Kulmbacher Bierwoche: Polizeipräsenz schützt Fest – Schickte Stadt Flüchtlinge deshalb vorsorglich ins Ferienlager?

Von 7. August 2017 Aktualisiert: 7. August 2017 15:00
Geschickte Terminplanung? Zufall? Während der Kulmbacher Bierwoche fand gleichzeitig eine betreute Ferienfreizeit für die örtlichen Flüchtlinge statt. Die hatten sich schon auf das Fest gefreut und wollten offenbar gar nicht ins Ferienlager.

Laut dem bayerischen Innenministerium sei die Bedrohung durch islamistischen Terrorismus und Extremismus immer noch hoch, berichtet der „Nordbayerische Kurier“ und erinnerte zugleich an den Juli vergangenen Jahres mit dem Münchner Amoklauf und dem Axt-Anschlag im Würzburger Regionalzug.

Zur jährlichen Kulmbacher Bierwoche kommen rund 100.000 Besucher. Veranstalter des Festes sind die Stadt Kulmbach und die Kulmbacher Brauerei. Auch hier machte man sich viele Gedanken um die Sicherheit der Gäste.

Sicherheitssorgen

Stadt, Polizei, Rettungsdienst und die Brauerei Kulmbach einigten sich auf ein umfassendes Sicherheitspaket, welches sich nicht nur auf das eigentliche Festgelände, sondern auch auf die umliegende Stadt bezog. Aufgrund der hohen Gefährdungslage setzten die Verantwortlichen auf hohe Polizeipräsenz.

Der wichtigste Baustein darin ist die sichtbare Polizeipräsenz. […] Wir werden einzelne Personen gezielt ansprechen und mitgebrachte Taschen kontrollieren. […] Mit möglichen Straftaten durch Migranten, einzelnen oder Gruppen und jugendlichen Tätern, die immer wieder auffallen, müssen wir rechnen.“

(Polizeichef Salosnig)

Zur Sicherheit wurden sogar Fahrzeugsperren und Barrieren eingerichtet.

Die „Ferienfreizeit“

Die Bierwoche sei eine „hochrangige Veranstaltung für die Stadt“, erinnerte der Geschäftsleitende Beamte der Stadt im Vorfeld der Veranstaltung.

Ich denke, wir sind gewappnet und dürfen guter Dinge sein, weil wir uns in alle Richtungen Gedanken gemacht haben.“

(Uwe Angermann, Stadt Kulmbach)

In diesem 68. Festjahr traf es sich, zufällig oder geplant, dass während der Bierwoche vom 29. Juli bis 6. August die städtischen Flüchtlinge Urlaub machten, im Ferienlager. Ob es sich dabei um eine Sicherheitsmaßnahme gehandelt hatte, lässt sich nicht genau sagen. Das „Sat1“-Frühstücksfernsehen berichtete:

Man munkelt jedoch, dass die Flüchtlinge extra wegen der Bierwoche ausquartiert wurden. Ein direkter Nachbar der Asylunterkunft sagte:

Wenn sie die Menschen wirklich wegen der Bierwoche hier weggeschafft haben, dann finde ich das unmöglich!“

(Nachbar)

Für einen Stadtrat der Grünen lag es klar auf der Hand:

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Ich glaube, dass die eigentliche Verantwortung bei der Stadt Kulmbach liegt, bei der Verwaltung, an der Spitze der Oberbürgermeister, die dass angeleiert haben.“

(Hans-Dieter Herold, Grünen-Stadtrat in Kulmbach)

Die offizielle Begründung der Stadt Kulmbach greift diese Spekulationen jedoch gar nicht erst auf. Hier lautet es lediglich, dass die Flüchtlinge in einer betreuten Ferienzeit sind. Punkt. Kurz vor Beginn des Festes wurden sie in eine rund 100 Kilometer entfernte Jugendherberge in der Oberpfalz geschickt, zur „Ferienfreizeit“.

Flüchtlinge wollten zum Fest, nicht ins Ferienlager

Wie der Bericht von „Sat1“ vermittelt, handelte es sich jedoch im Fall der Großen Kreisstadt in Oberfranken um eine überschaubare Anzahl von 20 Flüchtlingen. Dennoch seien wohl einige von ihnen bereits auffällig geworden, so der Bericht.

