürfen niemanden mit dieser Verantwortung alleinlassen.“

Personal durch Spahns Gesetzesentwurf verunsichert

Den überarbeiteten Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für einen finanziellen Krankenhaus-Schutzschirm kritisierte der Verband als völlig unzureichend.

Wenn Spahn nicht sofort nachbessert, werden die ersten Häuser im April in Zahlungsschwierigkeiten kommen. Es braucht unbedingt kurzfristige Liquiditätshilfe in Form von Überbrückungskrediten, sonst wird es nicht gehen“, warnte Morell in der`NOZ.

„Wenn Mitarbeiter weiter befürchten müssen, am Ende des Tages blieben sie im Regen stehen, hat das eine verheerende psychologische Wirkung. Das darf nicht passieren. Denn wir schaffen es nur, wenn sich alle weiterhin maximal engagieren, wie sie es jetzt noch tun“, sagte Morell weiter.

Die Verunsicherung in den Krankenhäusern sei auch nach dem am Montag vom Kabinett verabschiedeten Gesetzentwurf „gewaltig“, sagte Morell.

Einnahmen aus normalen Krankenhausbetrieb brechen weg

Denn den Kliniken würden Einnahmen aus dem normalen Krankenhausbetrieb wegbrechen, wenn etwa die Fallpauschalen nicht mehr abgerechnet werden könnten, weil dafür nicht das erforderliche Personal eingesetzt werden könne.

Auch der Bettenleerstand werde durch Spahns nachgebessertem Rettungsschirm „nicht so ausgeglichen, wie es notwendig wäre, um ausreichende Sicherheit zu geben, gerade für große Häuser und Maximalversorger“.

Mit Blick auf die Einschätzung von RKI-Chef Lothar Wieler, die Kurve der Neuinfektionen flache bereits ab, zeigte sich der KKVD-Vize skeptisch.

„Wir stellen uns auf den gegenteiligen Prozess ein“, sagte Morell und warnte: „Eine verfrühte Entwarnung könnte den fatalen Effekt haben, dass jetzt nicht mehr die ganze Kraft in das Hochfahren der Kapazitäten gesteckt wird, was sich später bitter rächen würde. Die psychologische Wirkung sollte das RKI unbedingt im Blick haben.“

Krankenhausverband geht von Kapazitätsprobleme aus

Bei weiter stark steigenden Zahlen „könnten wir in wenigen Wochen oder Monaten Kapazitätsprobleme bekommen“, sagte der Vize-Vorsitzende der NOZ. „Das Personal ist der größte Engpass und wird es bleiben“, so Morell.

Wenn nicht genug Schutzkleidung nachgeliefert werde, „können wir den optimalen Schutz vor Ansteckung nicht mehr an allen unseren Standorten gewährleisten“, zeigte sich der KKVD-Vize alarmiert. „Länder und Bund müssen jetzt dringend zielgenau verteilen, was sie beschaffen konnten. Ansonsten haben wir hier ein großes Problem. Auch beim Material für die Patienten-Beatmung könnte es bald kritisch werden.“

Schön heute komme es zu Ansteckungen von Pflegekräften, etwa, wenn in Nachtschichten ein neuer Corona-Patient aufgenommen werden muss.

Wir können das Personal dann nicht sofort abziehen, ohne die Patientenbetreuung zu gefährden. Und es kommt vor, dass Mitarbeiter infiziert sind, ohne dass sie oder wir das wissen.“

Die Labore könnten derzeit nicht ausreichend Test-Kits liefern. Auch Rückkehrer aus Hochrisikogebieten werden eingesetzt, soweit Personalmangel herrscht und wenn sie keine Symptome zeigen.

„Womöglich müssen auch wir in vier Wochen bewusst infizierte Pflegekräfte und Ärzte weiterarbeiten lassen, weil es anders schlicht nicht mehr geht, weil zu viele Patienten behandelt werden müssen“, sagte Morell. (dts)


Unterstützen Sie unabhängigen und freien Journalismus

Danke, dass Sie Epoch Times lesen. Ein Abonnement würde Sie nicht nur mit verlässlichen Nachrichten und interessanten Beiträgen versorgen, sondern auch bei der Wiederbelebung des unabhängigen Journalismus helfen und dazu beitragen, unsere Freiheiten und Demokratie zu sichern.

Angesichts der aktuell schwierigen Zeit, in der große Tech-Firmen und weitere Player aus dem digitalen Werbemarkt die Monetarisierung unserer Inhalte und deren Verbreitung einschränken, setzt uns das als werbefinanziertes Nachrichten-Portal unter großen Druck. Ihre Unterstützung kann helfen, die wichtige Arbeit, die wir leisten, weiterzuführen. Unterstützen Sie jetzt Epoch Times indem Sie ein Abo abschließen – es dauert nur eine Minute und ist jederzeit kündbar. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Monatsabo ab 7,90 Euro Jahresabo ab 79,- Euro

Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Unsere Buchempfehlung

Alle Völker der Welt kennen den Teufel aus ihren Geschichten und Legenden, Traditionen und Religionen. Auch in der modernen Zeit führt er – verborgen oder offen – auf jedem erdenklichen Gebiet seinen Kampf gegen die Menschheit: Religion, Familie, Politik, Wirtschaft, Finanzen, Militär, Bildung, Kunst, Kultur, Medien, Unterhaltung, soziale Angelegenheiten und internationale Beziehungen.

Er verdirbt die Jugend und formt sich eine neue, noch leichter beeinflussbare Generation. Er fördert Massenbewegungen, Aufstände und Revolutionen, destabilisiert Länder und führt sie in Krisen. Er heftet sich - einer zehrenden Krankheit gleich - an die staatlichen Organe und die Gesellschaft und verschwendet ihre Ressourcen für seine Zwecke.

In ihrer Verzweiflung greifen die Menschen dann zum erstbesten „Retter“, der im Mantel bestimmter Ideologien erscheint, wie Kommunismus und Sozialismus, Liberalismus und Feminismus, bis hin zur Globalisierungsbewegung. Grenzenloses Glück und Freiheit für alle werden versprochen. Der Köder ist allzu verlockend. Doch der Weg führt in die Dunkelheit und die Falle ist bereits aufgestellt. Hier mehr zum Buch.

Jetzt bestellen - Das dreibändige Buch ist sofort erhältlich zum Sonderpreis von 50,50 Euro im Epoch Times Online Shop

Das dreibändige Buch „Wie der Teufel die Welt beherrscht“ untersucht auf insgesamt 1008 Seiten historische Trends und die Entwicklung von Jahrhunderten aus einer neuen Perspektive. Es analysiert, wie der Teufel unsere Welt in verschiedenen Masken und mit raffinierten Mitteln besetzt und manipuliert hat.

Gebundenes Buch: Alle 3 Bände für 50,50 Euro (kostenloser Versand innerhalb Deutschlands); Hörbuch und E-Book: 43,- Euro.

Weitere Bestellmöglichkeiten: Bei Amazon oder direkt beim Verlag der Epoch Times – Tel.: +49 (0)30 26395312, E-Mail: [email protected]

Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion