Länder-Spagat: Schuldenbremse trotz hoher Flüchtlingskosten

Die Bundesländer ächzen zwar unter den kaum steuerbaren Milliarden-Kosten für die Unterbringung und Integration Hunderttausender Flüchtlinge. Doch an der Schuldenbremse, die ab 2020 eine Null-Neuverschuldung vorsieht, wollen sie nicht rütteln.
Titelbild
Gemeinden, Länder und Bund haben mit den Milliarden-Belastungen durch den Flüchtlingszustrom zu kämpfen.Foto: Patrick Seeger/dpa
Epoch Times28. Dezember 2015

Das ergab eine dpa-Umfrage bei den jeweiligen Finanzministerien.

Dabei haben die Länder ihre Finanzmittel für die Unterbringung und Integration der Flüchtlinge für 2016 teils kräftig aufgestockt. Das größte Bundesland Nordrhein-Westfalen plant im kommenden Jahr hierfür 4 Milliarden Euro ein – doppelt so viel wie 2015. Es folgen Bayern mit 3,31 und Baden-Württemberg mit 2,25 Milliarden Euro.

Dabei sind die Ausgaben für die Flüchtlinge schwer abzusehen und nur bedingt vergleichbar. Rheinland-Pfalz etwa summiert unter diesem Haushaltsposten nur die Kostenerstattung für Kommunen und die Erstunterbringung. Andere Länder wie Brandenburg bilanzieren auch Personalkosten für Lehrer, Polizisten und Richter. Auch der Bundesanteil ist derzeit oft nicht eindeutig zu beziffern.

In Schleswig-Holstein werden die Ausgaben für Flüchtlinge 2016 mit 816 Millionen Euro veranschlagt (2015: 560 Millionen Euro). „Wir investieren zuerst in Menschen und dann in Beton“, brachte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) die Grundhaltung vieler seiner Kollegen auf den Punkt.

Dies muss kein Widerspruch sein muss, meint die Deutsche Bank Research. Der Staatsverbrauch werde angesichts des Flüchtlingszuzugs und der daraus resultierenden Ausgaben expansiv bleiben. Aber das könne zu höheren Infrastruktur- und Bauinvestitionen führen. Zwar könnten die Staatsfinanzen unter Druck kommen. „Dank der hervorragenden Ausgangssituation bleibt ein ausgeglichener Haushalt aber möglich“, resümieren die Banker optimistisch.

Auch das „Dauer-Haushaltsnotlage-Land“ Bremen, das im ablaufenden Jahr rund 12 000 Flüchtlinge aufnahm (fast 2 Prozent seiner Bevölkerung), trägt das Kanzlerin-Mantra „Wir schaffen das“ im Grundsatz mit. Die rot-grüne Landesregierung sieht aber auch finanziellen Handlungsbedarf.

„Je nachdem, wie sich die Flüchtlingssituation entwickelt, kann es sein, dass wir für die Kosten der Unterbringung und Integration von Flüchtlingen die Ausnahmeregelung in Anspruch nehmen müssen“, sagte Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur. Bremen bekommt laut Sanierungsvertrag jährlich 300 Millionen Euro Konsolidierungshilfe von Bund und Ländern, wenn es die Neuschuldenreduzierung einhält. Die aktuelle Lage könnte das gefährden, deshalb strebt Bremen an, die Flüchtlingskosten gesondert auszuweisen.

Schützenhilfe kommt aus einem anderen Sanierungsland: „Das Saarland wird die Vorgaben zum Defizitabbau voraussichtlich nur dann dauerhaft einhalten können, wenn sich der Bund bei weiter steigenden Kosten der Zuwanderung an deren Finanzierung angemessen beteiligt“, warnte Saar-Finanzminister Stephan Toscani (CDU).

Doch selbst das mit 21,4 Milliarden Euro in der Kreide stehende Bremen rüttelt nicht an der Schuldenbremse. Baden-Württemberg ebenso wenig: „Wir werden die Schuldenbremse einhalten“, sagte der vor einer Landtagswahl stehende Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vor kurzem. (dpa)



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion