NGO-Schiff.Foto: CLEMENT MAHOUDEAU/AFP/Getty Images

Kritik an Milliarden-Industrie NGOs: Ist das, was die Stiftungen machen, im Interesse der Öffentlichkeit?

Epoch Times31. Juli 2019 Aktualisiert: 31. Juli 2019 22:26
Agieren die großen Nichtregierungsorganisationen im Interesse der breiten Öffentlichkeit? Eine berechtigte Frage, meint die Wissenschaftlerin Patrice McMahon.

In einem Interview mit „Spiegel-Online“ übt Patrice McMahon, Professorin für Politische Wissenschaften an der University of Nebraska-Lincoln, scharfe Kritik an Nichtregierungsorganisationen. McMahon ist Verfasserin der Studie „Das NGO-Spiel“, in der sie die privaten Organisationen genau unter die Lupe nimmt.

McMahon sagt, dass NGOs im Westen viele Jahre lang „romantisch verklärt“ worden seien. Das hänge vor allem mit dem Umstand zusammen, dass zivilgesellschaftliche Organisationen und Akteure entscheidend zum Fall der kommunistischen Diktaturen in Osteuropa beigetragen und den demokratischen Übergang geprägt hätten. Sie seien als „leuchtendes Beispiel“ gesehen worden.

Ich meine jedoch: Wir brauchen heute mehr Skeptizismus und Realismus gegenüber NGOs,“ betont McMahon.

Die Skepsis von McMahon – die viele Erfahrungen in Mittel- und Südosteuropa, sowie in Ostblockstaaten gesammelt hat – gegenüber großen internationalen NGOs rührt daher, dass die Privatorganisationen von „reichen US-Milliardären“ gesponsert werden. Diese Leute seien „sehr mächtig“, sagt sie.

Sie verfügen über sehr viel Geld, manchmal über mehr als die Staatshaushalte der Länder, in denen sie arbeiten.“

Das Geld komme teils von Regierungen, die vor Jahrzehnten angefangen hätten, bestimmte internationale Entwicklungsaufgaben an NGOs auszulagern.

Indirekt verfolgen diese NGOs damit die Interessen der geldgebenden Regierungen. Zum Teil ist aber auch unklar, woher das Geld kommt, mit dem diese Organisationen arbeiten, oder wofür genau sie es einsetzen,“ so die Expertin.

Zudem kritisiert McMahon, dass die Projekte der NGOs oft nur wenig oder gar nichts von dem, was sie versprechen, halten würden. Vor allem „abstrakte Projekte wie Friedensmissionen“.

McMahon hat Fälle in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo in ihrer Studie untersucht. Sie ist zu dem Schluss gekommen, dass die NGOs zwar viel Zeit und Geld in Menschenrechte, Frauenrechte oder interethnische Versöhnung investiert hätten aber sich letztendlich nichts verändert hätte. Die Themen, an denen die NGOs gearbeitet haben hätten lediglich auf der „politischen Agenda des Westens“ gestanden und seien „in Mode“ gewesen.

„Sie haben Macht, weil sie Geld haben“

McMahon betont, dass NGOs von niemanden in irgendwelche Positionen gewählt wurden. „Sie haben Macht, weil sie Geld haben, und das allein ist schon ein Anlass zur Sorge.“ Dabei gehe es um eine Milliardenindustrie.

Ich möchte wissen: Stimmt es, dass sie gute Absichten haben, bloß weil sie das behaupten?,“ so die Forscherin.

Der Westen müsse internationale NGOs „als wichtige Akteure“ ernster nehmen und auch Rechenschaft von ihnen einfordern. „Die einstige Annahme, dass NGOs an sich gut sind und alles, was sie machen gut ist, stimmt einfach nicht mehr,“ betont sie.

Kritiker würden sich Sorgen darüber machen: „Ist das, was die großen Stiftungen machen, im Interesse der Öffentlichkeit?“ Diese „Superbürger“ würden aber nicht unbedingt wissen, was für jeden das Beste sei, so McMahon.

Kritik an großen Philanthropen nimmt zu

An der Bill and Melinda Gates Foundation kritisiert die Wissenschaftlerin beispielsweise, dass die Stiftung international nicht nur arme Menschen unterstützen würde.

Ihre Tätigkeit kommt auch den Interessen großer Konzerne zugute, indem sie eine neoliberale Wirtschaftspolitik mitträgt.“

McMahon habe den Aufstieg von NGOs in den USA untersucht und wisse, dass es immer mehr Kritik an der „unverhältnismäßigen Rolle, die große Philanthropen in einer Vielzahl von Politikbereichen in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt spielen“ gebe.

Die Wissenschaftlerin fordert: NGOs sollten sich registrieren lassen und im Detail veröffentlichen, woher das Geld komme, das sie haben – und wohin es gehe. Und wenn beispielsweise die ungarische oder polnische Regierung fordern würden, dass große US-amerikanische NGOs ihre Finanzen offenlegen sollten, sei dies ihr gutes Recht. (so)



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