Wenn es nach den Flüchtlingen gegangen wäre, wären diese wohl gerne da geblieben. Ein ehemals in Kulmbach untergebrachter Flüchtling erklärte:

Sie haben mir immer gesagt, dass sie nicht weg wollen. Sie wollten hier bleiben. Sie fragten: Wir haben hier ein Fest, warum müssen wir jetzt in eine andere Stadt fahren?“

(Ehsan Sakhizada)

Verschiedene Sichtweisen

Einige interviewte Bierfestbesucher hatten offenbar keine Probleme mit den Flüchtlingen, so der „Express“. Ein junger Mann fand: „Die sollen unsere Feste doch auch kennenlernen.“ Eine junge Frau meinte:

Ich habe bis jetzt noch gar nichts mitbekommen, dass die Stress machen. Ich kenne auch ein paar, die sind alle total korrekt.“

(Festbesucherin aus Kulmbach)

Ein Familienvater aus der norddeutschen Millionen-Metropole Hamburg hatte da offenbar eine andere Wahrnehmung: Man denke an Köln, sagte er:

Ich als Vater würde mir wirklich Sorgen machen. Jetzt wäre ich entspannter und könnte sagen: Meine Tochter kann ruhig da runter. Ganz einfach. Gute Aktion. Glückwunsch Kulmbach.“

(Familienvater aus Hamburg)

Hohe Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld

Offenbar hatte man in Kulmbach aus den Vorkommnissen von Schorndorf zwei Wochen zuvor Lehren gezogen und den nahe des Brauereigeländes gelegenen Stadtpark in diesem Jahr verstärkt überwacht.

[Siehe: „Schorndorfer OB Klopfer verteidigt feiernde Schüler – Migrantenbanden kamen nach Mitternacht“]

„Die dunklen Ecken werden mit neuen LED-Strahlern ausgeleuchtet, die auch an den Bäumen befestigt werden“, erklärte der zuständige Verwaltungsbeamte der Stadt, Uwe Angermann. Diese würden, wie die Straßenlaternen, bis fünf Uhr morgens brennen. Man werde alles sehr genau beobachten, so Angermann im Vorfeld des Festes.

Auch Bierfest-Organisator Michael Schmidt machte seine Hausaufgaben und bestätigte zudem, dass bereits im Vorjahr Taschenkontrollen von den Besuchern auf sehr großes Verständnis stießen.

Dieses Konzept wird Jahr für Jahr aufgrund aktueller Gegebenheiten bewertet, weiterentwickelt und  –  wenn erforderlich – auch angepasst.“

(Michael Schmidt, Festoganisator)

Der Großteil der Gäste sei friedlich und wolle nur feiern, so Kulmbachs Polizeichef Salosnig, man setze auf Präsenz, „um den Menschen ein Sicherheitsgefühl zu geben“.

Für uns gilt es, die wenigen einzelnen herauszufinden, die mit anderen Gedanken hierher kommen.“

(Polizeichef von Kulmbach)

Polizeibilanz

Das Konzept ging auf: Obwohl die offizielle Bilanz der Polizei noch aussteht, berichtete die Polizei von einer der friedlichsten Bierwochen überhaupt.

Zwar habe es durchaus während des Festes „Körperverletzungen, Pöbeleien und Stadelverbote gegeben, bei weitem aber nicht so viele wie in den Vorjahren, so die Polizei auf Nachfrage zu „Radio Plassenburg“. Vieles habe schon im Keim erstickt werden können.

Eine handfestere Sache sei dennoch erwähnt: Zwei junge Männer gerieten auf dem Nachhauseweg in Streit, wobei einer dem anderen einen Bierkrug an den Kopf schlug. Da dieser zu Bruch ging, erlitt der Geschlagene neben einer Schnittverletzung auch eine massive Beule, so „infranken“. Auch sein Kontrahent verletzte sich dabei an der Hand.

Schnell hatten sich die beiden Männer aber wieder versöhnt und konnten die anschließende Fahrt im Rettungswagen zusammen antreten.

Von Messerstechereien wurde nicht berichtet, auch nicht von sexuellen Übergriffen. Polizei, Stadt und Veranstalter dürften mit ihren Vorbereitungen zufrieden gewesen sein.

 

 

Die Kulmbacher Bierwoche 2016